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Vor KinderschutzgipfelMissbrauchsopfer fordern "Nulltoleranz"

Jeder schuldige Priester sollte seines Amtes enthoben werden, forderte das britische Missbrauchsopfer Peter Saunders, der am Mittwoch gemeinsam mit einer Delegation den Papst treffen sollte.

© AP
 

Missbrauchsopfer haben am Tag vor Beginn des viertägigen Kinderschutzgipfels im Vatikan den Papst zur Umsetzung der "Nulltoleranz" gegen Missbrauch durch Geistliche aufgerufen. Jeder schuldige Priester sollte seines Amtes enthoben werden, forderte das britische Missbrauchsopfer Peter Saunders, der am Mittwoch gemeinsam mit einer Delegation den Papst treffen sollte.

Ausschluss

Bei einer Pressekonferenz vor seiner Begegnung mit dem Papst in Rom forderte Saunders, dass Bischöfe, die Missbrauchsskandale gedeckt haben, sofort von der Kirche aus dem Priesterstand ausgeschlossen (laisiert) werden. "Wir fordern die Einführung der Pflicht für alle Bischöfe, bei den Justizbehörden ihrer Länder Missbrauchsfälle anzuzeigen. Das ist das Minimum, das die Kirche gegen Kindesmissbrauch unternehmen kann. Das muss zum Gesetz werden. Papst Franziskus kann es sofort einführen, ohne jemanden um Erlaubnis zu bitten", meinte Saunders.

Für die Missbrauchsopfer sei es schwierig gewesen, ihren Aufenthalt in Rom während des Gipfeltreffens zu organisieren. "Wir haben keine Geldmittel, doch wir sind fest entschlossen, unseren Kampf fortzusetzen", so das US-Missbrauchsopfer Peter Isely, Gründer des Verbands "End of clergy Abuse".

Unabhängige Untersuchungskommission

An der Pressekonferenz beteiligte sich auch Francesco Zanardi, Sprecher der Organisation "Rete L'Abuso", der das Treffen mit dem Papst im Gespräch mit der APA bestätigte. "Seit Jahren hatte ich vergebens um ein Treffen mit dem Papst gebeten. Diesmal hat uns der Vatikan gesucht", sagte der 48-jährige Zanardi, der selber als Teenager Opfer von Missbrauch durch einen Priester war. Zanardi setzt sich für die Einrichtung einer unabhängigen Untersuchungskommission nach dem Vorbild anderer Länder ein. Seine Organisation geht für Italien von mindestens 300 kirchlichen Tätern aus, die innerhalb der vergangenen 15 Jahre sexuelle Übergriffe verübt hätten.

Die indische Theologin und Frauenrechtlerin Virginia Saldanha betonte, dass es für Missbrauchsopfer wegen der Macht der Kirche heute sehr schwer sei, sich mit ihren Anzeigen durchzusetzen. Sie berichtete vom Fall der indischen Ordensschwester, die einen Bischof angezeigt hatte, weil er sie vergewaltigt haben soll. "Den Ordensschwestern, die diese Nonne unterstützt haben, ist mit schweren Disziplinarmaßnahmen gedroht worden. Viele Nonnen müssen den Orden verlassen, wenn sie sexuelle Gewalt anzeigen", sagte Saldanha.

 

Bischof Franco Mulakkal von Jalandhar im nordindischen Unionsstaat Punjab war Ende September wegen des Verdachts der Vergewaltigung einer Nonne in Untersuchungshaft genommen worden. Er lässt sein Amt derzeit ruhen. Inzwischen befindet er sich gegen Auflagen auf freiem Fuß und ist in seine Diözese im Norden des Landes zurückgekehrt. Die 48-jährige Ordensfrau beschuldigt den Bischof, sie seit Mai 2014 während seiner Besuche im südindischen Unionsstaat Kerala mehrfach vergewaltigt zu haben. Mulakkal weist die Anschuldigung zurück. Der 54-Jährige sieht in dem Vergewaltigungsvorwurf einen Racheakt wegen eines Disziplinarverfahrens, das er 2016 eingeleitet hatte.

 

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