Auf steirischen Straßen bewegen sich immer mehr E-Autos. Im ersten Halbjahr gab es etwa ein Drittel mehr Zulassungen als 2025 im selben Zeitraum. Ähnlich sieht es bei den Gebrauchten aus. Die sind im selben Vergleich sogar um 47 Prozent gestiegen. Hier sind Hybride, also Fahrzeuge mit teils elektrischem Antrieb und teils Kraftstoff, nicht eingerechnet. Auch bei ihnen steigen die Zulassungen.
Bei genauerer Betrachtung wird ein starker regionaler Unterschied beim Vormarsch der Elektromobilität deutlich – genauer gesagt ein Stadt-Land-Gefälle. In den steirischen Bezirken wurden dieses Jahr im Schnitt 45 Prozent mehr Elektroautos zugelassen, bei den Gebrauchten waren es sogar 57 Prozent. Zwar steigen die Zahlen auch in der Landeshauptstadt, aber weit weniger als am Land. Neue E-Autos gab es zehn, und gebrauchte gerade mal neun Prozent mehr.
Das Land liebt Elektro
„Auch wir sehen diesen Trend“, meint Hannes Lindner, Leiter der Abteilung für Elektromobilität der Energie Graz. Das Unternehmen der Holding hat einen Tarif, mit dem Kundinnen und Kunden ihre E-Autos laden können. Nur die Hälfte kommt aus Graz, obwohl das Unternehmen in der Landeshauptstadt sitzt. Für Lindner ein klares Indiz dafür, dass E-Mobilität im ländlichen Raum besser angenommen wird.
Will man die Kluft zwischen Stadt und Land erklären, gibt es mehrere Ansätze. Ein möglicher Grund ist die Kaufkraft. Die ist im Umland teils höher als in Graz. Weil E-Autos in der Anschaffung immer noch teurer sind als Verbrenner, könnte das ins Gewicht fallen, meint Lindner. Das Geld ist aus seiner Sicht aber nicht der Hauptgrund.
Platzfrage
Es ist am Land schlicht einfacher, die nötige Infrastruktur für E-Mobilität bereitzustellen, meint Lindner. Ladestationen und Parkplätze werden in der Stadt letztlich durch Platzmangel naturgemäß limitiert – ein Problem, mit dem man am Land nicht oder viel weniger zu kämpfen hat.
Aus diesem Grund setzt die Energie Graz, die im Stadtgebiet hauptverantwortlich für den Ausbau der E-Ladestationen ist, auf Kooperationen. Bei der Planung von Neubauprojekten etwa können Ladestationen von Anfang an mitgedacht werden, was die Umsetzung erleichtert. Ein weiterer Ansatz sind beispielsweise die Parkplätze von Supermärkten oder Apotheken. Hier kann man bestehende Parkflächen nutzen, um ein Angebot zu machen, dass nah am Alltag der meisten Nutzerinnen und Nutzer ist.
Trendwende
Rund 390 Ladepunkte konnte die Energie Graz mit diesen Methoden in der Stadt bereits erreichen. In etwa jeder dritte ist ein Schnellladepunkt. An diesen Stationen kann man mit bis zu 400 kW laden. Darüber hinaus betreibt man Ladeinfrastruktur für das tim-Carsharing und für E-Taxis. Bis 2028 will die Energie Graz die 500 Stationen voll machen.
Obwohl die E-Mobilität in Graz nicht so schnell vorangeht wie im Rest der Steiermark, ist Lindner optimistisch für die Zukunft. „Gerade im mehrgeschossigen Wohnbau merkt man eine Tendenz hin zum Elektroauto und zum Plug-In Hybrid“, meint er. Diese Entwicklung passiere nicht über Nacht, aber in Zukunft werde die Mobilitätswende auch in der Stadt ankommen.