Dafür, dass gar nichts mehr auf dem Spiel steht, steht ganz schön viel auf dem Spiel. Frankreich und England bestreiten heute (23 Uhr, Servus TV live) das Spiel um den dritten Platz bei der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft. Darüber, dass sie heute lieber noch trainieren und stattdessen morgen gegen das Leder treten würden, gibt es keine Zweifel. Und doch gibt es für beide Parteien mehrere gute Gründe, einigermaßen engagiert an das Werk zu gehen.

Bei den Franzosen hat der wohl wichtigste Grund einen Namen: Didier Deschamps. Seit 2012 ist er der Trainer der Équipe Tricolore, das heutige Spiel ist sein allerletztes. Kylian Mbappe tat nach dem Halbfinal-Aus kund, dem 57-Jährigen einen gebührenden Abschied bereiten zu wollen. Wie eng das Bündnis zwischen dem Teamchef und seinen Fußballern ist, untermalte auf emotionale Art und Weise seine Rückkehr zum Beginn der K.o.-Phase, nachdem Deschamps‘ Mutter verstorben war. Mbappes erster Weg nach seinem Tor im Sechzehntelfinale gegen Schweden führte zum Trainer – ein rührendes Zeichen der Wertschätzung und des Trosts. Es gebe wichtigere Dinge als Fußball, sagte der Stürmer und meinte: „Wir halten alle zusammen. Wir wissen, dass der Trainer eine schwere Zeit durchgemacht hat. Leider muss jeder das einmal durchmachen.“ So ist davon auszugehen, dass Frankreichs Spieler motiviert sind, Deschamps in dessen 27. WM-Spiel den 21. Sieg zu bescheren.

Tuchel kann in ihn gesetztes Vertrauen bestätigen

Weniger entspannt wird das Spiel für sein Pendant Thomas Tuchel. Bis zur 85. Minute im Halbfinale gegen Argentinien war die Welt des deutschen England-Trainers noch in Ordnung, das folgende Scheitern ließ jedoch Kritik laut werden und zeigt, wie schnell es im Fußball gehen kann. Der englische Verband soll dem Trainer zwar das Vertrauen ausgesprochen haben, eine Niederlage wäre dennoch nicht dienlich. Und in Bezug auf die Heim-EM 2028 im Vereinigten Königreich und Irland kann Tuchel gegen einen Weltklassegegner den Beweis antreten, der richtige Mann an der Seite der „Three Lions“ zu sein.

„Es ist eine große Leistung, das Halbfinale erreicht zu haben. Aber das will momentan niemand hören, ich übrigens auch nicht“, sagte Tuchel und versprach: „Wir werden uns professionell auf das Spiel vorbereiten.“ Für seine Engländer ist das zwar ein schwacher Trost, aber für sie geht es immerhin noch um das zweitbeste WM-Ergebnis der Geschichte.

Wer wird Torschützenkönig?

Motivierender dürfte da schon das noch offene Rennen um die Torjägerkrone sein: Kylian Mbappe liegt hinter Lionel Messi auf Rang zwei. Beide halten bei acht Toren, der Argentinier hat aufgrund seiner Assists (4 bzw. 3) die Nase vorne. Auch die Engländer könnten mit einem Torreigen noch ein Wörtchen um den Goldenen Schuh mitreden: Sowohl Harry Kane als auch Jude Bellingham halten bei sechs Toren.