Die sozialen Medien sind schonungslos. Mein Instagram-Algorithmus macht sich gerade einen Spaß daraus, Videos einzuspielen, in denen mich Kinder fröhlich anlachen, während im Untertitel eine Schockbotschaft läuft: „Wenn dein Kind sechs Jahre alt ist, hast du schon 40 Prozent der gemeinsamen Zeit mit ihm verbraucht“, steht dort geschrieben, dahinter stapft eine mir unbekannte Erstklasslerin vergnügt durchs Bild. Kurzer Schnitt, dann zeigt ein Teenager sein schönstes Zahnspangenlächeln. „Mit zwölf Jahren habt ihr bereits 75 Prozent eurer gemeinsamen Zeit gelebt“, heißt es weiter. Dazu wird eine Sanduhr eingeblendet, die munter vor sich hin rieselt. Bevor ich jetzt vielleicht noch erfahre, dass mein Kind ab 16 nur noch zu 0,3 Prozent anwesend sein wird, klicke ich weg. Der Ausblendung zum Trotz bleibe ich verstört zurück.