KultkistenDer Peugeot 205 war der GTi unter den GTI

Gut gebrüllt, kleiner Löwe: Erinnern Sie sich an Christopher Lamberts irres Grinsen in Luc Bessons Thriller "Subway"? Es hatte einen guten Grund: den Peugeot 205 GTi.

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Der Peugeot 205 GTi ist bis heute ein Pulsbeschleuniger © PEUGEOT
 

Wir schreiben das Jahr 1983, als sich ein Kleinwagen anschickt, den ins Wanken geratenen PSA-Konzern zu retten: Nach fünfjähriger Entwicklungszeit unter dem Projektcode M24 enthüllte Peugeot im Jahr 1983 seinen Hoffnungsträger 205.

Und der schlägt ein: Der 3,70 Meter kurze Franzose gewinnt auf Anhieb nicht nur zahllose Vergleichstests, sondern auch viele wichtige Auszeichnungen. Darunter die Medienpreise „Goldenes Lenkrad“, „Auto der Vernunft“ und „Bester Kleinwagen“. Er tritt in großer Vielfalt als Drei- und Fünftürer, Cabrio CTI und sogar als Kastenwagen auf den Plan.

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Er ist einer der größten Helden der Rallyegeschichte (drei Mal Weltmeister) – aber im Handel war der Lancia Stratos HF ein Verlierer. Um in der Gruppe 4 starten zu dürfen, mussten die Italiener zunächst 400 Stück an private Kunden verkaufen – aber der Donnerkeil stand wie angeschraubt in den Auslagen. Die letzten Neuwagen in Deutschland sollen um 15.000 D-Mark quasi verschenkt worden sein. Heute wären für einen Stratos bis zu 500.000 Euro zu überweisen.

LANCIA

Der BMW 2002 Turbo mit dem Entwicklungscode E20 mit 170 PS war (noch vor dem Porsche 911 Turbo) das erste in Serie hergestellte deutsche Auto mit Abgasturbolader. Doch krachte der Haudrauf mit Heckspoiler im Herbst 1973 direkt in die erste Ölkrise und wurde postwendend wegen des hohen Benzinverbrauchs an den Pranger gestellt. Ebenso wie der auf Wunsch auf dem Frontspoiler in Spiegelschrift angebrachte Schriftzug "turbo 2002", den die Presse Kriegsbemalung nannte. Nach nur einem Jahr und 1672 Stück traten die Bayern den Rückzug an. Heute liegen 02er Turbos preislich zwischen 80.000 und 110.000 Euro.

BMW

Er sollte Elemente eines Vans, eines Kombis, eines Shooting Brakes, eines Coupés und, ja, sogar eines Cabrios verbinden - kein Wunder, dass der Renault Avantime viele Betrachter 2001 orientierungslos zurückließ. Und dann war da das luftige, zweifarbige Interieur (zweifelhaft verarbeitet, fasste kaum vier Passagiere), das riesige Panorama-Glasschiebedach (meist undicht). Und nicht zuletzt die 1,40 Meter langen und 60 Kilogramm schweren Türen, die, um beim Öffnen Platz zu sparen, einen Tanz auf einem komplexen Mechanismus vollführten (der kaputt ging). 2003 zog Renault die Reißleine: Nur 8545 Stück wurden gebaut - und sind heute bei Sammlern hoch begehrt, die für schöne Avantime bis zu 15.000 Euro hinblättern.

RENAULT

Es sollte das schnellste Fahrzeug mit Straßenzulassung werden. Der Jaguar XJ220 basierte auf Jaguars Le-Mans-Rakete mit 6,2-Liter-V12, die beim 24-Stunden-Rennen 1987 und 1988 als Sieger hervorgegangen war. Und obwohl er rund sieben Millionen Schilling kosten sollte, gingen 1989 innerhalb weniger Tage 1500 Bestellungen ein. So weit, so gut - möchte man meinen. Aber dann ersetzte Jaguar den versprochenen V12 durch einen Sechszylinder, woraufhin das Supersportwagenimage über und die Kunden von Bord gingen und die Aufträge reihenweise stornierten. Mit bis zu 550.000 Euro muss man heute rechnen – also mehr als Neupreis.

JLR

1989 enthüllte VW auf dem Genfer Autosalon eine auf offroad getrimmte Studie namens Golf Montana. Was nicht mehr als eine Fingerübung hätte sein sollen, führte zu reihenweise Blindbestellungen, die bei den Händlern eingingen. Also begann man, über eine Serienfertigung nachzugrübeln – und der VW Golf Country im Oberförsterlook war geboren. Aber haben wollte den Vorläufer der SUV-Bewegung am Ende doch kaum jemand. Nach 7735 Stück war Schluss. Heute muss man für einen Golf Country bis zu 15.000 Euro ausgeben.

VOLKSWAGEN

Als der AMC Pacer 1992 seinen Auftritt im Klamaukstreifen "Wayne's World" hatte, war die Produktion des Dreitürers zwar schon seit zwölf Jahren eingestellt, aber er war mit einem Schlag Kult. Aber als Neuwagen war er den US-Amerikanern dann doch zu skurril: Wegen seines eigenwilligen Aussehens und der großen Glasflächen (37 Prozent der Fahrzeugoberfläche) wurde er auch "rollendes Aquarium" oder "Football auf Rädern" genannt. Der Wagen war so lang wie ein VW Golf IV - seine Breite von 1,96 Metern übertrifft die der aktuellen Mercedes S-Klasse. Heute muss man für einen Pacer mit mehr als 20.000 Euro kalkulieren.

KK

Heute ist der den "Blower" der berühmteste Bentley überhaupt – als er neu war, musste man den Kunden für das 4,5-Liter-Modell mit vorgespanntem Roots-Kompressor förmlich nachlaufen. Denn für die Zulassung beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans mussten die Briten von ihrem technischen wie finanziellen Desaster auf vier Rädern 50 Stück an den Mann bringen. Das gestaltete sich schwieriger, als 1930 das Rennen zu gewinnen. Kein Wunder, bei einem Verbrauch von 100 Liter Sprit auf 100 Kilometern bei Tempo 100. Heute muss man für einen „Blower“ zwei bis fünf Millionen Euro auf den Tisch legen.

BENTLEY

Ohne zu übertreiben kann man sagen, dass der Audi A2 bei seiner Premiere 1999 revolutionär war: Ein nicht einmal vier Meter langer Minivan mit einem Luftwiderstand von gerade einmal 0,28, mehr als 400 Litern Kofferraum, Platz für vier Erwachsene und nur knapp 900 Kilogramm Leergewicht. Und als Diesel ein 3-Liter-Auto. Aber damals dachte kein Mensch ans Spritsparen: Audi legte bei jedem Exemplar drauf - nach nur fünf Jahren und 176.377 Stück war Schluss. Heute werden für schöne Exemplare bis zu 10.000 Euro aufgerufen.

AUDI

Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg hatte Rolls-Royce das Design für ein neues Modell außer Haus gegeben – und schon ging alles schief. Pininfarina stellte mit dem Oberklassecoupé Camargue 1975 einen Entwurf auf die Räder, der den Lords die Kinnlade herunterfallen ließ. Und dann war da noch der Preis von mehr als 3 Millionen Schilling. 531 Exemplare in elf Jahren Bauzeit sprechen sogar im automobilen Oberhaus Bände. 60.000 bis 80.000 Euro werden heute für einen Camargue verlangt.

ROLLS-ROYCE

Das Design stammte von Ercole Spada, damals Chefstylist bei Zagato, unter der Karosserie steckte die Technik der allseits beliebten Giulia – und dennoch brachte Alfa von 1969 bis 1975 gerade einmal 1510 Stück des Junior Zagato an die Kunden. Das Blechkleid war optisch seiner Zeit voraus – und um den Preis bekam man schon einen Porsche 914 mit 2-Liter-Boxermotor, während man im keilförmigen Italiener mit einem 1300er-Vierzylinder eher die Haare föhnte. Dennoch werden heute 50.000 bis 70.000 Euro für den Alfa fällig.

ALFA ROMEO
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In Österreich steht der 205er in der für heutige Maßstäbe unglaublichen Zeitspanne von dreizehn Jahren in den Schauräumen. In anderen Märkten der Welt bleibt er sogar bis 1998 im Programm. Am Ende seiner Laufbahn standen 5.278.000 ausgelieferte Exemplare in den Bestellbüchern. Womit der Werbeslogan zur Markteinführung am Ende recht behalten sollte: “Sacré Numéro“ - er war wirklich eine große Nummer.

Vom 205 GTi wurden insgesamt 332.942 Stück gebaut Foto © PEUGEOT

Und als GTi war er noch größer: 1984 eroberte die Sportversion die linke Spur der Autobahn und machte nicht nur dem Namensvetter aus Wolfsburg so richtig Konkurrenz, sondern den kleinen Franzosen erst so richtig populär.

Wer wollte nicht wie im Werbespot (siehe unten) in James-Bond-Marnier am Steuer des 205 GTi mit einem breiten Grinsen im Gesicht gegen die Bösewichte in Kampfflugzeugen bestehen? Oder wie der wasserstoffblonde Christopher Lambert mit einem irren Grinsen im Gesicht durch Luc Bessons Thriller "Subway" rasen. Zumindest im Kopf.

Zunächst trat der Hothatch mit den ausgestellten Radhäusern als 1.6 mit damals heißen 105 PS - also einem Leistungsgewicht von flotten 6,8 Kilo pro PS - auf den Plan. Es folgte der 1.9 mit interimistisch 102 und schließlich einer Leistungsspritze auf 120 PS. Heute sind unverbastelte 205er GTi selten wie junge Wilde, die in den 80er-Jahren keinen besitzen wollten.

Mitte der 1980er-Jahre tauchte der 205 als Turbo 16 in die mörderische Gruppe B der Rallyewelt ein. Außer dem Namen und dem Motorblock hatte der turbogeladene Mittelmotor-Allradler mit Kunststoffkarosserie und mehr als drei Mal so vielen PS nur denkbar wenig mit den zivilen 205ern zu tun (abgesehen von Scheinwerfern, Blinkern, Kühlergrill, Windschutzscheibe, Türen und Rückleuchten) - aber deren Image explodierte.

Die Gruppe B lässt grüßen: die Straßenversion des Peugeot 205 T16 Foto © PEUGEOT

Die Finnen Ari Vatanen und Timo Salonen und Rallye-Amazone Michèle Mouton trugen ihn von Sieg zu Sieg. 1985 holt Peugeot mit dem 205 Turbo 16 zum fulminanten Doppelschlag aus und sichert sich den Weltmeister-Titel in der Fahrer- und in der Markenwertung.

Im Jahr darauf gelingt die Verteidigung des Markentitels. Nach einer Reform des Rallye-Reglements schickt Peugeot den Löwenkönig in die Wüste, wo der 205 Turbo 16 in den Jahren 1987 und 1988 die Langstrecken-Rallye Paris-Dakar gewinnt. 

Die 200 Homologationsmodelle des Turbo 16 mit Straßenzulassung, die für den Einstieg in den Rallyesport an den Kunden gebracht werden mussten, die standen wie auch beim Lancia Stratos wie Blei bei den Händlern und wurden mit riesigen Rabatten verschleudert. Hätte man da doch zugeschlagen: Heute werden dafür 250.000 bis 500.000 Euro aufgerufen.

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Danke für Ihr Verständnis.

SoundofThunder
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Da kann ich mich noch an einen Vergleich erinnern

Die Rallyversion ist einmal gegen einen 600PS Lamborghini angetreten. War auf DSF im Fernsehen (ist schon lange her) . Der Lamborghini hat sich nicht einmal richtig in Bewegung gesetzt war der Peugeot schon weg! Der Lamborghini hat nur Staub gefressen. 😂😂😂