Karl Grantner steht auf einem Maisacker in Möbersdorf und blickt über die Felder. Wo sich um diese Jahreszeit meterhohe Pflanzen im Wind wiegen sollten, ragen nur kümmerliche Maisstauden aus dem ausgedörrten Boden. „Eigentlich müsste der Mais zwei bis drei Meter hoch sein“, sagt der Landwirt. Stattdessen erreichen viele Pflanzen gerade einmal eine Höhe von rund 1,60 Metern.

Die Trockenheit hat die Landwirtschaft im Murtal fest im Griff. Besonders beim Grünland, beim Mais und bei den Erdäpfeln sind die Folgen dramatisch. Auch die Braugerste, die für das Murauer Bier angebaut wird, leidet unter den Wetterkapriolen dieses Jahres.

Grantner ist Obmann des Saatbauvereins Murboden, dem 124 Mitglieder angehören. Auf rund 330 Hektar wird in der Region Braugerste angebaut. Doch heuer verlief die Saison alles andere als normal.

„Im März hatten wir starken Frost, danach eine lange Hitzeperiode. Als dann Regen kam, konnten viele Kulturen das nicht mehr richtig verarbeiten“, erklärt er.

Totalausfälle bei Erdäpfeln

Die Folgen zeigen sich besonders bei der Gerste. Durch den sogenannten Zwiewuchs entwickelten sich neue Triebe, während andere Ähren bereits ausgereift waren. „Eine Ähre ist grün, die andere schon reif. Dadurch stimmen Keimfähigkeit und Eiweißgehalt nicht mehr“, sagt Grantner. Die Konsequenz: Rund die Hälfte der Ernte erfüllt die Qualitätsanforderungen für Braugerste nicht mehr.

Während in normalen Jahren etwa 98 Prozent der Ernte als Braugerste vermarktet werden können, sind es heuer nur rund 50 Prozent. Der Rest muss als Futtergerste verkauft werden. Für die Bauern bedeutet das Einbußen. „Der Erlös ist nur etwa halb so hoch“, sagt Grantner.

Noch dramatischer ist die Situation bei den Erdäpfeln. Auf den leichten, sandigen Böden drohen teilweise Totalausfälle. „Das Kartoffelkraut liegt am Boden. Die Knollen sind klein geblieben und wachsen nicht mehr weiter“, berichtet der Landwirt. Rund ein Drittel der Flächen sei davon betroffen.

Video: Karl Grantner auf dem Feld

30 Prozent weniger Ertrag

Auch auf dem eigenen Betrieb, auf dem die Familie Grantner seit 1981 Erdäpfel anbaut, rechnet man mit Einbußen. „Bei uns werden es rund 30 Prozent weniger Ertrag sein. Die Hitze macht uns schon länger zu schaffen, aber so schlimm wie heuer war es noch nie.“

Der Mais kämpft gleich mit mehreren Problemen. Zunächst richtete der Frost im Frühjahr Schäden an, danach fehlte es wochenlang an Niederschlägen. „Der Mais musste neu austreiben und hat dadurch zwei bis drei Wochen verloren. Die Wurzeln konnten sich nicht richtig entwickeln“, erklärt Grantner. Der Ertrag werde voraussichtlich um rund ein Drittel niedriger ausfallen.

Besonders besorgniserregend ist für den Landwirt die Entwicklung beim Grünland. Dort fehlen heuer rund 40 Prozent des üblichen Ertrags. Für viehhaltende Betriebe bedeutet das weniger Futter und steigenden Druck auf die Wirtschaftlichkeit. Manche Bauern würden über Beregnungsanlagen nachdenken, doch die technische Ausstattung für die Bewässerung sei kostspielig.

Robuste Sorten züchten

Langfristig sieht Grantner die Züchtung robusterer Sorten als wichtigen Ansatz. Vor allem bei Erdäpfeln brauche es Pflanzen, die besser mit Hitze und Trockenheit umgehen können. Doch auch das ist keine schnelle Lösung. „Bis eine neue Sorte entwickelt ist, vergehen etwa zehn Jahre.“

Was Grantner besonders Sorgen bereitet, ist die Häufung extremer Wetterereignisse. „Früher gab es trockene Jahre, dazwischen konnten sich die Böden und die Natur wieder erholen. Jetzt kommt ein trockenes Jahr nach dem anderen.“

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Nach seinen Angaben fiel heuer rund 85 Prozent weniger Niederschlag als in einem durchschnittlichen Jahr. Gleichzeitig werden die Winter immer schneeärmer. „Es gibt keine Verschnaufpause mehr für die Natur“, sagt der Landwirt. Während er über die Felder blickt, wird klar: Die Trockenheit ist kein vorübergehendes Problem mehr. Für viele Betriebe, nicht nur im Murtal, ist sie zu einer der größten Herausforderungen ihrer Zukunft geworden.