Der Abriss eines alten Hauses wirbelt in Graz in der Regel nicht nur auf der Baustelle Staub auf. In diesem Fall dürfte das positive Echo auf das Fallen der Mauern aber überwiegen. Ein seit langem leerstehendes Gebäude in der Petersgasse 79 wurde in den letzten Tagen dem Erdboden gleichgemacht. Das Haus ragte – anders als die Nachbarhäuser – so weit in die Fahrbahn hinein, dass eine Engstelle entstand. Der blau markierte Radstreifen, der in diesem Abschnitt der Petersgasse 2024 in Richtung Innenstadt angelegt wurde, endete deshalb abrupt vor dem Gebäude. Radfahrer mussten nach links ausweichen, wo auch Autos und die Straßenbahn unterwegs sind, und das Haus quasi umfahren. Nach dem Gebäude führte der blau markierte Radstreifen dann weiter in Richtung Innenstadt.

Die Lücke im Radstreifen kann nach dem Abriss des Hauses nun geschlossen werden. Das Grundstück wird zwar wieder bebaut, Top Living wird dort einen Neubau mit 17 Wohneinheiten errichten. Die Pläne zeigen einen schmalen Bau entlang der Petersgasse. Im Vergleich zum Altbestand wird das Gebäude aber wie das Nachbarhaus etwas von der Straße nach hinten rücken. Wie die Kleine Zeitung in Erfahrung brachte, konnte sich die Immoabteilung der Stadt Graz auf Initiative der Verkehrsplanung einen schmalen Grundstücksstreifen an der Straße sichern, der insgesamt 45 Quadratmeter groß ist. Das macht es möglich, die Gefahrenstelle zu entschärfen. „Manchmal sind es nur wenige Meter, die einen großen Unterschied machen. Mit dem Abbruch des Hauses ergibt sich endlich die Chance, die Engstelle in der Petersgasse zu beseitigen. Dass wir den Radweg nun durchgehend führen können, ist eine richtig gute Nachricht für alle, die hier täglich unterwegs sind“, unterstreicht die unter anderem für die Verkehrsagenden zuständige Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne).

Baustart bereits im August

Ein wenig müssen sich Autofahrer, Radfahrer und Bimlenker noch gedulden, bis sie sich vor Ort nicht mehr in die Quere kommen. Laut Top Living starten die Bauarbeiten für das fünfgeschoßige Gebäude, das vom Grazer Büro Love architecture und urbanism geplant wurde, mit 1. August. Baucontainer wurden vor Ort bereits aufgestellt. Im April/Mai 2027 soll der Neubau mit Wohnungen für den Eigenbedarf und Anlegerwohnungen dann laut Top Living fertig sein.

Die Petersgasse wurde im Rahmen der Radoffensive des Landes Steiermark in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt für den Radverkehr ausgebaut. Ziel der Offensive ist es, durchgängige Hauptradrouten für den Alltagsverkehr zu schaffen. Nachdem mehrere TU-Standorte über die Petersgasse angefahren werden können, kommt der Straße dabei eine wichtige Bedeutung zu. Im Endausbau soll der Radverkehr durchgängig von der Grazer Innenstadt über die Petersgasse und die St. Peter Hauptstraße bis nach Raaba rollen können. Ein Knackpunkt ist dabei die enge Mandellstraße und damit das letzte Stück zwischen Steyrergasse und Oper.