In der 5000-Seelen-Gemeinde Friesach wird derzeit wieder gehämmert, gebohrt und geschraubt. In diesen Tagen ist das noch erlaubt, doch am Wochenende ist die Stadt wieder zurück ins Mittelalter versetzt und damals gab es noch keine Bohrmaschinen oder Traktoren. Das Mittelalterfest „Spectaculum“ soll am 25. und 26. Juli wieder Tausende Besucherinnen und Besucher nach Friesach locken. „Wir hoffen natürlich auf ein passendes Wetter. Leicht bewölkt und nicht zu heiß wäre der Wunsch“, erklärt die Amtsleiterin der Stadtgemeinde, Bettina Waidhofer. Wobei das Mittelalterfest bei jeder Witterung stattfinden wird.
Die Vorbereitungen dauern rund ein Jahr. „Wenn nicht alle Menschen in Friesach und die Gemeindeangestellten trotz der Urlaubssperre hundertprozentig hinter uns stünden, wäre das Spectaculum nicht möglich. Ich selbst war von Anfang an schon dabei, zuerst als Kellnerin. Seit ich Amtsleiterin bin, kenne ich auch den ganzen organisatorischen Aufwand dahinter“, erklärt Waidhofer.
Rückblick 2024
Das erste Spectaculum zu Friesach fand im Jahr 1999 statt. Es war dies die erste große Veranstaltung hinsichtlich der Kärntner Landesausstellung 2001 unter dem Titel: „Schauplatz Mittelalter Friesach“.
Das Fest so besonders machen die Mittragenden: Händler, Handwerker, Musikgruppen, Magier, Gaukler, Feuerartisten, Puppenspieler und vieles mehr finden sich für das Spektakel in der Gemeinde ein. Koordiniert werden sie seit Jahren von Heinrich Gressel. „Hinter dem Spectaculum steckt auch der Mittelalterverein. Gemeinsam mit der Gemeinde wird die Veranstaltung dann organisiert.“ Für das Spectaculum gibt es keinen Dresscode, aber: „Alle Menschen laufen in mittelalterlichem Gewand herum. Viele Besucher, die ein Shirt und Jeans tragen, kaufen sich dann oft vor Ort einen Überwurf aus Leinen, um nicht aufzufallen“, erklärt die Amtsleiterin mit einem Lächeln.
Zum letzten Mal als Fürst das Fest anführen wird Bürgermeister Josef Kronlechner (SPÖ). „Fürst kann immer nur der amtierende Bürgermeister sein. Natürlich bin ich mit einem lachenden und weinenden Auge dabei“, erklärt Kronlechner auf Anfrage. Der Abschied wird aber nicht groß zelebriert. „Ich werde bei der geschmückten Fürstentafel und beim Bäckertauchen, in meiner Rede Abschied nehmen. Immerhin durfte ich 18 Jahre lang das Amt als Fürst ausüben. Beim nächsten Spectaculum werde ich mich einfach unters Volk mischen“, erklärt Kronlechner.
Der Höhepunkt in diesem Jahr ist die Stadterstürmung. „Die Stürmung wird beim Olsator nachgestellt. Ritterkämpfe sind inklusive. Und auch die Bäckertauche, bei der eine bekannte Person in einem Eisenkäfig in das Wasser des Stadtgrabens getaucht wird, ist schon durchorganisiert“, betont Waidhofer.
Belebt werden an diesen zwei Tagen der Hauptplatz, der Fürstenhof und der Fürstenhofplatz. „Wir bauen auch eine Kulinarik-Meile auf, damit die Besucher gut versorgt sind. Getrunken wird aus Hörnern und aus Krügen. Besucher, die schon mal hier waren, können ihre Krüge von daheim mitnehmen. Ansonsten bekommt man welche vor Ort, für die eine kleine Pfandleihgabe kassiert wird. Der Kartenverkauf findet in diesem Jahr über Ö-Ticket statt“, betont Waidhofer.
Am Wochenende bezahlt man dann mit Friesacher Pfennige. Euro können vor Ort in Wechselstuben umgetauscht werden, das Verhältnis ist 1:1.
Rückblick 2022
Worauf man seit der ersten Veranstaltung Acht gibt: „Wir sind ein Familienfest und wollen das auch bleiben. Harte Getränke werden bei uns nicht ausgeschenkt. Kinder können auch barfuß umherlaufen, es gibt keine Scherben und vom Preis her versuchen wir, günstig zu bleiben. Für Kinder bis 15 Jahren ist der Eintritt frei.“
Aber nach dem Spectaculum ist eigentlich vor dem Spectaculum. Mittlerweile findet das Fest alle zwei Jahre statt. In diesem Jahr zum 24. Mal. Für alle, die an diesem Wochenende nicht dabei sein können: Das nächste Mittelalterfest in Friesach wartet 2028 wieder.