In FormularenUrteil: Frauen haben kein Recht auf weibliche Anrede

Klägerin fühlt sich von Bank mit männlichen Formulierungen wie "Kunde" oder "Kontoinhaber" nicht angesprochen - und geht bis vor das deutsche Bundesverfassungsgericht.

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Frauen haben in Deutschland kein Recht auf eine weibliche Anrede in Formularen. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) am Dienstag in Karlsruhe entschieden. Das oberste deutsche Zivilgericht wies die Revision einer Sparkassen-Kundin zurück.

Kundin und Kunde

Die Klägerin (80) fühlt sich mit männlichen Formulierungen wie "Kunde" oder "Kontoinhaber" nicht angesprochen und pochte auf die Formulierungen "Kundin" oder "Kontoinhaberin". Sie rügte einen Verstoß gegen den im deutschen Grundgesetz garantierten Gleichheitsgrundsatz. "Es ist mein verfassungsmäßig legitimes Recht, dass ich als Frau in Sprache und Schrift erkennbar bin", argumentierte Marlies Krämer.

Das sieht der zuständige BGH-Zivilsenat mit seinen drei Richtern und zwei Richterinnen nicht so: Mit der verallgemeinernden Ansprache in männlicher Form werde sie nicht wegen ihres Geschlechts benachteiligt. Die Anrede "Kunde" für Frauen sei weder ein Eingriff in das Persönlichkeitsrecht noch ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz.

Die Klage der engagierten Kämpferin für Frauenrechte aus dem Saarland war schon in den Vorinstanzen erfolglos geblieben: Schwierige Texte würden durch die Nennung beider Geschlechter nur noch komplizierter, argumentierte das Landgericht Saarbrücken.

Kampf geht weiter

Trotz ihrer Niederlage nun auch vor dem BGH denkt die kampferprobte Seniorin nicht ans Aufgeben: "Ich ziehe auf jeden Fall vor das Bundesverfassungsgericht", kündigte sie an. Notfalls will sie die weibliche Formular-Sprache vor dem Europäischen Gerichtshof durchsetzen.

Marlies Krämer hat im Laufe ihres Lebens schon andere juristische Schlachten für sich entschieden: So verzichtete sie in den 90er-Jahren so lange auf einen Pass, bis sie als "Inhaberin" unterschreiben konnte. Später sammelte sie Unterschriften für weibliche Wetter-Hochs, davor wurden Frauennamen nur für Tiefs verwendet.

Kommentare (4)

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Salcete
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Vertrauen in die Justiz

teilweise wieder hergestellt, allerdings leider nicht in Österreich !

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büffel
4
43
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Sonst keine Probleme?

Wer sich wegen solchen Dingen diskriminiert fühlt und sogar noch Klage einreicht, der hat das Wort "Emanzipation" nicht verstanden und nimmt den wirklich Betroffenen allen Wind aus den Segeln.
Das ist schade, da es soooo viel an Ungerechtigkeit gibt, durch welche Frauen benachteiligt werden, abseits von solchem kindischen Gendergetue. Diese Damin sollte sich einmal in aller Ruhe mit einer alleinerziehenden Reinigungskraft (um das Beispiel zu strapazieren) unterhalten, was deren Anliegen wären....

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Sam125
5
37
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In Formularen

Jetzt wissen wir, von wo dieses extreme /Gendern herkommt !!.
Ich wünsche es mir, wie bei den Franzosen, dass dieser übertriebene Unsinn aufhört!
Da vergeht einem die Lust aufs Lesen der die jungen Menschen verlernen das zusammenhängende Lesen!

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kropfrob
8
2
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Wie oft ...

... bzw. wie häufig lesen Sie Behördenformulare und die AGBs Iherer Bank?

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