Es ist ein sonniger und heißer Sommertag, Höchstwerte um die 31 Grad. Die Linde im Gastgarten vom Gasthof „Liegl am Hiegl“ in St. Peter in der Gemeinde St. Georgen am Längsee spendet für Gäste viel Schatten. Bekannt ist das Gasthaus für seine Haubenküche, doch an diesem Montag kommen die Gäste nicht zum Essen, sondern zum Malen.
„Wir bieten seit Kurzem Keramikmalkurse an. Die Gäste sollen das bitte nicht falsch verstehen. Seit einiger Zeit kursiert das Gerücht, dass wir mit dem Restaurant aufhören. Das stimmt nicht. Wir haben unsere Angebotspalette nur erweitert. Das Restaurant ist von Donnerstag bis Sonntag geöffnet. Montagnachmittag gibt es den Malkurs und abends kann man für eine Jause vorbeikommen. Dienstag und Mittwoch haben wir Ruhetage“, erklärt Chefin Elisabeth Warmuth-Liegl und fügt an: „Die Gerüchte waren am Anfang sehr überraschend. Nur weil man mit etwas Neuem anfängt, muss man nicht mit etwas anderem aufhören.“
Während der Pandemie hat Warmuth-Liegl das Töpfern für sich entdeckt. „Wir haben damals mit unserer Tortenproduktion aufgehört. Doch ich wollte weiterhin etwas mit meinen Händen machen und so kam ich zum Töpfern. Das Bemalen der Keramik macht einfach Spaß und verlangt Fingerfertigkeit. Das ist mein kreativer Ausgleich. Die Idee, das Bemalen auch für die Gäste anzubieten, kam uns eigentlich spontan.“ Mit „uns“ meint die Gastronomin sich und ihre Tochter Magdalena (14), die als kreative Unterstützung bei den Kursen dabei ist. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Alles ist erlaubt und gewünscht. Die Arbeit hat auch was Beruhigendes und Meditatives“, erklärt Magdalena.
„Und genau das war unser Grundgedanke. Die Leute sollen den stressigen Alltag und die Sorgen unter dem Hügel lassen und für ein paar Stunden hier den Alltag entfliehen“, fügt Warmuth-Liegl an. Während die Gäste sich dem kreativen Schaffen hingeben, bedient Gastwirt und Ehemann Michael Warmuth die Leute mit Getränken.
An diesem Tag findet sich eine Damenrunde vor dem Gasthof ein. „Wir sind aus Klagenfurt, bei unseren Treffen möchten wir gerne etwas unternehmen. Als wir von den Malkursen hörten, dachten wir uns, wieso nicht. Wir sind offen für Neues. Es macht uns aber so einen Spaß. Das war sicher nicht das letzte Mal, dass wir vorbeischauen.“
Und auch die Familie Lilie aus Deutschland ist begeistert. „Wir sind aus Halle und machen immer Urlaub in Glanegg. Als wir hier essen waren, erzählte uns Elisabeth von den Kursen. Ich finde, es ist eine schöne Beschäftigung mit den Kindern und ein schönes Andenken an den Urlaub“, erklärt Joachim Lilie.
Zwei Monate brauchte man im Gasthof, um alles für die Malkurse vorzubereiten. Pinsel, Schwämme, Farben, Muster, Stempel stehen schon bereit. „Die Rohkeramik bekommen wir von der österreichischen Firma Keramix geliefert. Es ist eines der wenigen Unternehmen, die niedrig gebrannte Keramikprodukte liefert. Ich könnte die Produkte auch selbst herstellen, jedoch wäre das sehr zeitaufwändig.“ Eine Kurseinheit dauert rund zweieinhalb Stunden. „20 Euro ist die Kursgebühr, je nachdem, welches Keramikprodukt man bemalen möchte, wird noch ein Betrag dazugerechnet.“
Im Malzimmer hat man dann als Kursteilnehmer die Qual der Wahl. Tassen, Teller, Butterdosen, Ringhalter, Vasen, Schalen, Trinkbecher, Dekoartikel und vieles mehr können ausgewählt werden. Siebdruck, Klebeverfahren, Stempeldruck, Kratztechnik, Blubbertechnik: „Wie gesagt, der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt. Bei Fragen stehen wir natürlich mit Rat und Tat zur Seite.”
Nachdem die Keramik bemalt wird, beginnt für Warmuth-Liegl die eigentliche Arbeit. Der Keramikofen wird dann eingeheizt. „Die fertigen Produkte werden von mir glaciert und nachgebrannt. Sobald die Stücke fertig sind, können die Leute sie abholen.“ Die Gastwirtin hofft dann auf viel Freude: „Es ist schön zu sehen, wenn die Leute ihre bemalten Stücke abholen und sie mit einem kleinen Lächeln entgegennehmen.“