Die Geschichte der Gailtaler Almen reicht weit zurück, schon im 14. Jahrhundert wurde davon berichtet. Die Arbeit dort hat die Almwirtschaft in der Region wesentlich geprägt. Es ist heute nur schwer vorstellbar, wie die Menschen diese Hochflächen damals gerodet und bewirtschaftungsfähig gemacht haben. „Zwischen Göriach und dem Plöcken gab es nach dem Krieg fast 50 bewirtschaftete Almen“, weiß Christof Wassertheurer, ehemals Geschäftsführer der Gailtaler Almsennereien. „Diese Zahl schrumpfte in den 1970er-Jahren auf sieben.“ Vielen Agrargemeinschaften fehlte einfach das Geld für dringende Sanierungen.
Mit dem angekündigten EU-Beitritt Österreichs änderte sich aber die Situation für die Almen. Der Jeniger Bauer Hermann Lackner (1936-2021) erkannte 1995 die Chance, EU-Gelder für die Modernisierung der Gailtaler Käsealmen zu lukrieren. Wassertheurer: „Waren die Almen zuvor eher Einzelkämpfer, gelang es Lackner, 13 Almgemeinschaften vorerst in einem losen Verein zu organisieren, die Marke Gailtaler Almkäse, die sich eine Großmolkerei zwischenzeitlich angeeignet hatte, zurückzuholen und sie am Patentamt Wien eintragen zu lassen.“ Dazu verpflichteten sich die 13 Käsealmen im „Gailtaler Almprotokoll“ allen geforderten Richtlinien für den EU-Markenschutz zu entsprechen.
Gütesiegel löste Sanierungsoffensive aus
Am 23. Jänner 1997 wurde zur Freude der Gailtaler Almbauern – mittlerweile im Verein „Gailtaler Almsennereien“ organisiert – im EU-Amtsblatt das EU-Gütesiegel für die geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.) offiziell kundgemacht. Gekrönt wurde diese Erfolgsgeschichte von der Feier im Spiegelsaal der Landesregierung, wo Hermann Lackner von Agrarkommissar Franz Fischler die Gütesiegel-Urkunde überreicht bekam. Dieser „Segen“ von Seiten der EU führte zu einer bemerkenswerten Sanierungsoffensive. „Rund 60 Millionen Schilling wurden in Folge in die Qualität der Alm-Infrastruktur investiert, die EU stufte uns als förderungswürdige 5/b-Region ein“, erinnert sich Wassertheurer, der von Beginn an an Lackners Seite kämpfte.
Die Zukunft der Gailtaler Käsealmen sieht der mittlerweile pensionierte Käsemeister positiv: „Die Urlauber wird es künftig verstärkt in die Berge und auf unsere Almen ziehen, die Menschen sehnen sich nach unverfälschter Natur und Naturerlebnissen.“ Die Zahl der Milchkühe ist mit ungefähr 450 Tieren trotz der Tatsache, dass im Tal rund die Hälfte der Bauern ihre Ställe zugesperrt haben, seit Jahren konstant. Dafür nehme die Zahl der „Legionärskühe“ aus anderen Tälern zu.
Produktion stieg um 100 Prozent
Wassertheurer ist stolz auf die Erfolgsgeschichte der Käsealmen: „Von den 13 Almen käsen heute noch zwölf, eine hat für heuer den Betrieb stillgelegt.“ In den vollen Reifekammern ist der Erfolg zu sehen: Die Produktion stieg gegenüber den Neunzigerjahren um fast 100 Prozent auf rund 50 Tonnen schmackhaftem „Gailtaler Almkäse g.U.“, mittlerweile das gelbe Gold der Karnischen Berge. Das Jubiläum wird morgen, am Samstag, beim Käseanschnitt ab 10 Uhr auf der Reisacher Jochalm (Kirchbach) gefeiert. Der ehemalige Agrarkommissar Franz Fischler feiert mit.