Italien nimmt Abschied von einem kleinen Buben, der die Transplantation eines kaputten Spenderherzens nicht überlebt hatte. Der Sarg des zweijährigen Domenico wurde im Dom seines Heimatorts Nola bei Neapel aufgebahrt. Tausende strömten seit Mittwochfrüh zur Kathedrale. Zur Beerdigung am Nachmittag wurde auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni erwartet. Der tragische Fall hatte das Land wochenlang bewegt.

Der Zweijährige war mit einem schweren Herzfehler zur Welt gekommen. Kurz vor Weihnachten hatte er ein Spenderherz transplantiert bekommen. Das Ersatzorgan funktionierte aber nie, weil es beim Transport von Bozen nach Neapel falsch gekühlt worden war. Domenico starb schließlich am vorvergangenen Wochenende auf der Intensivstation eines Krankenhauses in Neapel. Der Fall beschäftigt auch die Ermittler.

Autopsie soll erste Aufschlüsse bringen

Die Autopsie an der Leiche des kleinen Domenico soll erste Aufschlüsse zum Fall bringen. Der neapolitanische Herzchirurg Guido Oppido, gegen den wegen fahrlässiger Tötung ermittelt wird, verteidigte sich gegen Vorwürfe, Fehler im Zusammenhang mit dem Spenderherz aus Bozen gemacht zu haben: „Ich weiß nur, dass ich alles richtig gemacht habe, ich bin selbst ein Opfer dieser Situation. Ich habe elf Jahre meines Lebens damit verbracht, Kinder hier in Kampanien zu operieren. Ich habe 3.000 Kinder operiert“, sagte Oppido laut Medienangaben.

Das Spenderherz war im Dezember aus Südtirol nach Neapel gebracht worden, offenbar in einer einfachen Kühlbox auf Trockeneis. Letzteres gilt nach ersten Erkenntnissen als entscheidend für die Schädigung des Organs. In Neapel wurde der Behälter geöffnet, das Herz war gefroren. Das medizinische Personal versuchte vergeblich, es aufzutauen. Schließlich entschied der verantwortliche Herzchirurg nach eigenen Angaben mangels Alternativen, das Herz dennoch Domenico zu transplantieren. Neben der Staatsanwaltschaft hat sich auch das Gesundheitsministerium in Rom eingeschaltet.