Der Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), Martin Kocher, betont angesichts gestiegener Ölpreise durch den Iran-Krieg die Handlungsbereitschaft der EZB. „Im Moment legen wir ein besonderes Augenmerk auf die indirekten Preiseffekte des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten und mögliche Zweitrundeneffekte“, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) der deutschen „Börsen-Zeitung“ in einem am Mittwoch veröffentlichten Interview.
„Wir sehen aktuell keine Zweitrundeneffekte, müssen unsere Geldpolitik jedoch auch an den Inflationserwartungen ausrichten.“ Die Entwicklung sei von hoher Unsicherheit geprägt, da sich die Intensität des Konflikts immer wieder ändere. „Daher sind wir jederzeit bereit, geldpolitische Maßnahmen einzusetzen, sollte das nötig sein“, betonte Kocher.
Erneute Anhebung erwartet
Die EZB beobachtet genau, ob höhere Energiepreise die Inflation in anderen Bereichen anfachen. Um solche Zweitrundeneffekte zu verhindern, hat sie im Juni erstmals seit 2023 die Zinsen erhöht. Der auch für Sparer wichtige Einlagensatz wurde von 2,0 auf 2,25 Prozent heraufgesetzt. Viele Ökonomen rechnen im September mit einer erneuten Anhebung auf dann 2,50 Prozent.
Man werde von Sitzung zu Sitzung anhand der aktuellen Daten entscheiden, sagte Kocher und fügte hinzu: „Wir sind insgesamt in einer geldpolitischen Ausgangslage, die uns den Spielraum ermöglicht, den wir brauchen.“ Die EZB habe bewiesen, dass sie in der Lage sei, auf Inflationsschocks von außen zu reagieren und die Teuerung relativ rasch wieder zum Zielwert von zwei Prozent zu bringen.
Die Konjunktur in der Eurozone entwickelt sich dem Währungshüter zufolge relativ robust. „Die gesamtwirtschaftliche Entwicklung im Euroraum ist derzeit nicht sehr stark, sie ist aber doch stärker, als viele erwartet haben“, betonte Kocher. „Wir kommen einigermaßen resilient durch diese schwierige Phase.“ Je länger der Iran-Krieg aber dauere, desto schwieriger werde es.