Überall liegen Lebensmittelverpackungen und Müll herum. Es ist wie ein Buffet für sie. Tagsüber sehen wir nicht viele, aber nachts wimmelt es auf den Straßen nur so von ihnen.“ Mit diesen Worten zitierte nun die „Daily Mail“ einen Bewohner von Birmingham in den englischen West Midlands. Die zweitgrößte britische Stadt kennt derzeit zwei große, zusammenhängende Probleme: ein Meer aus Unrat und wahre Legionen von Ratten. Anders gesagt: Es ist Haushaltsabfall, der äußerst lebendig ist.
Müllberge mit gravierenden Folgen
Aus allen Nähten platzende, nicht geleerte Mülltonnen und aufgetürmte schwarze Müllsäcke sind in Birmingham über Wochen vielerorts zum beherrschenden Bild geworden. Die Müllabfuhr streikt bereits seit Jänner immer wieder mit Unterbrechungen – mit weitreichenden Folgen. Und es könnte noch schlimmer kommen: Jener Streik, der am 4. März gestartet wurde, ist unbefristet.
Der Tisch ist in der Überflussgesellschaft reich gedeckt: Das üppige Nahrungsangebot scheint die Ratten gedeihen zu lassen, es gibt Berichte über Exemplare „in der Größe von Streunerkatzen“. Zu sehen seien sie nicht nur im öffentlichen Raum der Drei-Millionen-Einwohner-Stadt, sondern auch in Hinterhöfen. Einige sollen in gewissen Arealen von Birmingham bis in die Häuser gelangen.
Gestritten wird vor allem um das Salär der Müllarbeiter, die Stadtverwaltung sieht sich im Recht: „Die Eskalation der Arbeitskampfmaßnahmen wird für die Anrainer größere Beeinträchtigungen bringen – trotz des fairen Angebots, das der Stadtrat der Gewerkschaft Unite unterbreitete.“ Birminghams Bürger „wünschen und verdienen eine bessere Müllabfuhr.“ Unite lehnt indes die Maßnahmen, die laut Stadtrat „Teil einer dringend nötigen Umgestaltung“ sind, ab. Man mindere den Status von Mitarbeitern, was für 150 Bedienstete Gehaltseinbußen von 8000 Pfund pro Jahr bedeute.
Für Preet Gill, Labour-Parlamentsabgeordnete aus Birmingham, erreichte das Müllproblem einen „kritischen Punkt“. Nicht nur seien überall Ratten, auch eine steigende Zahl von Kakerlaken wird beobachtet. Gill befürchtet einen „öffentlichen Gesundheitsnotstand“ – die Stadt habe die „gesetzliche Pflicht“, die Bevölkerung vor Krankheiten zu schützen. Mit Sorge blickt man auch auf das stetig wärmer werdende Wetter: Unite hat davor gewarnt, dass die Abfallentsorgung bis in den Sommer hinein lahmgelegt sein könnte.