Warum die Mühlen der Justiz manchmal sehr langsam mahlen, zeigt dieser Fall. „Das war seit Anfang März bereits der sechste Termin in dieser Sache“, seufzt Richter Robert Schwarzl am Ende der Hauptverhandlung.

Jedes Mal tauchten wichtige Zeugen nicht auf, jedes Mal musste erneut vertagt werden. Und so ist es auch an diesem Montag: Eine Zeugin aus dem Bezirk Murtal ist zwar erschienen, aber auch das nur zwangsweise. Sie wurde in der Früh von zwei Polizeibeamten aus dem Bett geholt und ins Landesgericht Leoben gebracht, nachdem sie die Gerichtsladung ignoriert hatte.

Erneut vertagt

Die Frau sagt aus, danach muss der Richter erneut vertagen. Denn eine andere Zeugin, von der man sich wichtige Aussagen erwartet, ist nicht erschienen. „Das nächste Mal lasse ich auch diese Zeugin vorführen“, kündigt Richter Schwarzl die Abholung durch die Polizei an. Er macht sich mit den drei Schöffen, der Staatsanwältin und dem Anwalt gleich im Gerichtssaal einen neuen Termin aus. Am 5. Oktober sehen sich dann alle zum siebenten Mal wieder.

Mit Brutalität

Dabei ist es ein vergleichsweise kleiner Prozess, bei dem es um einen Mitläufer aus der Drogenszene geht. Der junge Angeklagte sitzt im Gerichtssaal, ein Urteil über den grundsätzlich geständigen Mann kann auch diesmal nicht gesprochen werden. Er war Teil eines großen und mit äußerster Brutalität agierenden Drogenrings, den die Polizei zerschlagen hat. Die Haupttäter waren drei Tschetschenen und wurden im Herbst des Vorjahres zu langjährigen Haftstrafen verurteilt (wir berichteten).

Die Polizei nahm im Vorfeld 42 Verdächtige in den Bezirken Murtal und Bruck-Mürzzuschlag fest, die meisten im Alter von 16 bis 24 Jahren. Sichergestellt wurden 11,5 Kilo Kokain, 80 Kilo Cannabis, 10 Kilo Cannabisharz und 95.000 Euro Bargeld. Ebenso fand die Polizei damals halbautomatische Langwaffen, Faustfeuerwaffen sowie Hieb- und Stichwaffen.