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Sturmtief ''Herwart''Tod und Zerstörung in Europa

+++ Mindestens vier Menschen ums Leben gekommen +++ Ausnahmezustand in Deutschland +++ Hunderttausende Haushalte in Tschechien ohne Strom +++

Am Hamburger Hafen trat die Elbe übers Ufer © AP
 

Tote, Verletzte und erhebliche Schäden hat das Sturmtief "Herwart" am Wochenende in Europa hinterlassen. Als der Sturm am Sonntag in Deutschland abflaute, begann vielerorts das große Aufräumen. In Polen und Tschechien waren mindestens drei Todesopfer zu beklagen. In Deutschland wurden zunächst sechs Verletzte bekannt, ein Camper starb. Der 63-Jährige ist am Ufer des Jadebusens in Niedersachsen von der Sturmflut überrascht worden und ertrunken. Der Mann habe den Ermittlungen zufolge mit seinem Bruder auf einem Campingplatz am Strandbad Sehestedt in einem Bulli übernachten und sich beim Herannahen des Wassers zu Fuß in Sicherheit bringen wollen, teilte die Polizei am Sonntag mit.

Der 59 Jahre alte Bruder konnte sich noch an einem Mast festhalten. Er wurde von einer Schlauchboot-Besatzung der Lebens-Rettungs-Gesellschaft am frühen Morgen gerettet und unterkühlt in ein Krankenhaus gebracht. Der 63-Jährige wurde wenig später tot geborgen. Beide Männer stammen aus Nordrhein-Westfalen.

In allen drei Ländern warf der Wind viele Bäume um, die Straßen blockierten und den Verkehr behinderten. Infolgedessen starb ein Mann in der polnischen Woiwodschaft Westpommern bei einem Autounfall, wie örtliche Behörden angaben. In Tschechien wurde eine Frau bei einem Waldspaziergang bei Trebic (Trebitsch) von einem Baum erschlagen. Ein Mann starb, als er in der böhmischen Kleinstadt Jicin (Jitschin) von einem Baum getroffen wurde, wie die Agentur CTK berichtete.

Hunderttausende Haushalte waren in ganz Tschechien ohne Strom, weil Freileitungen beschädigt wurden. In Most (Brüx) warf das Unwetter eine erst vor sieben Jahre eingeweihte orthodoxe Holzkirche um. In der Slowakei rieten die Behörden vor dem Feiertag Allerheiligen von traditionellen Besuchen an den Gräbern von Angehörigen ab. In Bratislava blieben Friedhöfe aus Sicherheitsgründen geschlossen.

In Deutschland stoppte die Bahn am Sonntag in sieben Bundesländern ihren Fernverkehr. "Vor dem Nachmittag werden im Fernverkehr voraussichtlich keine Züge fahren", sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Viele Straßen wurden wegen umgekippter Bäume gesperrt. Meteorologen warnten vor dem Betreten der Wälder, die Zoos in Berlin und Rostock blieben geschlossen. Besonders vom Sturm betroffen waren der Norden und Osten Deutschlands.

Eine Kuh musste aus der Elbe gerettet werden Foto © AP

In Berlin wurde ein Fußgänger von einem umkippenden Baugerüst schwer verletzt. In Sachsen-Anhalt und Bayern verletzten sich Autofahrerinnen, die mit ihren Wagen gegen umgestürzte Bäume prallten. In Nordfriesland überschlug sich ein Autofahrer beim Ausweichen vor Ästen und verletzte sich. Auf der A20 in Mecklenburg-Vorpommern rutschten Autos auf einer fünf Zentimeter dicken Hageldecke aus. Dabei verletzten sich zwei Menschen.

Die Hamburger Feuerwehr rückte bis zum Sonntagmorgen 550 Mal aus - meist wegen Bäumen und Ästen auf Straßen, aber auch auf Autos und Häusern. Die Berliner Feuerwehr wurde zwischen 4.00 Uhr und 10.00 Uhr zu 300 Einsätzen gerufen und rief deswegen den Ausnahmezustand aus. Der Sturm deckte dort ein komplettes Hausdach ab. Zwei S-Bahnen rammten umgestürzte Bäume. Die Zoos in Berlin und Rostock blieben wegen der Sturmwarnung am Sonntag geschlossen.

Dieses Auto wurde von zwei Bäumen getroffen Foto © APA/dpa/Daniel Bockwoldt

Wegen des Sturms standen die Züge in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen still. Züge aus anderen Regionen in diese Gebiete endeten vorzeitig. In Hamburg fuhr die S-Bahn noch eingeschränkt. Auch die Bahngesellschaften Metronom, Erixx und Enno stellten den Zugverkehr auf zahlreichen Strecken ein. Ersatzverkehr mit Bussen gab es wegen der Sturmgefahr meist nicht.

In Dortmund, Bielefeld und Hamm stellte die Bahn nach Angaben eines Sprechers sogenannte Übernachtungszüge zur Verfügung. Fahrgäste, deren Züge nicht mehr nach Norddeutschland weiterführen, könnten sich dort auch tagsüber aufhalten. Die Deutsche Bahn biete betroffenen Fahrgästen an, die Fernverkehrstickets vom Sonntag innerhalb von vier Wochen kostenlos umzutauschen.

Wegen starker Windböen in Frankfurt musste am Sonntag ein Airbus A380 der Lufthansa außerplanmäßig in Stuttgart landen. Nachdem die aus Houston (USA) kommende Maschine wetterbedingt einige Zeit über dem Flughafen Frankfurt gekreist war, entschied sich der Kapitän zur Sicherheitslandung, auch weil Treibstoff knapp wurde.

Sommerliche Temperaturen in der Schweiz

Das Sturmtief hat in der Schweiz Windböen mit Spitzen von bis fast 150 Kilometer pro Stunde (km/h) ausgelöst. Im Tessin wurde es wegen des Nordföhns außergewöhnlich warm.

Die stärkste Böe wurde um die Mittagszeit auf dem Corvatsch mit 149 km/h registriert. Zu spüren war der Wind auch in der Ostschweiz. In Herisau etwa wurde ein Maximalwert von 90 km/h gemessen.

Der Nordföhn ließ im Süden gleichzeitig die Temperaturen stark ansteigen. In Locarno gab es deshalb 24,2 Grad, in Ascona 24,9 Grad, wie SRF Meteo schreibt.

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