In den USA und in Kanada wüten derzeit heftige Waldbrände. Allein in den USA gebe es 79 aktive Großbrände. Die Feuer erstrecken sich demnach über eine Fläche von knapp 4500 Quadratkilometern, das entspricht fast der doppelten Fläche Luxemburgs.
Besonders schlimm ist es in Kalifornien. Mehr als 4000 Menschen sind im Norden des westlichen US-Bundesstaats angesichts eines schnell voranschreitenden Waldbrandes evakuiert worden. Das Feuer breite sich mit einer Geschwindigkeit von rund 1600 bis 2020 Hektar pro Stunde aus, hieß es von den Einsatzkräften am Freitagabend (Ortszeit). Nach Behördenangaben hat der Waldbrand bis Samstagabend mehr als 140.000 Hektar Land zerstört.
Mehr als 4000 Gebäude durch die Flammen bedroht
Seit Freitag hat sich das sogenannte „Park“-Feuer nördlich von Sacramento in seiner Größe nahezu verdoppelt. Nach Angaben der Behörde Cal Fire sei am Samstagabend (Ortszeit) eine Fläche von mehr als 1.400 Quadratkilometern betroffen gewesen. Das entspricht mehr als der Fläche der Stadt Los Angeles. Mehr als 4.000 Gebäude werden nach Behördenangaben durch die Flammen bedroht.
Mehr als 3700 Feuerwehrleute im Einsatz
Wie die Zeitung „Los Angeles Times“ berichtete, kamen die Löscharbeiten am Samstag durch kühleres Wetter etwas voran. Die Temperaturen, die am Freitag noch über 37 Grad Celsius gelegen hätten, seien auf knapp 30 Grad gefallen. Zusätzlich sei die Luftfeuchtigkeit gestiegen.
„Wir nutzen dieses Wetter zu unserem Vorteil“, zitierte die Zeitung einen Sprecher der Feuerwehr. Trotz des Löscheinsatzes von mehr als 3.700 Einsatzkräften, mehr als einem Dutzend Hubschraubern und mehreren Flugzeugen waren nach jüngsten Angaben nur zehn Prozent des Flammenmeers unter Kontrolle. „Zahlreiche Löschflugzeuge aus dem ganzen Bundesstaat fliegen Einsätze zur Feuerunterdrückung, soweit es die Bedingungen erlauben“, erklärte Cal Fire. Niedrigere Temperaturen und höhere Luftfeuchtigkeit hätten die „Feueraktivität“ reduziert - der Brand breite sich aber immer noch aus, fuhr die Behörde fort.
Insgesamt wurden bisher 4000 Menschen aus den Orten Cohasset und Forest Ranch evakuiert, weitere 400 aus der Stadt Chico. Nach Angaben der Behörden wurden bisher 134 Gebäude zerstört.
Der Waldbrand hatte sich am Mittwoch nahe der Stadt Chico entzündet. Innerhalb von Stunden verwüsteten die Flammen dort und im benachbarten Tehama County eine riesige Fläche. Am Donnerstag nahm die Polizei einen 42-jährigen Verdächtigen fest, der ein brennendes Auto in eine Schlucht geschoben und so das Feuer entfacht haben soll.
Chico liegt nur etwa 24 Kilometer von der Stadt Paradise entfernt, die im Jahr 2018 von einem verheerenden Feuer verwüstet wurde. Das Flammeninferno mit 85 Toten ging als Brand mit der höchsten Anzahl von Todesopfern in die Geschichte Kaliforniens ein. Wegen der explosionsartigen Ausbreitung des derzeitigen Feuers wurde nun erneut ein Evakuierungsalarm für Paradise ausgegeben.
Hunderte kleinere und größere Feuer in anderen Bundesstaaten
Feuer toben auch in den US-Bundesstaaten Arizona, Oregon sowie Alaska und dem nördlichen Nachbar Kanada. Hier brennen nach Angaben der zuständigen Behörde Hunderte kleinere und größere Feuer. Besonders betroffen sind den Angaben zufolge die Provinz British Columbia an der Westküste und die östlich angrenzende Provinz Alberta. Dort erreichte ein Waldbrand den Ort Jasper im gleichnamigen Nationalpark in den Rocky Mountains.
Angesichts des Klimawandels warnen Experten, dass Feuer häufiger auftreten und mehr Zerstörungskraft entfalten.
In Sibirien wüten Waldbrände auf mehr als einer Millionen Hektar Land
Auch in Sibirien haben sich allein in der Region Jakutien nach Behördenangaben auf eine Fläche von mehr als einer Million Hektar verheerende Wald- und Flächenbrände ausgebreitet. Nach Angaben des Zivilschutzministeriums der Hauptstadt wüten derzeit mehr als 130 einzelne Feuer in der Region. Rund 2.000 Menschen seien für die Löscharbeiten am Boden und in der Luft im Einsatz.
Wegen der Waldbrände gilt in der Region im Nordosten Russlands seit Wochen der Ausnahmezustand. Die ausgedehnten Wald-und Flächenbrände in der Arktis-Region haben in den vergangenen Wochen auch zu gewaltiger Rauchentwicklung geführt. Mehrere Städte versanken im Qualm. Russland kämpft jedes Jahr mit den Feuern, bei denen viel Wald und Steppe zerstört werden.
Die russische Waldbrandbekämpfungseinheit teilte mit, dass wegen trockener Gewitterfronten immer neue Naturfeuer ausbrechen könnten. Die Flammen breiteten sich auch wegen heftiger Winde und fehlender Niederschläge aus. Besonders in schwer zugänglichen Regionen verzichten die Einheiten oft aus Personal- und Kostengründen auf das Löschen.