Alle, die schon bei der theoretischen Führerscheinprüfung angetreten sind, können die Nervosität nachvollziehen. Neben generellem Prüfungsdruck kommt dazu, dass man bei einem negativen Ergebnis für einen weiteren Antritt wieder zahlen müsste - und das beim insgesamt schon alles andere als billigen Führerschein.
Darts-Weltmeister Luke Littler hat den theoretische Teil der Führerscheinprüfung erst beim siebenten Mal positiv absolviert. Ein Prüfling aus Großbritannien sorgt jetzt ebenso für Aufsehen, weil er es auch beim 128. Mal noch immer nicht geschafft hat.
Der Fall wurde durch einen Beitrag des Fahrschulverbands „AA Driving School“ publik, der zum britischen Automobilklub „The AA“ gehört. Darin wurden die Testantritte ausgewertet, die Daten stammen von der staatlichen Agentur für Fahrer- und Fahrzeugstandards DVSA. Der betroffene Prüfling hat bisher 2944 Pfund (rund 3300 Euro) allein in nicht bestandene Theorieprüfungen gesteckt. Jeder Antritt kostet in Großbritannien 23 Pfund (etwa 26 Euro).
Mehr als 90 Stunden im Prüfungsraum
Ein anderer Fahrschüler musste sich laut „AA“ vor einiger Zeit ebenfalls lange gedulden - erst nach der 76. Theorieprüfung hat er es endlich geschafft. 2024 schrammte ein Kandidat knapp an diesem Rekord vorbei, der 75. Antritt ist dann doch geglückt. Damit verbrachte der Führerscheinanwärter mehr als 90 Stunden im Prüfungsraum der Fahrschule. So lange hätte man für ganze 18 schriftliche Matura-Prüfungen Zeit. Der britische Theorietest besteht aus 50 Multiple-Choice-Fragen sowie aus Videoclips, in denen Gefahren erkannt werden müssen. Statistisch gesehen fallen übrigens bei der darauf folgenden Praxisprüfung weniger Personen durch als bei der Theorie. Die Praxisprüfung ist jedoch auch teurer, laut „AA“ zahlt man derzeit werktags 60 Pfund (68 Euro) und abends oder am Wochenende 75 Pfund (85 Euro).
Kein Limit bei Antritten
Dass jemand über 100 Mal zur Prüfung antreten kann, liegt daran, dass es im Vereinigten Königreich keine Höchstanzahl von Antritten gibt. Selbiges gilt für Österreich: Wer hierzulande in der Theorieprüfung durchfällt, muss mindestens zwei Wochen bis zur nächsten Möglichkeit warten. Bei jedem Antritt für den B-Führerschein fallen elf Euro an Behördenkosten an.
Der Theorieteil findet auch in Österreich als computerbasierte Multiple-Choice-Prüfung statt. Er ist auf Deutsch, Englisch, Kroatisch oder Slowenisch sowie in Gebärdensprache möglich. Aus einem Pool von knapp 1500 Fragen werden für den Pkw-Führerschein 40 Fragen gestellt, wobei 80 Prozent richtig beantwortet werden müssen.
In Deutschland noch teurer
Erst nach bestandener Theorieprüfung kommt der praktische Teil, für den noch einmal 60 Euro beim Erstantritt anfallen. Für den gesamten Führerschein muss man in Österreich momentan je nach Fahrschule und Bundesland zwischen 1800 und 2400 Euro zahlen - bei mehreren Antritten dementsprechend mehr.
In Großbritannien zahlt man laut Guardian in der Regel umgerechnet zwischen 1700 und 2300 Euro. Der ADAC rechnet vor, dass man in Deutschland noch tiefer in die Tasche greifen muss: Hier kostet der Erwerb der Lenkberechtigung etwa 2500 bis 4500 Euro.