Mitten in der beweglichen Installation mit rund 500 Griffen, die der Künstler Kristoffer Stefan in den Anthropozän-Raum des kärnten.museums gebaut hat, hat Tara Meister letzten Sonntag einen Einblick in ihren Arbeitsprozess gewährt: Die Festivalschreiberin des Carinthischen Sommers hat im Rahmen einer Matinee Manuskriptseiten ihres Romans „In vivo“ (Arbeitstitel) ausgebreitet, daraus gelesen, Notizen gemacht, Korrekturen vorgenommen. Erscheinen soll der Roman kommenden Februar. Die Kärntnerin erzählt darin von einer älteren Frau, die nach einer In-vitro-Fertilisation schwanger geworden ist, und von der Ärztin, die bei ihr einen Notkaiserschnitt durchführen muss. Verschiedene Lebensrealitäten – darunter auch der eizellenspendenden Person – verknüpft Meister mit einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Gesundheitssystem.

Die 28-Jährige verbindet dabei zwei Leidenschaften: das Schreiben und die Medizin. Die St. Veiterin hat Humanmedizin studiert und eine dreijährige Ausbildung für Literarisches Schreiben am Literaturinstitut Leipzig absolviert. Ihre Erfahrung als Spoken-Word-Poetin kam ihr im Vorjahr zugute, als sie beim Bachmann-Preis angetreten ist und das erste Stipendium als Festivalschreiberin des Carinthischen Sommers gewonnen hat.

© Marta Gillner

Das Wettlesen habe ihr viel Aufmerksamkeit gebracht: „Für mich als junge Autorin war das sehr spürbar“, erzählt Meister, deren Debütroman „Proben“ 2024 bei Residenz erschienen ist. Dass das neue Buch bei Blessing (Penguin Random House Verlagsgruppe) herauskommt, liegt an einem Bieterverfahren: Rund die Hälfte des Romans war fertig, als Tara Meister die Rechte dafür „in den Ring geworfen hat“: „Das war eine nervenaufreibende Erfahrung“, so die Kärntner Lyrikpreis-Trägerin 2025.

Dass sie als Festivalschreiberin an einem Musikfestival andockt, ist für die Autorin, für die Rhythmus und Musikalität in der Sprache zentral sind, eine „schöne Erfahrung“. Und so wird sie am Samstag auch mit Texten aus ihrer Sammlung „Geschafft, Sonne“ dabei sein, wenn der Carinthische Sommer Villach in eine klingende Landschaft verwandeln wird.

Weitere Residenzen

Nach Ossiach warten dann noch weitere Schreibresidenzen, darunter in Deutschland, Triest und Tirana: „Es ist ein bisschen ein verrücktes Jahr, aber das passt gerade in mein Leben.“ Kommendes Jahr will sie dann ihre Facharztausbildung zur Gynäkologin beginnen: „Ich würde gerne beides parallel machen.“ Schließlich sei Ärztin ein Beruf, in dem es auch viel um Geschichten gehe: „Sprache ist ein wichtiger Teil der Begegnung mit den Patienten und damit der Heilung.“