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Klima könnte kippenRegenwald in Flammen: Was das für das Weltklima bedeutet

Im schlimmsten Fall könnte das Ökosystem sogar kippen - und dadurch selbst zu einer Kohlenstoffquelle werden.

Proteste in Berlin gegen die klimafeindliche Wirtschaft Bolsonaros © APA/AFP/ODD ANDERSEN
 

Die aktuelle Zerstörung des Amazonas ist auch für das Weltklima eine Belastung: "Sie führt zum Ausstoß enormer Mengen an Treibhausgasen, die sonst im Regenwald gespeichert würden", sagte Georg Scattolin, Leiter des Internationalen Programms beim WWF Österreich, der APA. Im schlimmsten Fall könnte das Ökosystem sogar kippen - und dadurch selbst zu einer Kohlenstoffquelle werden.

In den vergangenen zehn Jahren wurden dem WWF zufolge alleine im brasilianischen Teil des Amazonasregenwaldes jährlich etwa 0,5 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente durch Entwaldung freigesetzt. "Insgesamt hat die bisherige Zerstörung bereits zu Treibhausgasemissionen von ca. 70 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalenten geführt", erklärte Scattolin.

Zum Vergleich: Deutschland stößt im Jahr etwa eine Milliarde Tonnen CO2-Äquivalente aus.

Um die Klimaschutzziele der Internationalen Gemeinschaft einzuhalten und die globale Klimaerwärmung unter zwei Grad zu halten, müsse der Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre aber so gering wie möglich gehalten werden. "Waldbedeckung, Wasserhaushalt und Klimagase sind eng verbunden", so der Experte.

Bolsonaro erwägt Militäreinsatz

Angesichts der verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet erwägt der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro die Entsendung der Streitkräfte. Soldaten könnten bei der Brandbekämpfung helfen, sagte der Staatschef dem Nachrichtenportal G1. Bolsonaro unterzeichnete zudem eine Anordnung, die alle Minister dazu auffordert, die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um Brände im Amazonasgebiet zu überwachen und zu bekämpfen.

Klimakipppunkt

Die größte Gefahr besteht aber durch den sogenannten Klimakipppunkt: Laut dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung markiert dieser das Versagen des Amazonas, Kohlenstoff zu speichern: "Durch Rückkopplungseffekte könnte der Regenwald dann von einer Kohlenstoffsenke zu einer der größten Kohlenstoffquellen werden und damit die Klimakrise sogar verstärken", sagte Scattolin. Diese "Tipping Points" haben das Potenzial, "dass sich die Klimaerhitzung danach verselbstständigt und selbst verstärkt".

Etwa 20 Prozent des Amazonas wurden bereits gerodet. "Es wird angenommen, dass ein Kipppunkt zwischen 20 und 25 Prozent liegt", sagte der WWF-Experte. Die befürchtete Konsequenz: Die südlichen und östlichen Teile des Regenwaldes trocknen aus und verwandeln sich in eine Savanne. Entwaldung führt zur Austrocknung weiterer Flächen, Brände werden wahrscheinlicher, mehr Treibhausgase werden frei, der Niederschlag reduziert sich.

Nicht mehr aufzuhalten

"Dieser sich selbst verstärkende Prozess ist ab einem bestimmten Punkt nicht mehr aufzuhalten: wenn die Entwaldung so weit fortgeschritten ist, dass der Regenwald selbst nicht mehr genug Feuchte für sein Überleben halten bzw. produzieren kann. Die Folge wäre ein großflächiges Waldsterben, der Regenwaldbestand in seiner heutigen Form würde halbiert und es könnten weitere ca. 150 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente in die Atmosphäre freigesetzt werden", erklärte Scattolin.

Brände in Brasilien: Problemzonen im Amazonas-Regenwald

Waldbrände

Mehr als 72.800 Brände wüteten bislang 2019 in Brasilien. Nicht nur die indigene Bevölkerung ist bedroht, auch Großstädte sind davon betroffen. Die starke Rauchentwicklung löste etwa einen Stromausfall in der Metropole São Paulo aus.

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Lunge der Welt

Der Regenwald am Amazonas verarbeitet pro Jahr rund zwei Milliarden Tonnen Kohlendioxid. Und er ist Produzent von etwa einem Fünftel des weltweit verfügbaren Sauerstoffs.

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Verdunstung

Ein Nebelschleier liegt über dem Regenwald. Jeder Baumriese verdunstet täglich etwa tausend Liter Wasser. Eine riesige Klimaanlage, wenn man so will. Beim Weltklima spielt der Regenwald eine Schlüsselrolle.

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Indigene Bevölkerung

Rund 13 Prozent der Fläche Brasiliens sind Schutzgebiete. Brasilien ist das Land mit den meisten unkontaktierten Völkern weltweit. Erst 2011 wurde im Javari-Tal ein isoliertes Volk mit rund 200 Angehörigen entdeckt.

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Rohstoffe

Gold- und Diamantensucher gibt es seit dem 17. Jahrhundert am Amazonas. 1967 wurden Eisenerzvorkommen entdeckt. Brasilien zählt zu den größten Eisenerzförderern der Welt nach China und Australien.

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Sojaproduktion

Brasilien ist mit mehr als 115 Millionen Tonnen Sojabohnenernte der zweitgrößte Produzent der Welt. Dafür werden riesige Waldflächen gerodet. Der Großteil davon geht als Tierfutter nach Nordamerika. Auch China kauft verstärkt Soja aus Brasilien, denn der Import ist günstiger als der Anbau im eigenen Land.

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Artenvielfalt

Mohrenkaiman, Jaguar, Brüllaffe, Anakonda - der Raubbau am Regenwald gefährdet auch die Fauna. Der Regenwald beherbergt die größte Zahl lebender Pflanzen und Tierarten der Welt.

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Medizin

Der Amazonas-Regenwald gilt als die größte Apotheke der Welt. Immer wieder werden neue Wirkstoffe entdeckt, die im Kampf gegen Krankheiten wie Krebs oder Demenz helfen sollen. Ein Viertel der zugelassenen Medikamente soll bereits jetzt seinen "Ursprung" im Regenwald haben.

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Unterstützung

Mehr als 760.809 Quadratkilometer Regenwald sind duch Rainforest Alliance zertifiziert. Mehr dazu unter www.rainforest-alliance.org

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Der WWF Österreich forderte eine scharfe internationale Reaktion auf die zunehmenden Waldbrände, um den Druck auf Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro zu erhöhen. "Viele Beobachter sehen einen Zusammenhang zu der steigenden Zahl illegaler Waldrodungen. Es ist zu befürchten, dass auf diese Weise neue Flächen für die industrielle Landwirtschaft sowie neue Viehzucht zur Massenproduktion von Fleisch geschaffen werden sollen. Das ist nicht nur eine Katastrophe für Umwelt und Natur, sondern auch für das Weltklima", warnte Scattolin. Die Umweltschutzorganisation fordert auch die Europäische Kommission auf, den Abschluss des geplanten Freihandelsabkommens EU-Mercosur zu stoppen und grundlegend neu zu verhandeln.

Der Amazonas brennt: Proteste weltweit

Vor der brasilianischen Botschaft in London forderten Demonstranten die verantwortlichen Politiker in Brasilien auf, sofort Maßnahmen gegen die Feuer zu setzen.

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Ebenso im indischen Mumbai!

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"Der Kapitalismus dreht völlig durch!" Auch in Berlin ging man auf die Straße.

(c) APA/AFP/ODD ANDERSEN (ODD ANDERSEN)

Sollten noch weitere Teile des Regenwaldes niederbrennen, könnte das Weltklima kippen. Die Folgen für die Menschheit wären verheerend. Lesen Sie hier mehr dazu!

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Kommentare (12)

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mapem
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Der globale Gonozid …

ist Mama Erde vollkommen egal … frag die Saurier!

Nur – wir brauchen dafür keinen kosmischen Impakt – das erledigen wir selber … denn wozu gibt´s Wahlen? …

Eben.

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LaPantera69
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Der Mensch...

...glaubt stets über den Dingen zu stehen und jetzt, wo die Natur sich zur Wehr setzt, schwitzt er um sein dreckiges Leben. Die Erde hat die Dinosaurier überlebt - sie wird auch die Menschheit überleben...

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FB4
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Traurig

Es geht nur um Geld, Gier und Macht.
In Österreich brauchen wir ein Steuer auf Fleisch wegen des CO2 durch die Nutztiere!!!!!

Hört endlich mit der Überproduktion auf, wir werfen Fleisch weg und quälen die Tiere nur aus reiner Geldgier!!!!!!!!

Was haben wir für Politiker??????

Da gäbe es noch mehr , aber wer von ihnen kann das verstehen.

Das schaffen wir dann nicht mehr, vielleicht auch gut so!!!

Der Gier und Dummheit sei Dank!!!!!

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AlexAnders
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Steuer wird nichts bringen

Gerde in Österreich versorgen wir uns mit FLeisch selber. Ö Exportiert sogar. Eine CO2 Steuer bringt nun nicht wirklich was. Einzig, dass die ELute dan noch eher zum Billigfleisch aus Südamerika greifen.

Solange es nicht einen Klick im Kopf der Menschen macht, bringe alle Steuern nix. Wenn das so wäre, würde die Leute nicht rauchen und nicht mit dem Auto fahren. Nein es muss ein Umdenken einsetzen. Wenn kein Fleisch mehr gekauft werden würden also die NAchfrage eklatant sinken würde, würde auch nicht mehr so vile produziert werden weil es sich nicht mehr rechnen würde.

Aber mit Politikern wie Bolsonaro, Trump drüben und Kurz hier in Ö wird sich das nciht ändern. Solange wir die Politiker der Bonzen und Richen an die Macht holen, wird sich das nicht ändern.

Leider sind die Leut immer mehr rechts und die Rechten wählen die Trotteln die der Wirtschaft dienen.

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zlatorog
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Eigentlich lustig:

Wir können uns eher den Untergang der Welt vorstellen als das Ende dieses wahnsinnig gewordenen Wirtschaftssystems!

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Amadeus005
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Kauf O2 anstatt Fleisch und Soja

Und schon fällt der Business Case

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Amadeus005
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Das O2 für Sauerstoff steht wussten die Neinsager schon

Hat nix mit dem Telefonanbieter zu tun. 😉

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Sam125
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Klima könnte kippen!

Ja leider wird durch die Zerstörung der Regenwälder, das gesamte WELTKLIMA nachhaltig und unwiederbringlich verändert werden!! Hoffentlich kann man das Flammeninferno noch eindämmen!! Dabei weiß man gar nicht ob die Waldbrände nun ein Unglück waren, oder ob man die Brände absichtlich gelegt hatte! Ich muss da leider auf "absichtlich gelegt" tippen!

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erstdenkendannsprechen
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hm. es werden grad die mercosur-verträge mit südamerika verhandelt.

und da ist ganz klar: wir brauchen in europa mehr regenwaldfleisch (die autoindustrie braucht es - damit die exporte gesichert sind). da haben wir die brände schon wieder vergessen...

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erfolg_reich
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ich gebe ihnen recht!

alle wisssen's. aber trotzdem wird mit amerika (mehr fleischabnahmen) und nun das mercosur-zeugs positiv verhandelt. fast jeder weiß, dass das einer der größten co2-treiber ist, aber trotzdem wird es gemacht!

das klima wird kippen! es ist/war naiv an die klimarettung zu glauben. geht gar nicht, wir sind schon zu tief drinnen.

vor 10 jahren hab ich auch geglaubt, dass so etwas wie der hass der nazis nicht mehr möglich ist. das war auch so ein irrtum!

krass, wir werden das ende der menschheit vielleicht noch selbst erleben!

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Whitesands
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Nicht nur vielleicht...

Wir sind garantiert live dabei... denn es wird schneller enden, als gedacht!

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sugarless
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Haustür

Ja auf die Länder in Afrika und Südamerika losschlagen können die Europäer gut, selbst aber im Wohlstand leben mit enormen Emissionen und unglaublichem Bodenverbrauch/ auch bei uns hat es einmal einen Urwald gegeben. Jetzt ist nicht einmal mehr Platz für einen Wolf.

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