40 Jahre Audi quattroVom Sieg einer Idee - und was die Steiermark damit zu tun hat

40 Jahre Audi quattro. Wie ein Geistesblitz den Motorsport beflügelte und zum Lehrbeispiel eines Imagewandels geriet.

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Himmelsstürmer: Walter Röhrl feierte mit dem Audi quattro fulminante Erfolge © AUDI
 

Nein, erfunden hat Audi den Allradantrieb nicht. Schon 1903 hatten die niederländischen Brüder Spijker auf dem Pariser Salon einen allradangetriebenen Wagen hergezeigt. Und auch den britischen Autobauer Jensen und die Japaner von Subaru darf man durchaus Pionierrollen zugestehen.

Tatsächlich aber machte erst Audi vor 40 Jahren den Allradantrieb salonfähig. Quattro wurde zum Synonym für 4x4. Mit der Erfindung heftete sich Audi den Vorsprung durch Technik auf die Firmenfahne. Der erste Allrad-Seriensportwagen entstaubte die Marke und brachte Audi auf eine ungeahnte Flughöhe.

Wie alles begann: der erste quattro auf dem Genfer Autosalon Foto © AUDI

Den Aufstieg ins automobile Oberhaus verdanken die Ingolstädter fraglos den Erfolgen in der Rallye-Weltmeisterschaft, die sich in den Achtzigerjahren als prachtvolle Werbebühne erwiesen hatte. Für Walter Röhrl, dem wesentlichen Protagonisten dieser Ära, war quattro „ein Lehrbeispiel dafür, wie man mit einem Produkt das Image einer Marke drehen kann“. Auch die Umsetzung der Technologie vom Rennsport in die Serie ist für Röhrl bis heute beispiellos: „Nie wieder wurden die Vorteile einer Entwicklung sichtbarer gemacht.“ Für den Bayern ist und bleibt quattro „die nachhaltigste Technologie von Audi, der Kern der Marke“.

Top 20: 20 Autos, die man einmal gefahren sein sollte

Citroën 2CV

Studentenbewegung. Kein anderes Auto hat den frankophilen Lebensstil so beschwingt wie der Citroën 2CV. Genießer fuhren Ente, „Döschewo“-Fahrer galten grundsätzlich als gute Menschen. Geliebt von Studenten und Jungfamilien, erlag der automobile Nonkonformist nach 40-jähriger Bauzeit 1990 seiner veralteten Technik.

CITROEN

Lancia Stratos

Der Keil aus Italien. Mit radikaler Ästhetik und Technik überrumpelte Lancia Mitte der 1970er-Jahre die Gegner der Rallye-Weltmeisterschaft. Der Stratos, entworfen von Bertone, war dramatisch im Auftritt, aber sensibel zu fahren: eine Kampfmaschine mit kurzem Radstand und Mittelmotor. Offiziell wurden 495 Exemplare gebaut, heute werden für den Stratos absurde Preise verlangt.

LANCIA

Mercedes G-Klasse

Bergführer. Selbst wenn diese Riesenkiste so gar nicht mehr in diese Zeit passen will: Der Mercedes G aus Graz steht einsam auf einem Sockel. Wollte man den Geländewagenklassiker schon einmal vor Jahren kippen, sorgt der kultige Allradler heute für volle Auftragsbücher: Seit die Chinesen Lust auf das Urgestein bekommen haben, geht die Post richtig ab.

DAIMLER

Alfa Romeo Spider

Dolce Vita. Der Film „Die Reifeprüfung“ beschleunigte nicht nur die Karriere von Dustin Hoffman, sondern machte auch den kleinen, roten Flitzer aus Italien mit einem Schlag zum Star. Als Fluchtauto und Herzensbrecher stand der Alfa Romeo Spider - im Film ein Duetto mit rundem Heck - stets für große Emotionen, lediglich über die vorletzte Generation sei der Mantel des Schweigens gehüllt.

ALFA ROMEO

Chevrolet Corvette C2

Asphaltcowboy. Der amerikanische Automythos. Die Corvette C2 „Sting Ray“ zählt zu den schönsten Klassikern und besitzt nicht nur in den USA Kultstatus. In Europa tat sich die amerikanische Sportwagenlegende gegen die etablierte PS-Elite jahrzehntelang schwer, mit den Modellen der letzten Generation entwickelte sich der US-Roadrunner allerdings zu einem echten Wettbewerber. Und die achte Generation steht schon in den Startlöchern, mit Mittelmotor, wie man hört.

CHEVROLET

Ford Mustang

Lieutenant Bullitt. Als der erste Ford Mustang vor mehr als 50 Jahren zu uns kam, drückten wir uns an den Seitenscheiben die Nasen platt. Rotes Leder! Der amerikanische Sportwagen brachte uns die Route 66 näher und als dann auch noch Frank Bullitt mit seinem Mustang die Verbrecher durch San Francisco scheuchte, war es völlig um uns geschehen. Einfach Kult.

FORD

BMW Z1

Der Visionär. Als ihn die Bayern 1988 auf der IAA
präsentierten, galt der BMW Z1 als avantgardistisches Auto seiner Zeit. Von Hand in kleiner Serie gefertigt, zog der Roadster mit den versenkbaren Türen die Blicke auf sich. Insgesamt wurden vom 170 PS starken Z1 in drei Jahren nur 8000 Exemplare gebaut. Ein Sammlerstück.

BMW

Morgan Threewheeler

Jenseits der Komfortzone. Das skurrilste Ding von der Insel - ist wohl der Morgan Threewheeler: Das dreirädrige Höllengefährt war das erste Modell der Britenmarke vor mehr als 100 Jahren – und donnerte 2012 mit einem mächtigen V2 made by Harley Davidson zurück auf die Straße. Inzwischen ist er auch vollelektrisch. Schräger geht es nicht.

MORGAN

Aston Martin DB5

Der Filmstar. Von allen Bond-Autos ist der Aston Martin DB5 das bekannteste. Der 1963 vorgestellte Sportwagen glänzte in „Goldfinger“ und „Feuerball“ mit Sean Connery am Steuer und kehrte in letzten Missionen von 007 zurück in den Dienst Ihrer Majestät. Das berühmteste Filmauto aller Zeiten
erzielte bei Auktionen Toppreise, ein Original-Prototyp wurde in London um 3,34 Millionen Euro versteigert.

RM AUCTIONS

Mercedes 300 SL

Schwäbisches Denkmal. Ein Auto wie von einem anderen Stern: So titelten die Medien, als Mercedes den Flügeltürer 300 SL im Februar 1954 auf der Internationalen Motor Show in New York präsentierte. Vom berühmtesten Mercedes aller Zeiten wurden 1400 Stück gebaut, weltweit existieren noch mehr als 1000 Exemplare.

DAIMLER

VW Käfer

Läuft und läuft und läuft. Der VW Käfer brachte alles ins Rollen. Er war Kult und Mythos, er stand für deutsche Wertarbeit, Wirtschaftswunder und die große Freiheit. 1978 offiziell eingestellt, wurde das Krabbeltier bis 2012 noch in Mexiko montiert. 21 Millionen Mal gebaut, das vielleicht bekannteste Auto der Welt.

VOLKSWAGEN

Mazda MX-5

König der Spaßmacher. Knackig, pur, leistbar. Der Mazda MX-5 blieb sich in vier Generationen treu und ist heute der meistverkaufte Roadster der Welt. In den vergangenen 25 Jahren haben die Japaner weltweit mehr als eine Million Exemplare verkauft.

OLIVER WOLF

Trabant 601

Symbol der Wende. Als 1989 in Berlin die Mauer fiel und Tausende dieser hustenden und stinkenden Zweitakter Richtung Westen strömten, wollte die ganze Welt Trabant fahren. Und für kurze Zeit wurden für den Leukoplastbomber tatsächlich absurde Preise bezahlt. In der Zeit von 1957 bis 1991 wurden in den Sachsenringwerken in Zwickau mehr als drei Millionen Exemplare gebaut. Heute sollen noch 25.000 Trabis auf den Straßen sein.

AP

Audi Sport Quattro

Der Kurze. Es gilt bis heute: Quattro hat Audi aus der Mottenkiste geholt und die Marke beflügelt – die glorreiche Rallye-Ära strahlt bis heute ab. Vom Sport Quattro wurden seinerzeit nur 220 Stück für die Homologation für die Gruppe B produziert. Die 306-PS-Rakete trägt übrigens die Handschrift von Ferdinand Piëch.

AUDI

KTM X-Bow

Ready to Race. Das erste Auto des österreichischen Motorradherstellers war die Sensation des Genfer Salons 2007. Von Design-Ass Gerald Kiska atemberaubend eingekleidet, ist der auf Spaßensportler KTM X-Bow getrimmte Roadster eine kompromisslose messerscharfe Fahrmaschine, die an die Grenzen geht.

KTM

Mini

Für immer jung. Wenn man von Meilensteinen in der Automobilgeschichte spricht, dann kommt man an diesem Auto nicht vorbei. In der Not als viersitziges Kleinstauto
geboren, als Benzin knapp war, entwickelte sich der geniale Wurf von Sir Alec Issigonis zu einem Stück Lebensgefühl, er gewann große Rallyes und wurde ein Welterfolg. Das Comeback unter der Flagge von BMW machte den Mini unsterblich: Als angesagtes Szenemobil kann ihm kein Auto das Wasser reichen.

MINI

Jaguar E

Designstück. Den Besuchern des Genfer Salons 1961 war die Spucke weggeblieben, die Medienvertreter eilten in die Redaktionsstuben und verfassten Liebeserklärungen. Es war die Geburtsstunde eines der schönsten Autos, die je gebaut
wurden. Der spektakuläre Jaguar E mit der unverwechselbaren Silhouette hatte den Zeitgeist getroffen und verkörperte wie kein anderes Auto die Ideale der Swinging Sixties.

JAGUAR

Puch 500

Flohzirkus. Das Puchschammerl war die rot-weiß-rote Autosensation von 1957 und machte den Österreichern die Welt greifbar. Zunächst als Cabriolet mit Faltdach und hinten angeschlagenen Türen angeboten, leistete der luftgekühlte Zweizylinder-Boxer resche 16 PS, die für eine flockige Beschleunigung und eine Spitze von 100 km/h gut waren. Bis Produktionsende 1975 wurden fast 60.000 Puch 500 produziert.

PUCH

Porsche 911

Die Zeitmaschine. Er ist das Urmeter. Ein Mythos. Das Synonym für Sportwagen. Und er ist der Porsche schlechthin, an seinem Anspruch müssen sich in Stuttgart alle orientieren. Dem 911er verzieh die Fangemeinde selbst die Abkehr von Luftkühlung und Sauger – selbst Elektro wird man eines Tages schlucken. Modelle, die man gefahren sein sollte: 911 RS von 1973, den ersten und aktuellen Turbo und vielleicht den neuen R.

PORSCHE

Tesla Model S

Der Aufwecker. Lange Zeit hielt man das kalifornische Start-up für eine Modeerscheinung und Gründer Elon Musk für einen Rattenfänger. Heute zieht die Branche den Hut vor dem Elektropionier, der jetzt alle Hersteller an die Dose zwingt. Der tödliche Unfall wirft jetzt allerdings einen Schatten auf Tesla.

TESLA
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Im Übrigen hält Röhrl unverändert jedes größere Auto ohne Allradantrieb für eine Fehlentwicklung. Gibt aber im selben Atemzug gerne zu, anfangs skeptisch gegenüber der Technik gewesen zu sein. Röhrl: „Ich hätte schon 1980 zu Audi sollen, aber mir fehlte das Vertrauen, die Verspannungen im Antriebsstrang gefielen mir nicht, ich hielt die Technik für nicht ausgereift.“ Röhrl sagte ab. Ein Fehler.

Die Väter des Erfolgs von quattro

Bei der Entwicklung des quattro-Antriebs gibt es einige Väter und einen steirischen Schauplatz. Als wichtigster Mann des Projekts gilt unbestritten Jörg Bensinger. Vom damaligen Leiter des Audi-Fahrwerkversuchs kam die Idee und Initialzündung. Bensinger kam bei Wintertestfahrten 1977 in Schweden mit dem kleinen, 75 PS starken Geländewagen Iltis auf den Geschmack und suchte für seine Vision – ein Allradler mit ordentlicher Leistung – Verbündete im Haus.
Der wichtigste Kopf in dieser Phase war Ferdinand Piëch, der das Potenzial von vier angetriebenen Rädern erkannte und der konspirativen Entwicklertruppe beim Bau eines Allrad-Prototyps auf Basis des Audi 80 Rückendeckung gab. Piëch, damals Entwicklungsvorstand von Audi, war es am Ende auch, der das Projekt im Konzern politisch durchboxte. Galt es doch, damalige Volkswagen-Granden wie Ernst Fiala oder Konzernchef Toni Schmücker zu überzeugen.
Zu einem wesentlichen Tatort in allen Entwicklungsphasen wurde dabei die steirische Turrach, einer wegen der Schneesicherheit beliebten Spielwiese des deutschen Herstellers. Auf den steilen Straßen ließen sich bei Vergleichsfahrten die Vorzüge von Allrad besonders gut darstellen. Im Februar 1979 schließlich gab es nach einer weiteren eindrucksvollen Demonstration vor den Augen einer hochkarätigen Wolfsburger Delegation grünes Licht für eine Serienfertigung.
Eine Schlüsselfigur war Walter Treser als Projektleiter, er lenkte das Konzept von Anfang an Richtung Motorsport. Als erster Teamchef von Audi Sport zog Jürgen Stockmar die Fäden. Dass die FIA in Paris das Allradverbot im Motorsport aufhob, war dem diplomatischen Geschick des ehemaligen Steyr-Puch- und Magna-Managers zu verdanken.

Drei Jahre später kam der zweifache Weltmeister doch an Bord. Die Audi-Jahre krönten seine Karriere. „Der Audi quattro hat alle beflügelt. Der Rallyesport war mit einem Schlag so populär wie die Formel 1. Nie zuvor gab es ein Rallyeauto, das von 0 auf 100 km/h in 2,7 Sekunden beschleunigte.“ Die PS-Zahlen explodierten im furchteinflößenden Audi S1 auf 650 PS. Das Youtube-Video von Röhrls Siegesfahrt auf den Pikes Peak hat Kultstatus.

Vom Ur-Quattro, der zunächst 200 PS leistete und die Basis für das Rallyeauto lieferte, wurden von Mitte 1980 bis 1991 exakt 11.452 Stück gebaut. 1984 hatte man mit dem 306 PS starken Sport quattro eine auf 200 Stück limitierte Kleinserie aufgelegt. Der Ur-Quattro gilt heute als beliebtes Sammlerstück, makellose Exemplare werden um rund 60.000 Euro gehandelt. Seit 1980 hat Audi 10,5 Millionen Autos mit quattro-Antrieb produziert.

Zum runden Geburtstag der Erfolgstechnologie wäre eine Reihe von Veranstaltungen geplant gewesen, den Höhepunkt hätte es beim Festival of Speed in Goodwood geben sollen. Alles abgesagt. In Zeiten von Corona sind auch vier angetriebenen Rädern Grenzen gesetzt.

Kommentare (1)
uno01
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8
Lesenswert?

Weltmeister

Und wie viele Weltmeisterschaft hat man damit gewonnen???
Das wird leider nie erwähnt!
Lancia und Citroen hatten in der Rallye mehr Erfolg