Zehn Köpfe sind es, die sich in die dazugehörigen Nacken legen, die Blicke richten sich nach oben. Gleich darauf erscheint, worauf gespannt gewartet wird. Und das im Schein von Stirnlampen, immerhin hat die Nacht schon über den Gröbminger Öfen, eine Felsenschlucht im Ortsteil Winkl, Einzug gehalten. An der Kante der rund 20 Meter hohen Felswand, auf die alles schaut, kommen zwei Gestalten zum Vorschein. Gesichert von zwei Seilen gleiten sie in die Tiefe.
Es sind Sabrina Biedermann und Alpinist Markus. Letzterer fungiert als Figurant, der sich bei einem Kletterunfall verletzt hat. Erstere ist mit ihren Kameraden und unter der Führung von Einsatzleiter Simon Häusler zu seiner Rettung ausgerückt. Während das Duo sich dem Wandfuß immer weiter nähert, macht man sich unten für die notfallmedizinische Versorgung des Kletterers bereit.
Übers Schotterfeld ins Tal
Nachdem er angekommen und auf die bereitstehende Gebirgstrage gelegt worden ist, nimmt die Rettergruppe ihn, der von Schmerzen im Brustkorb und am Hinterkopf berichtet, in Augenschein. Unter anderem wird der Blutdruck gemessen und der Körper abgetastet. Danach macht man den Alpinisten für den Transport bereit. Über ein rund 200 Meter langes Schotterfeld wird er ins Tal gebracht, wo das Rote Kreuz wartet.
Dort klatschen die Retter mit strahlenden Gesichtern ab. Und als schließlich auch ihre vier Kameraden, die die Nachhut gebildet haben, bei ihnen angekommen sind, ist klar: Der Einsatz ist geglückt. „Im Ernstfall ist der Druck schon groß. Aber es hat alles gut gepasst“, freut sich die Schladmingerin Biedermann. Zufrieden sind neben Einsatzleiter Häusler auch die Ausbilder. Das haben sie in einer ersten Einschätzung zuvor am Fuße der Felswand bereits kundgetan.
Nachtübung als Highlight
Denn das Ganze war eine Übung im Rahmen des ersten Sommerkurses, den 25 angehende Bergretterinnen und Bergretter aus der ganzen Steiermark sechs Tage lang in Gröbming absolviert haben. Für das nächtliche Training haben sie sich in zwei Gruppen aufgeteilt. Während eine den Kletterer retten musste, galt es für die andere, im nahen Steinbruch einem Wanderer mit offenem Unterschenkelbruch zu helfen.
„Die Nachtübung ist das Highlight“, sagt Kursleiter Jannis Staud. Den Anwärtern werde ein Szenario vorgegeben, alles andere nehmen sie selbst in die Hand. „Wir greifen nur ein, wenn sich etwas Sicherheitsrelevantes ergibt – etwa ein Seilende lose oder ein Karabiner nicht zugeschraubt ist“, erklärt er.
Drei Jahre Ausbildung
Drei Jahre lang dauert die Ausbildung zum Bergretter, sie umfasst zwei Sommer- und einen Winterkurs. Wer teilnehmen will, muss sich bei einer Aufnahmeprüfung beweisen. Bei ihr müssen unter anderem ein Aufstieg mit den Tourenskiern samt Abfahrt im Gelände und das Klettern im vierten Schwierigkeitsgrad absolviert werden. Zwischen den Kursen, die mit einer Prüfung enden, werden die Anwärter in den jeweiligen Ortsstellen ausgebildet, „sind bei Übungen und auch Einsätzen mit dabei“, so der Kursleiter.
Wer alle drei Kurse erfolgreich absolviert hat, stellt sich der Gletscherausbildung und der Abschlussprüfung. Bis dahin dauert es für die 25 Kursteilnehmer aber noch, sie haben gerade ihren ersten Sommerkurs mit zwei Tagen notfallmedizinischer Grundausbildung und vier Tagen technischer Ausbildung hinter sich gebracht.
Warum Gröbming dafür schon seit mehr als zehn Jahren Schauplatz ist, erklärt Enrico Radaelli, Sprecher der steirischen Bergrettung: „Gastfreundschaft und Infrastruktur passen sehr gut. Die Anwärter sind in der Fachschule untergebracht, hier gibt es ein Internat, einen Lehrsaal und Verpflegung, die Distanz zum Übungsgelände ist kurz.“
„Umfangreich, aber super“
Und wie finden die Anwärter die Ausbildung? „Sie ist sehr umfangreich und geballt. Aber sie ist super“, sagt Biedermann, im Brotberuf Krankenschwester. Für Häusler war „vor allem der medizinische Teil interessant, das Thema war für mich bisher nicht so greifbar“.
Er selbst musste nach einer schweren Verletzung schon einmal die Hilfe der Bergrettung annehmen. Wenn er nun die Ausbildung mache, „bringt das vielleicht einmal jemand anderem etwas“, erklärt er.