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Verkehrswende beginnt im KopfMobilitätswende ist laut Forschern Einstellungssache

Laut Forschern sind für eine nachhaltige Verkehrswende nicht technische Fortschritte, sondern Verhaltensänderungen der Menschen notwendig.

© Srdjan/stock.adobe.com (Srdjan Randjelovic)
 

Die Verkehrswende muss sich zuerst in den Köpfen der Menschen abspielen, man sollte sich von der Obsession lösen, sie durch technische Umstellungen lösen zu können, erklärte Jens Dangschat von der Technische Universität (TU) Wien vor Journalisten. Nachdem man über 70 Jahre lang Strukturen förderte, die das Selbstbewusstsein der Leute von ihren Autos abhängig machte, wäre das nicht leicht.

"Wir verfehlen gerade im Verkehrsbereich die Klimaziele trotz aller technischer Fortschritte weit", sagte Dangschat, der an der Fakultät für Architektur und Raumplanung der TU Wien forscht. Während in allen anderen Bereichen die schädlichen Emissionen seit den 1990er-Jahren zurückgingen, stiegen sie im Verkehrssektor.

Dafür sei vor allem der "Rebound-Effekt" verantwortlich, also dass Verhaltenseffekte die technischen Fortschritte kompensieren. "Die Leute fahren immer mehr, immer weiter, immer länger und bewegen immer mehr Tonnen durch die Gegend, weil die Autos immer größer werden und der Anteil der SUVs steigt", sagte er in einer Online-Pressekonferenz des "Diskurs-Wissenschaftsnetz".

Mobilitätswende nicht ohne Wohnwende

Derzeit würde dem Auto zu viel Bedeutung zugemessen, es ist die wichtigste Investition für die Leute gleich nach dem Wohnen, was aber unter anderem auch daran liegt, dass man über 50 Jahre lang "autoaffine Siedlungsstrukturen" aufgebaut hat. Deswegen bräuchte es eine unterstützende "Wohnwende", sagte Astrid Gühnemann vom Institut für Verkehrswesen der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien.

Es gäbe einen massiven Trend zu Einfamilienhäuser-Siedlungen in Stadtnähe, die schlecht mit öffentlichen Verkehrsmitteln, dem Rad oder zu Fuß erreichbar sind. Sie plädiert dafür, bei solchen Siedlungen die Verbindungen zu Knotenpunkten des öffentlichen Verkehrs zu fördern, etwa durch Elektrofahrräder und einer sicheren, gut vernetzten Radinfrastruktur sowie Geschwindigkeitsreduktionen.

Aktuell droht der Autoverkehr wieder mehr zu werden, weil die Leute den öffentlichen Verkehr aufgrund der Ansteckungsgefahr mit SARS-CoV-2 eher meiden. Immerhin nutzten viele Städte wie Wien die Krise, um neue Dinge auszuprobieren wie Pop-up-Radwege, um die Nahmobilität verstärkt zu fördern, sagte Harald Frey vom Institut für Verkehrswissenschaft der Technischen Universität (TU) Wien.

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top8
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Allein schon in sachen

innenstadverkehrsberuhigung steigen wko und damit auch nagl sofort auf die bremse, obwohl wenn man rund um österreich schaut je mehr fussgängerzonen und beruhigte innenstädte es gibt desto mehr ist dort auch los!

melahide
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Gerade

in der Stadt müsste einmal damit beginnen werden. Auch hier gibt es viele Menscheb die jeden Schritt mit dem Auto machen. Leider ist es aber auch so, dass zb in Graz, die Nahversorger-Struktur ziemlich eingebrochen ist. Deshalb finde ich diese neuen Wohnparks die da wir überall entstehen gar nicht so schlecht. Teilweise haben die einen Kindergarten im Haus, einen Bauernladen, einen Supermarkt, einen Arzt, einen Bäcker mit Café . Und eine gute Anbindung ans Öffi Netz!

Am Land brauchen wir da gar nicht mehr dran zu denken. Da gab es die Nahversorgerstruktur, wo man zu Fuß alles erledigen konnte. Hat man zum Größten Teil
an den Dorfrand verfrachtet ... damit da jeder mit dem Auto hinfahren muss.

Carlo62
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Mobilitätswende und Grundeinkommen (Küberl)

Wenn niemand mehr arbeiten muss, braucht es auch keinen Verkehr mehr. Aber halt: wo kaufen wir dann ein, denn die Supermarktangestellten arbeiten ja nicht mehr (für die paar Netsch mehr lohnt es sich nicht zu arbeiten). Ich denke, beide Konzepte funktionieren nicht so besonders gut.

Mezgolits
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"Die Leute fahren immer mehr, immer weiter, immer länger und

bewegen immer mehr Tonnen durch die Gegend, weil die Autos immer
größer werden und der Anteil der SUVs steigt", sagte Jens Dangschat von
der Technischen Universität Wien. - Vielen Dank - und ich meine: Weil die
KFZ-Hersteller, immer mehr Profite und KFZ-Begeisterte, teilweise immer
mehr Sicherheit wollen - werden die KFZ - immer größer und schwerer.
Stefan Mezgolits, staatmitfinanzierter Erfinder + Cover of a Magazin.

Kristianjarnig
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Naja. Ich denke man kann hier nicht so pauschalisieren.

Natürlich werden die Autos schwerer. Man vergleiche bitte ein Fahrzeug aus den 70er oder 80er Jahren mit einem modernen Auto(überschwere SUVs mal ausgenommen).

Sehr viele der alten Autos wogen weniger als eine Tonne, ganz einfach weil außer einem Motor(ohne elektronische Steuerung und somit ein Umweltverpester) und etwas Blech nicht viel da war.
Trommelbremsen, zumindest hinten, oft auch vorne(zusammen mit deren Nachteilen - Ausbrechen, schlechte Wärmeabführung und somit Bremsverlust/schwankungen,...), keinerlei Passagier(Lenkrad bohrte sich in die Brust des Lenkers bei Frontalaufprall) oder Passantenschutzsystem(Airbags, Knautschzonen,maximal in großen deutschen oder schwedischen Limousinen).

Bei einem modernen Auto wird hier überall gegengesteuert, Motorhauben heben sich um die "weiche" Zone für Frontalaufprall zu erhöhen, zig Airbags, sehr viele Assistenzsystem(die meisten davon durchwegs sinnvoll), das alles macht ein Auto schwerer.
Ist das jetzt wirklich so ein Fehler?

Ich besitze noch Autos aus 2001 und 2011, beides deutsche Wertarbeit und noch sehr gut im Schuß. Aber bereits die sind in Punkto Sicherheit weit hinter einem Premiumfahrzeug aus dem Jahre 2020.

Wobei sich hier keine eklatanten Gewichtsunterschiede ergeben. Alle 3 Autos sind im Grund ca. gleich schwer(um die 1600kg). Somit sparen neue Autos sogar etwas an Gewicht welches sich dann wieder durch lebensrettende Assistenzsysteme auf "altes" Niveau erhöht.

Ich kann gut damit leben. Sie nicht?

Mezgolits
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Vielen Dank - für Ihren sehr interessanten Kommentar.

Ich kann gut damit leben - das freut mich sehr - ich auch - aber wenn
jemand heute ein sehr wirtschaftliches Auto mit 4 Türen und 5 Sitzplätze,
hauptsächlich für Allein- + Zuzweit- + 3 Kinder-Fahrten - kaufen möchte -
gibt es NICHTS zu kaufen - oder doch? E. M.

Mezgolits
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+ Rechtschreibfehler = Magazine + vielen Dank

an die Wochen-Zeitung. Erfinder Stefan Mezgolits