Von wegen StadtpanzerWarum SUV nicht so viel größer sind, wie man meinen möchte

Keine andere Fahrzeugklasse ist so beliebt wie die der SUV. Und keine andere polarisiert dermaßen. Aber sind die Hochsitze wirklich die "Stadtpanzer", als die man sie gerne schimpft? Rechnen wir nach.

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© Getty Images (Peter Dazeley)
 

Man kann den Ärger ja teilweise nachvollziehen. So groß. So schwer. Und so unnötig vor allem in der Stadt, wo sich laut Statistik die meisten Sports Utility Vehicles aufhalten – das kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Dieses generelle Bild des SUV als Symbol des endgültigen automobilen Überflusses hat sich erstaunlich tief in das kollektive Gedächtnis eingebrannt. Von „Stadtpanzern“ wird gern gesprochen, die zudem unaufhaltsam mehr werden.

2018 zum Beispiel lag der Marktanteil dieser Crossover-Fahrzeuge in Deutschland bei 36,4 Prozent, im ersten Halbjahr 2020 bei über 34. Und auch in Österreich bleibt man hier nicht weit dahinter. 2019 lag das Kuchenstück dieser Modelle am Neuwagenmarkt bei 31,9 Prozent. Und im ersten Halbjahr des heurigen Jahres befanden sich unter den 20 beliebtesten Modellen gleich neun Vertreter dieser Gattung. Alles Gründe, sich ernsthafte Sorgen zu machen. Oder etwa nicht?

Jänner bis September 2021: Top 20 Neuwagen

Platz 20: VW ID.4

Mit 1989 verkauften Stück und einem Marktanteil von 1 Prozent kämpft sich das Elektro-SUV VW ID.4 auf den 20. Platz.

VOLKSWAGEN

Platz 19: BMW X1

Auf Platz 19 landet der BMW X1 mit einem Plus von 10,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr: 2081 Stück wurden verkauft, damit hält er einen Marktanteil von 1,1 Prozent.

BMW

Platz 18: Seat Ateca

2172 verkaufte Stück bedeuten für den Seat Ateca ein Minus von 18,1 Prozent, einen Marktanteil von 1,1 Prozent und den 18. Platz in der Zulassungsstatistik.

SEAT

Platz 17: Skoda Karoq

Platz 17 gehört dem Skoda Karoq, der heuer bislang 2381 Kunden fand und damit einen Marktanteil von 1,3 Prozent kassiert. Damit liegt er im Vergleich zum Vorjahr genau gleich auf.

SKODA

Platz 16: Hyundai Tucson

Mit einem Plus von 4,7 Prozent holt sich der Hyundai Tucson den 16. Platz. 2430 Stück wurden verkauft, der Marktanteil liegt bei 1,3 Prozent.

HYUNDAI

Platz 15: Seat Leon

Der Seat Leon landet mit einem Plus von 25,3 Prozent auf den 15. Platz. Das entspricht 2465 verkauften Stück und einem Marktanteil von 1,3 Prozent.

SEAT

Platz 14: VW ID.3

Auf Platz 14 fährt der VW ID.3. 2509 Stück wurden verkauft, sein Marktanteil liegt bei 1,3 Prozent.

VOLKSWAGEN

Platz 13: VW Tiguan

Der VW Tiguan hat mit einem Minus von 6 Prozent den 13. Platz geholt. Die Bilanz: 2548 Stück und ein Marktanteil von 1,3 Prozent.

VOLKSWAGEN

Platz 12: Seat Arona

Platz 12 geht an den Seat Arona: Er holt sich 2572  Verkäufe, einen Marktanteil von 1,4 Prozent und ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von 19,4 Prozent.

SEAT

Platz 11: Dacia Sandero

Dacias neuer Kleinwagen Sandero fährt den elften Rang ein. 2752 verkaufte Stück machen 1,4 Prozent Marktanteil und ein Plus von 84,2 Prozent aus.

DACIA

Platz 10: VW T-Cross

Der VW T-Cross hat mit 2986 Stück den zehnten Platz und 1,6 Prozent Marktanteil erwirtschaftet. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 5,4 Prozent.

VOLKSWAGEN

Platz 9: Tesla Model 3

Auf den neunten Rang schafft es das Model 3 von Tesla mit 3109 Stück und 1,6 Prozent Marktanteil. Das ist ein Plus von 56,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

TESLA

Platz 8: Seat Ibiza

Der Seat Ibiza ergattert den achten Platz. Vom Spanier wurden heuer bisher 3140 Stück abgesetzt. Marktanteil: 1,7 Prozent bei einem Plus von 37 Prozent.

SEAT

Platz 7: Skoda Fabia

Ein Minus von 12,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahr kassiert der Skoda Fabia. Mit 3376 verkauften Stück landet er auf Platz 7 mit einem Marktanteil von 1,8 Prozent.

ŠKODA

Platz 6: VW Polo

Der VW Polo landet auf Platz 6: 3408 Kunden haben sich heuer bisher für den Wolfsburger entschieden. Das macht einen Marktanteil von 1,8 Prozent und ein Minus von 19,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

VOLKSWAGEN

Platz 5: VW Bus

Auf Platz 5 parkt der VW Bus: Mit 3460 Stück fährt er einen Marktanteil von 1,8 und ein Plus von 19,2 Prozent ein.

VOLKSWAGEN

Platz 4: VW T-Roc

3661 VW T-Roc wechselten heuer den Besitzer. Das macht 1,9 Prozent Marktanteil, ein Plus von 6,9 Prozent und den vierten Platz in der Zulassungsstatistik.

VOLKSWAGEN

Platz 3: VW Golf

Der VW Golf hat seinen angestammten Spitzenplatz verloren und fällt auf Rang 3 zurück: Mit 4191 verkauften Stück hält er einen Marktanteil von 2,2 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Minus von 8,9 Prozent.

VOLKSWAGEN

Platz 2: Skoda Octavia

2020 war er das meistverkaufte Auto Österreichs - und auch heuer hatte der Skoda Octavia bisher die Nase vorn, ist jetzt aber auf Platz 2 zurückgefallen. 4371 neue Besitzer hat der Bestseller 2021 gefunden, das macht 2,3 Prozent Marktanteil und ein Minus von 27,4 Prozent.

SKODA

Platz 1: Fiat 500

Paukenschlag an der Spitze: Platz 1 geht in einem Zwischensprint an die Fiat-500-Familie: Vom Kleinwagen 500, der neuen elektrischen Variante, dem SUV 500X und dem Van 500L wurden heuer bisher 5043 Stück abgesetzt. Das entspricht einem Plus von 42,5 und einem Marktanteil von 2,7 Prozent.

FIAT
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Das Center Automotive Research aus Duisburg hat sich unter der Leitung von Professor Ferdinand Dudenhöffer dieser Frage angenommen und erstaunliche Fakten aus den Tiefen der Statistiken ausgegraben. Um eines gleich vorweg zu nehmen: Das gemeine SUV ist schon lange nicht mehr so groß und so schwer. Es ist zum Normalo geworden, zum Pantoffelhelden der Tiefgaragen Europas, wobei die Ausnahmen auch hier die Regel bestätigen.

Waren Sports Utility Vehicles 1990 sogar noch ein paar Zentimeter kürzer als der Durchschnitts-Pkw (4,24 zu 4,26 Meter), überragten sie diese 2007 schon um bis zu 30 Zentimeter. Damals maß ein SUV im Schnitt 4,58 Meter in der Länge, die späten Nuller-Jahre gelten für Dudenhöffer also als die exzessivsten Jahre dieser Fahrzeuge.

Ab spätestens 2009 setzte mit steigendem Umweltbewusstsein – die CO2-Debatte ging damals gerade richtig los – ein Rückwärtstrend ein, die Bewegung der Kompakt- und Mini-SUV rollte auch bei den europäischen Herstellern an. Und heute? Und im Durchschnitt? Generell liegt die Längendifferenz zwischen Pkw und einem vergleichbaren Crossover im Jahre 2020 bei nahezu Null, und die in der Breite bei harmlosen vier Zentimetern.

Ja und dann bleibt noch die gewichtigste Frage überhaupt: die nach den Pfunden. Vor 30 Jahren lag der Unterschied noch bei stolzen 598 Kilogramm, was kein Wunder ist, basierten damalige SUV auf echten Geländewagen mit Leiterrahmen und Starrachsen. Von diesen Konstruktionen nahmen sie aber schon bald Abschied und trugen fortan selbsttragende Karosserien. Das knabbert zwar viel weg von der Geländetauglichkeit, da ein solider, verwindungsarmer Rahmen und robuste Starrachsen das Um und Auf für Offroad-Fahrten sind. Allerdings: All das zählt bei einem SUV nicht, da die ja sowieso meist nur auf befestigten Straßen unterwegs sind.

Und sogar der Verzicht auf Allradantrieb fällt im Endeffekt nur positiv auf, da nicht nur Gewicht (bis zu 100 Kilogramm) einspart wird, sondern dank des kleineren Mitteltunnels auch mehr Platz im Innenraum bleibt. Im Schnitt wiegen SUV heute nur mehr 159 Kilogramm mehr als vergleichbare Pkw.

Dennoch ein Kritikpunkt, an dem keines dieser Autos vorbei kommt: Ein wenig mehr Sprit als ihre flacheren und leichteren Kollegen werden sie konstruktionsbedingt einfach immer benötigen.

Ist die Aufregung um SUV also ganz umsonst? Jein. Fairerweise muss zu diesen Statistiken gesagt werden, dass ihre hohen Verkaufszahlen den SUV grundsätzlich ein wenig in die Karten spielen. Das auf diesen Berechnungen basierende Durchschnittsauto besteht schließlich zu immer höheren Anteilen aus eben diesen Modellen, und auch die herkömmlichen Segmente – egal ob Kleinwagen, Kompakte oder Kombi – wuchsen in den letzten Jahrzehnten deutlich. Beispiel: Ein Ford Fiesta legte von 1990 bis heute um 30 Zentimeter in der Länge, 13 in der Breite und rund 280 Kilogramm zu.

Und auch wenn wie oben erwähnt der Gewichtsunterschied bei weniger als 200 Kilogramm liegt – in den letzten drei Jahrzehnten ging das SUV-Durchschnittsgewicht von 2172 Kilogramm auf 2147 zurück – die Pkw hingegen legten so dermaßen zu, dass sie nun im Schnitt fast zwei Tonnen auf die Waage bringen.

Modellvorstellung: Rolls-Royce Cullinan

Wie auch immer, hier ist er jetzt, der Cullinan. Benannt nach dem größten jemals gefundenen Diamanten der Welt, ist der Rolls-Royce Cullinan also angetreten, den Luxus der Limousinen bis in den entlegensten Winkel der Welt zu tragen. Und zwar mit der „Everywhere-Taste“.

ROLLS-ROYCE

Typisch britisches Understatement analog zu Rolls-Royces einstigen lapidaren Leistungsangaben „enough“ (genug). Andere mögen ihre Fahrer mit den unterschiedlichsten Modi belästigen, im Cullinan genügt ein kurzes Antippen, um die volle Bandbreite der Offroad-Fähigkeiten zu aktivieren. Um souverän durch tiefsten Schnee und Wasser zu gelangen, bietet der Oberhaus-Offroader 540 Millimeter Wattiefe.

ROLLS-ROYCE

Der 6,75-Liter-V12-Motor verfügt über zwei Turbolader, erwirtschaftet ein maximales Drehmoment von 850 Nm bei nur 1600 U/min sowie 571 PS und trägt das Seine dazu bei.

ROLLS-ROYCE

Eine Palastrevolution spielt sich am Heck ab: Zum ersten Mal in der 112-jährigen Firmengeschichte hat ein Rolls-Royce mit Standard-Karosserie eine Heckklappe. Oder vielmehr „The Clasp“, wie sie die Briten lieber nennen. Eine Premiere ist auch, dass die Rücksitzlehnen umgeklappt werden können – selbstverständlich elektrisch auf Knopfdruck und im Verhältnis 1/3 zu 2/3 teilbar.

ROLLS-ROYCE

Der Kofferraum fasst 560 Liter, ohne Heckablage sogar 600 Liter. Sind beide Rücksitzlehnen umgelegt, misst die Ladelänge 2245 Millimeter, während das Gesamtvolumen auf 1930 Liter wächst. Hilfreich beim Beladen ist auch, dass der Kofferraumboden auf Knopfdruck elektronisch angehoben werden kann.

ROLLS-ROYCE

Die Kopfstützen werden beim Umklappen nach oben bewegt, um einen Abdruck auf dem Sitzkissen zu vermeiden. Und: Eine Glaswand trennt die Passagierkabine vom Gepäckraum und schafft ein abgeschlossenes System für die Insassen.

ROLLS-ROYCE

Im Fahrzeugheck gibt es eine obere Luke mit motorisierter Schublade, das sogenannte „Recreation Module“. Dafür bietet Rolls-Royce maßgeschneiderte Einsätze an – beispielsweise für Drohnen, Fliegenfischen, Fotografieren, Paragliding, Kitesurfen oder was immer der Kunde wünscht.

ROLLS-ROYCE

Für andere Situationen empfiehlt sich indes die exklusive „Viewing Suite“: Auf Knopfdruck treten aus dem Kofferraum zwei nach hinten gerichtete Ledersitze mitsamt Cocktailtisch hervor. Die picknickverliebte Aristokratie wird „amused“ sein.

ROLLS-ROYCE

Entscheiden sich die Kunden für die beiden leicht zueinander gewandten Einzelsitze im Fond, sind diese durch eine feste Konsole getrennt, in die ein Getränkeschrank mit Whiskygläsern und Karaffe, Sektgläsern und Kühler integriert ist. Auf Knopfdruck steht ihnen ein ausfahrbarer Picknicktisch zur Verfügung sowie zeitgemäße Infotainmenttechnik mit Touchscreens.

ROLLS-ROYCE

Für müheloses Einsteigen durch die gegenläufig öffnenden Türen senkt sich das Fahrzeug automatisch um 40 Millimeter ab. Innovativ ist auch der Ausstieg: Selbst wenn der Cullinan Matsch oder Schnee durchquert hat, können seine Passagiere bequem aussteigen – ohne sich schmutzig zu machen. Die vorderen und hinteren Fahrzeugtüren greifen weit in den Schweller hinein und sorgen dafür, dass Schmutz von außen nicht die eigentliche Türschwelle erreicht.

ROLLS-ROYCE
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Selbstverständlich gibt es auch heute noch Sports Utility Vehicles, die mit ihren Daten weit über das verträgliche Maß hinaus schießen. Modelle wie der Rolls-Royce Cullinan (5,3 Meter), der Bentley Bentayga (5,1 Meter), BMW X7 (5,2 Meter) oder der Lamborghini Urus (5,1 Meter) sind hierzulande zwar echte Exoten, bedienen mit ihrer Üppigkeit von bis zu 2,5 Tonnen aber jene Vorurteile, mit denen alle SUV – so klein und brav sie auch sein mögen – zu kämpfen haben.

Stückzahlen sind damit auch nur in den Märkten in Übersee zu machen. Warum die Hersteller diese Dickschiffe hierzulande also überhaupt anbieten, muss jeder für sich selbst beantworten.

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Kommentare (3)
Hildegard11
2
5
Lesenswert?

SUV nicht gleich SUV

Einen Opel Mokka kann man schwer mit einem Q7 o.ä. vergleichen.

Ragnar Lodbrok
12
5
Lesenswert?

Skoda auf Platz eins...

warum nicht gleich ein Dacia...

ma12
7
11
Lesenswert?

HaHa

Weil die deutschen KRAXN zu teuer sind!