Man kann sagen, was man will: Alle müssen zugeben, dass die Autoindustrie die Lebensader von Europa war und ist.“ Christa Zengerer, Geschäftsführerin des Clusters ACStyria, ist aufgebracht. Das Krankjammern der ganzen Industrie, das „Schlechtreden“ des Autos – so geht‘s für Zengerer in der öffentlichen Wahrnehmung nicht mehr weiter. „Wir wollen alle mobiler werden. Europas Politik tut so, als ob wir alles besser wissen. Wir belehren die Welt und ruinieren so die eigene Wirtschaft.“

Brisante Studie: So viele Arbeitsplätze kostet die E-Mobilität

Als Geschäftsführerin des ACStyria steht auch sie im Mittelpunkt einer Entwicklung, die nur schwer abzuschätzen ist. Die Kleine Zeitung berichtete bereits exklusiv über eine Studie der TU Graz. Die Erkenntnisse? Bis zu 8000 von rund 40.000 Arbeitsplätzen im Autobereich könnten bis zum Jahr 2040 verloren gehen. Insgesamt würde das für die Steiermark bis zu einer Milliarde Euro weniger an Wertschöpfung bedeuten. Warum die steirische Auto-Wirtschaft so stark durch den Wandel zur E-Mobilität unter Druck kommt, zeigt ein einfaches Zahlenbeispiel: Ein Verbrenner-Antrieb besteht aus 1200 bis 1500 Komponenten, ein Elektro-Antrieb aus 300 bis 500. Aber die E-Mobilität bringt auch andere, neue Job-Profile.

Zengerer sieht die Lage nüchtern: „Nicht nur, dass wir leichte Schlagseite haben, wir haben vieles ruiniert“, spielt sie auf den europäischen Kulturkampf um das Auto an, der „aufhören müsse“. „Aber wir sind ungeheuer innovativ und deshalb haben wir nach wie vor gute Chancen.“

Trotz der schwierigen Situation sieht sie die Zukunft also positiv, der Cluster hätte sich über die letzten Jahre schon massiv verändert, seit 2011/2012 habe man die Zusammensetzung auf weitere „Branchen diversifiziert“. Wenn man heute vom Cluster spricht, ist die Rede von Auto, Luftfahrt, Bahn und Security und Defense, wo man auf den Verteidigungssektor schielt.


Damit folgt man einem internationalen Trend: Längst haben die großen Rüstungskonzerne ihre Fühler nach Produktionsstätten in der Autoindustrie ausgestreckt. In Europa werden drei Millionen Autos jährlich weniger verkauft als in der Vor-Covid-Ära. Zulieferer, auch in der Steiermark, kämpfen mit Geschäftsrückgängen – vor allem jene, die vor allem mit deutschen Konzernen aktuell verlinkt sind. Dass die Rüstungsindustrie boomt, ist in also diesen Tagen kein Geheimnis mehr, Staaten richten ihre Budgets darauf aus.

Zuletzt hieß es auch, dass Mercedes G seine Fertigung für die Militärsparte in Graz wieder hochgefahren hat. Rheinmetall hat selbst Bilder von seinen Militär-G-Ausgaben veröffentlicht. Auch, dass Unternehmen in Österreich auch an Drohnenmotoren arbeiten, ist kein Geheimnis mehr.

Manfred Kainz: Vordenker und Strippenzieher
Manfred Kainz: Vordenker und Strippenzieher © KLZ / Elisabeth Maria Karner

Manfred Kainz, der mit seinem Unternehmen TCM weltweit tätig ist, schildert die schwierige Situation in der Autobranche aus Unternehmersicht: „Für uns schaut es in China derzeit nicht so gut aus. Sie machen derzeit viele Bereiche selbst, wie Software oder Werkzeuge.“ Was in der Studie der TU vorhergesagt wurde, trifft jetzt mit voller Wucht ein.

Wie man gegensteuern könne? „Indem sich die Unternehmen intensiv vernetzen, indem man in die Infrastruktur investiert, in erneuerbare Energien, und, indem wir den Maschinenbau mitforcieren, mit allem Know-how und allen Ressourcenkapazitäten.“

„Ich hoffe trotzdem, dass das Schlimmste überstanden ist“, sagt Zengerer. „Wir setzen unsere Hoffnung in das einzigartige Zusammenspiel Politik-Wirtschaft-Forschung. Auch deshalb glaube ich an das Autoland Österreich.“