Erwartungsgemäß war die zehnte Etappe der Tour de France von Aurillac nach Le Lioran lange geprägt von mehr oder minder erfolgreichen Ausreißversuchen. Doch war das Team UAE von Tadej Pogačar nicht gewillt, den Sieg herzugeben, und drückte in der Nachführarbeit auf das Tempo. Am Ende wurde die dominierende Mannschaft mit dem insgesamt 24. Etappensieg des Ausnahmekönners bei der Tour belohnt. Er baute auch die Führung in der Gesamtwertung aus. Am Dienstag sind die Sprinter wieder am Zug, wenn die elfte Etappe über 161 Kilometer von Vichy nach Nevers führt.
Brisant wurde es in der Abfahrt vom Pas de Peyrol, der vierten von sieben Bergwertungen. Richard Carapaz (EF Education - EasyPost) fuhr solo vor dem Feld, und das Team „Decathlon“ übernahm das Kommando. Doch wurde das beinahe Nicolas Prodhomme zum Verhängnis. Immer wieder waren großflächige weiße Flecken in der Abfahrt zu sehen. Dabei handelt es sich um „Kalkmilch“. Aufgrund der Hitzewelle lassen die örtlichen Behörden die Straßen mit dieser weißen Mischung besprühen. Die wasserbasierte Calciumhydroxid-Mischung reflektiert das Sonnenlicht und kühlt so den Asphalt. Damit soll verhindert werden, dass die Fahrbahn aufschmilzt und unter den Reifen der Spitzenfahrer Splitter abgibt.
Tadej Pogačar sprach in der technisch anspruchsvollen Passage ein Machtwort und ließ das Feld langsamer fahren. Dennoch lag kurz darauf Thomas „Tom“ Pidcock in einem dieser Flecken auf dem Boden. Der Brite ist ein ausgewiesener Meister in der Abfahrt, und dennoch konnte er den Sturz nicht verhindern. Auch sein Teamkollege Chris Harper, der an der Hand blutete, und Matteo Jorgenson, einer der wichtigsten Helfer von Jonas Vingegaard, kamen in dieser Phase zu Sturz.
Im Tal angekommen, begann der Anstieg zum Col de Pertus, und „Decathlon“ übernahm wieder die Initiative, und die Gruppe der Favoriten wurde immer kleiner. Kurz vor dem Gipfel kam dann die Attacke von Pogačar, und niemand reagierte. Erstmals zeigte Isaac del Toro (UAE), die Nummer zwei im Team hinter dem Slowenen, Schwäche im Rahmen dieser Rundfahrt. Auch Carapaz wurde vom Weltmeister noch vor der Abfahrt vernascht.
Auf dem Col de Font de Cère schien der Slowene etwas zu leiden, und dennoch wuchs der Abstand zu seinen hochkarätigen Verfolgern langsam von 20 auf 40 Sekunden an. Der Anstieg war nicht besonders steil, und dennoch wurde Remco Evenepoel (Red Bull - Bora) etwas abgehängt. Doch er arbeitete sich wieder heran und gewann sogar den Sprint der Verfolger