Es geht Schlag auf Schlag. Zwei der historisch größten Fußballnationen sind heute auf Kollisionskurs in Atlanta. Thomas Tuchel war sichtlich „not amused“ über die Leistung seiner „Three Lions“ im schweißtreibenden Viertelfinale. England wirkte müder als erwartet. Alle drei bis vier Tage ein hochemotionales K.-o.-Spiel zu bestreiten, zehrt an den körperlichen und mentalen Ressourcen. Das ist ja sogar für den England-Coach Neuland. Und dann gibt es da noch Themen wie die Falklandinseln, die Hand Gottes, Messi, Martinez und Julian Alvarez, der es vorzüglich versteht, ins freie Kreuzeck zu treffen.

Das Vorbereitungspaket auf dieses ganz brisante Duell ist riesig, zur Verschnaufpause gab er seinem Team einen „arbeitsfreien“ Sonntag. Ganz regelkonform auch im Sinne des österreichischen Arbeitnehmer- und Gesundheitsschutzes. Für Menschen mit erhöhtem Blutdruck sowie die US-amerikanischen Sicherheitsbeamten scheinen dieses Spiel schon im Vorfeld zu einem Risiko zu werden. Und dazu ist Argentinien in der gegnerischen Box auch noch brandgefährlich. Schon 17 Mal bauschte sich das Netz des gegnerischen Tores bei dieser WM in Argentinien-Spielen. Das ist Spitzenwert für die südamerikanischen Titelverteidiger und Kanoniere. Und in dieser Tonart sollte es auch weitergehen.

Beide Mannschaften überzeugten bei diesem Turnier bislang mit einer „Niemals-Aufgeben-Mentalität“. Eine lahme Zu-Null-Partie wäre heute nicht nur deshalb für mich eine echte Überraschung. Zu hoch ist die individuelle Qualität auf dem Rasen, um in den entscheidenden Momenten dem Spiel nicht den Stempel aufdrücken zu können. Die Post bringt bekanntlich allen etwas, sagt man so schön.

Ein Sieg und der Einzug ins Finale würden für England und Thomas Tuchel einem historischen Meilenstein gleichkommen. Nur sollten sich dafür die Fußballschuhe nicht allzu schwer anfühlen, denn ein Mix aus Leichtigkeit, positiver Anspannung, Aufmerksamkeit, Überzeugung und Kaltschnäuzigkeit wird heute spielentscheidend sein. „The GOAT against the King“, Lionel Messi gegen Harry Kane – der Ausgang dieses Spiels wird so oder so einen ausführlichen Eintrag in viele Geschichtsbücher finden.

<strong>Johnny Ertl (43)</strong>, <em>Ex-Fußballer mit Stationen bei Sturm, Austria Wien, Crystal Palace, Portsmouth, TV-Experte, Speaker, Unternehmer.</em>
Johnny Ertl (43), Ex-Fußballer mit Stationen bei Sturm, Austria Wien, Crystal Palace, Portsmouth, TV-Experte, Speaker, Unternehmer. © Canal+/Eva Manhardt