Diese Rückflugtickets sind hart verdient: Als die US-Astronautin Sunita Williams und ihr Kollege Butch Wilmore im vergangenen Juni auf der Internationalen Raumstation (ISS) ankamen, sollten sie eigentlich nur für eine Woche bleiben. Es wurden neun Monate daraus. Dienstagmorgen (MEZ), dürften die zwei, zusammen mit „Crew 9“-Kollegen Nick Hague (USA) und Alexander Gorbunow (Russland), ihr Langzeit-Habitat im Erdorbit endlich verlassen haben – und auf dem stark verspäteten Rückweg zum Heimatplaneten sein. So der Plan.
Boeing-Kapsel flog leer zurück
Was verhinderte den Heimflug zur geplanten Zeit im vergangenen Jahr? Das „Starliner“-Raumschiff, für das der in Schwierigkeiten steckende Boeing-Konzern im Auftrag der Nasa verantwortlich zeichnete, hatte anhaltende technische Probleme. Am Ende entschied die Nasa, die Raumfähre im September leer zurück zur Erde zu holen. Es lag in weiterer Folge an SpaceX, dem privaten Raumfahrtunternehmen von Donald-Trump-Kompagnon Elon Musk und seinem „Crew Dragon“-Raumschiff, den Transfer zurück zu übernehmen. Das wiederum brauchte in Vorbereitung und Umsetzung auch länger als gedacht.
„Crew 10“ traf nun ein – der Austausch der Crew und der Heimflug der alten Mannschaft wurden seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump im Jänner als vorrangig behandelt. Obwohl die Mission in letzter Minute mehrfach verschoben wurde, bereiten sich Wilmore und Williams seit einiger Zeit darauf vor, das ISS-Orbital-Labor zu verlassen und zur Erde zurückzukehren. Den längsten durchgehenden Aufenthalt im All absolvierten übrigens zwei Kosmonauten: Waleri Poljakow verbrachte von 1994 bis 1995 in Summe stolze 437 Tage im All, Sergej Awdejew kam von 1998 bis 1999 auf immerhin 379.
Musk pöbelt ISS-Kommandanten an
US-Politik und einhergehende Begleitfeuer spielen sich längst auch im All ab: Musk verkaufte den Heimflug von Williams und Wilmore natürlich vorab als patriotischen Triumph durch SpaceX. Im Februar hatte er – ohne Beleg – behauptet, Ex-US-Präsident Joe Biden hätte Williams und Wilmore aus „politischen Gründen“ im Weltraum gelassen. Dem widersprach der dänische Ex-ISS-Kommandant Andreas Mogensen entschieden – in Wahrheit stand einer rascheren „Rettung“ deren unglaublich komplexe Logistik entgegen. Der SpaceX-Boss hieß den verdienten Astronauten trotzdem postwendend einen „Idioten“.
Die ISS bleibt so oder so gut gefüllt: Neben den vier Neuankömmlingen bleiben zwei weitere Russen und ein Amerikaner an Bord – sie kamen erst im September an. Die Gestrandeten Williams (58) und Wilmore (61) gelten als erfahren, die Monate im All zehrten aber körperlich und seelisch. Die frisch eingetroffene Crew machten sie noch mit der praktischen Bedienung der in die Jahre gekommenen ISS vertraut: Die US-Astronautinnen Anne McClain und Nichole Ayers, der Japaner Takuya Ōnishi und der Kosmonaut Kirill Peskow sollen sechs Monate „oben“ bleiben.
Planmäßig.