„Meine ersten Wörter waren Auto und Mama“, schmunzelt Albert Kirzinger, Beuteösterreicher und überzeugter Lienzer. „Gebürtig bin ich Bayern, aber verwurzelt in Osttirol, wo ich in jungen Jahren meine große Liebe kennengelernt habe und jetzt jede freie Sekunde verbringe.“

Kirzingers Lebensgeschichte ist so vielschichtig und spannend wie seine Designarbeit. Aber der Weg war ein weiter. In seiner Jugend gab‘s nur drei Orte, wo man Design studieren konnte. „Das war schon sehr schwierig“, erinnert er sich. „Du musstest für Autodesign Benzin im Blut haben, du musstest dich breit orientieren. Es gab kein Internet, es gab keine überspannenden Medien, es war abstrakt.“ Er schaffte den Sprung in den Job über die Designhochschule Pforzheim, damals die Haus- und Hofschmiede für Mercedes Benz.

„Zu meiner Zeit gab es 1000 Bewerber auf sieben Studienplätze“, erzählt er. Kirzingers Anspruch: „Design ist keine Kunst, es ist allumfassend. In einem Design-Studium studierst du unterschiedliche Disziplinen, wie Material, Werkstoffkunde, aber auch technisches Zeichnen, Architekturpläne, technische Detailpläne für Motoren, Statik. Dann geht es rein in den sozialen Bereich mit Blick auf Kultur, Gesellschaft und den Menschen an sich..“

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Als Boris Jelzin den Kirzinger-Zug abnahm

In der Breite verlief auch seine weitere Karriere: „In Bayern gab es damals noch eine Firma, die Züge designt hat, ich habe einen Auftrag an Land gezogen, einen russischen Reisezug zu designen. Den hat dann Boris Jelzin persönlich abgenommen.“

Das Studium absolvierte er in Mindestzeit, aber kein Job war frei. „Mir war klar, dass ich in die Welt raus muss, ich habe in Barcelona Animationstechniken und Design von der Pieke auf gelernt und studiert – das, was jetzt in Hollywood verwendet wird und auch wir nutzen.“

Vom Unimog bis zum Bugatti

Was danach folgte würde die Dimensionen sprengen, nur ein paar Streiflichter: Der legendäre Unimog stammt zum Beispiel aus seiner Feder, in Ingolstadt arbeitete er am Audi TT mit, genauso am Bugatti, oder am Phaeton, 2012 wurde dann eine eigene Abteilung für Nutzfahrzeuge gegründet. „Es erfordert so viel anderes Wissen und Herangehen.“ Seine Autos sind im Autoland Österreich omnipräsent, Multivan, California und ID.Buzz, genauso wie seine Schwerlaster.

Martin Meiners
Kirzingers großer Wurf: ID. Buzz © MARTIN MEINERS

„Den Begriff Bulli haben wir mit der T6-Generation wieder eingeführt,“, erzählt Kirzinger. Weil es zum Auto passt, es ist nun einmal Bus und Lieferwagen, je nachdem, was man braucht.“ Und: „Wenn man einen Bulli designt und die Verantwortung übernimmt – das ist der nächste Beruf nach dem Papstamt. Die Tradition zusammenzuhalten und Antworten auf die neuesten Herausforderungen zu finden, ist das Schwierigste daran. Aber das war ja auch immer die Urstärke des Bulli.“

Die Krone der Serie

Die siebente Generation sei kompromisslos für die unterschiedlichsten Anwendungsbereiche designt. „Die Krone ist California, das ist auch ein unglaublicher Spagat zwischen Nutzfahrzeug und Traumwagen.“ Der California sei „kein Wohnmobil, es ist ein Multivan, den du normal nutzt, aber dann eben dir jede Freiheit gibt, zu tun, was du willst. Er kann ein Büro sein, ein Schlaf- oder ein Lieferwagen.“ Der Bulli sei kein klassisches Auto, er bietet lösungsorientierten Raum mit unendlichen Möglichkeiten für Menschen, die etwas vorhaben. „Es geht um den lösungsorientierten Raum. Wir sind die Space-Company, die alles vereint, was den Bulli ausmacht.“

Das letzte Auto mit einem Lenkrad

Natürlich gehört dem elektrischen ID-Buzz ein großer Teil seiner Geschichte. Styling als Reminiszenz an eine ikonographische Form, noch dazu mit E-Mobilität aufzuladen – für Kirzinger mehr als Designarbeit. Und die Zukunft des Autos grundsätzlich? „Porsche wird eines der letzten Autos sein, die ein Lenkrad haben“, denkt er schon einen Schritt weiter. Sein ID.Buzz wird längst auf eine autonome Taxi-Karriere im Rahmen des VW-Moia-Projekts vorbereitet. Freilich auch mit der Kirzinger-Handschrift.