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ElektromobilitätAchtung, die Scooter kommen!

E-Scooter regen auf - und sind doch nicht aufzuhalten: Was hinter dem Trend steckt, welche Autofirmen mitspielen und warum Scooter wie der eXS von Seat mehr sind als ein Midlife-Crisis-Spielzeug.

© OLIVER WOLF
 

Langsam drückt man mit dem Daumen auf den Wippschalter an der Lenkstange, dann stößt man sich ein-, zweimal mit dem linken Fuß vom Asphalt ab. Der Daumen wird zum Gasfuß, das Hirn bleibt aber das Hirn: Und das braucht man unterwegs definitiv, klar. Und zwar auf Radwegen und nicht am Gehsteig.

Deshalb rollen wir in die erste Brems-, äh Nachdenkzone: E-Scooter sind das Mobilitätsthema der Stunde. Nicht nur in dem Sinn, die Welt zu verbessern und die Städte vom Autostau zu befreien, sondern ein eigenes Geschäftsmodell zu finden, wie das Wettrennen der Verleihfirmen um die Städte dieser Welt zeigt. Es ist ein neues Ökosystem, in dem sich mit Milliarden bewertete Verleihfirmen tummeln und auf das schnelle Geld hoffen - wie Bird oder Lime. In Wien rollen ein halbes Dutzend Verleiher, (Basispreis pro Fahrt 1 Euro, plus 15 Cent pro Minute).

Gesetzesnovelle

Im Zuge der 31. StVO-Novelle werden E-Scooter mit max. 600 Watt und einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h Fahrrädern gleichgestellt. Verboten ist es, auf Gehsteigen und Schutzwegen zu fahren, es gilt ein Alkohollimit von 0,8 Promille. Pflicht: wirksame Bremsvorrichtung, Vorder-/Rücklicht etc.

Selbst Autofirmen wie VW, Ford oder Daimler/BMW (Anbieter: Hive) wittern ein Geschäft, auch der Taxi-Revoluzzer Uber will aufs Trittbrett. In rund fünf Monaten kann sich der Kauf eines E-Scooters durch das Verleihgeschäft amortisieren, dann wartet der Reingewinn - wenn das Vehikel hält. Selbst jene sogenannten „Juicer“, die abends und in der Nacht die Roller wieder aufsammeln und wieder zu den Sammelpunkten bringen und laden, bekommen noch einen kleinen Teil vom Kuchen ab: Fünf Euro bringt das etwa pro E-Scooter. Es wartet ein riesiger Verdrängungswettbewerb in den Städten.

Elektro-Scooter könnten tatsächlich in unseren Städten Teil der Lösung sein und nicht das Problem, zu dem sie aktuell gerne gemacht werden. Auch wenn sie wie die Radfahrer erst ihren Platz in der urbanen Mobilität erkämpfen müssen: Auf Radwegen, die für die E-Scooter geöffnet werden, wird es definitiv enger. Hoffentlich bleibt Platz für gegenseitiges Verständnis.

Seat, im Volkswagenkonzern verantwortlich für die Mikromobilität, hat als erste klassische Autofirma einen E-Scooter in Kooperation mit Segway (technische Basis) ins Rollen gebracht und sogar aktiv in ihr Autogeschäft (im Kofferraum des Tarraco) eingebaut.

Der eXS der Spanier gilt als Luxusliner unter den Elektro-Scootern, das Fahrerlebnis aus der Sicht eines angebrochenen 50ers: Man bringt natürlich mehr Gewicht auf das Brett mit seinen zwei kleinen Rädern (20 cm, hinten: 19,2 cm hinten) und seiner Hightech-Steuerung, die man über Handy und eine App bespielen kann.

Mehrere Fahrmodi stehen zur Auswahl, unsereins entscheidet sich für „Sport“, weil man so den 300-Watt-Motor besser ausreizen kann, und so das Anfang-50er-Gewicht definitiv besser beschleunigt. Zur eigenen Ehrenrettung: Die maximale Belastungsgrenze für den E-Scooter von 100 Kilogramm wurde noch nicht erreicht. Faszinierend bleibt, wie einfach sich so ein Roller fährt.

Seat eXS

Der Seat eXS, in Kooperation mit Segway gebaut, kostet 599 Euro.
Antrieb. 187-Wh-Batterie, 300-Watt-E-Motor, Spitze 25 km/h, max. Reichweite 25 km/h.

Man ist irgendwie im Flow-Zustand: Beschleunigen und Bremsen sind harmonische Begleiter, dafür ist die Federung brettlhart (Kopfsteinpflaster ist nicht das Lieblingsumfeld), die Kurvenlagen schräg. Schnelle Bremsvorgänge (mit einem Wippschalter oder über gezielten Druck auf das Schutzblech über dem Hinterrad) kann man mit Gefühl locker meistern. Auch indem man bei einem adäquaten, abgebremsten Tempo abspringt, den Scooter über den Lenker zügelt.

Das alles geht spielerisch leicht, man sollte es vorab mit Schutzbekleidung und Helm üben. Grundsätzlich muss man stärker auf andere Verkehrsteilnehmer aufpassen: Der E-Scooter baut flott Geschwindigkeit auf, die wenigsten haben abgespeichert, dass man elektrisch fährt. Man ist ein Fremdkörper, noch, selbst die Radlfahrer schauen einen schief an. Hm, Midlife-Crisis?

Bei der Ausdauer des eXS muss man differenzieren. Unser Anfang-50er-Gewicht saugt mehr Energie. Vor allem, wenn man über längere Strecken bergauf den Gasdaumen schwer am Drücker hat. 25 Kilometer Reichweite werden so schwer zu schaffen sein, 15 bis 20 sind drin, man kann auch über die Fahrmodi die Batterie schonen. Die Batterie ist in etwas über drei Stunden aufgeladen.

Im Sportmodus erreicht man die 25-km/h-Spitze, bergauf sind es je nach Steigung - und ja, Gewicht - entsprechend weniger. Der eXS trägt ein Gewicht von zwölfeinhalb Kilogramm, ist watscheneinfach einzuklappen und dann als Handgepäck transportabel. Über mehrere Stockwerke ist's als verschärftes Konditionstraining anzuerkennen. Nicht nur damit spielt der E-Scooter eine tragende Rolle im neuen Mobilitätsverhalten in unseren Städten.

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Danke für Ihr Verständnis.

paulrandig
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Neue Verwendung, in Linz beobachtet:

Kinder borgen sich die Dinger gerne aus ohne sie per App zu aktivieren und benutzen sie als normale Roller. Natürlich geht da rasch einmal der Alarm los, was den Knirpsen umso mehr taugt. Und nachdem diese Rollkrücken überall herumliegen, schnappen sie sich bei Bedarf einfach eine und schmeißen sie dann wieder in den Grünstreifen.
Da kommt - auch bezüglich des höflichen Umgangs seitens der Erwachsenen - noch ein Patzen Erziehungsarbeit auf uns zu. Aber das ist wohl jedesmal so, wenn eine neue Technik Einzug in die Gesellschaft hält. War ja auch beim Handy nicht anders...

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