Mit der 154. The Open Championship, auch als British Open bezeichnet, startet am Donnerstag das vierte und zugleich letzte Major-Turnier des Jahres. Aufgeteet wird auf dem Royal Birkdale, einem Premium-Golfklub an der Küste des St. Georgs Kanals in der Nähe von Southport. Mit von der Partie ist angeführt vom Weltranglistenersten und Titelverteidiger Scottie Scheffler das Who is Who der professionellen Golfwelt, die Österreicher Sepp Straka und Bernd Wiesberger inklusive. Um einen Platz im erlesenen, 156 Spieler großen Teilnehmerfeld zu ergattern, muss man eine von vielen Kriterien erfüllen. Diese sind für das Gros der großen Touren oft unerreichbar, doch gibt es bei The Open ein extra geschaffenes Hintertürl: Beim sogenannten „Last-Chance-Qualifikationsturnier“ rittern zwölf Spieler in einer Runde um den allerletzten Startplatz beim Traditionsturnier.
Eine Nervenschlacht auf 18 Löchern, aus der am Ende des Tages Joe Dean als glücklicher Sieger hervorging. Der 32-Jährige ist in der Welt der Greens und Fairways kein Unbekannter, holte er doch 2024 sowohl bei den Kenia- als auch den KLM-Open jeweils den zweiten Platz. Auch bei The Open schlug der Pro aus Sheffield bereits zweimal ab (2017 und 2024) und hielt sich als geteilter 70. bzw. geteilter 25. durchaus wacker. Sein dritter Streich beim Golf-Klassiker hat aber einen besonderen Hintergrund, steht doch kommenden Dienstag im zweieinhalb Autofahrstunden entfernten Worksop seine Hochzeit mit Emily Lyle an. Auch sie ist am Linkskurs von Royal Birkdale dabei, trägt Emily ihrem Verlobten als Caddie doch die Tasche.
Die erfolgreiche Qualifikation, die Dean einen Platz im Flight mit Max Homa und Henrik Stenson gesichert hat, bringt nun freilich die Hochzeitsvorbereitungen (47 Gäste werden erwartet) gehörig durcheinander. Die Hunde, die bei der Zeremonie als Ringträger vorgesehen sind, seien schon versorgt, erzählt Dean mit einem breiten Grinsen, gibt aber zu: „Eine Woche frei hätte die Hochzeit etwas erleichtert, aber die Open Championship ist ein guter Anlass, die Dinge ein wenig aufzupeppen.“ Zusätzlicher Stress ist aber unvermeidbar, Braut Emily hatte etwa gestern nach der Trainingsrunde ihre letzte Kleideranprobe.
Ein weiteres Problem, das sich durch Deans Coup aufgetan hatte, war die Quartiersuche, hat sich sein Aufenthalt doch zumindest bis Freitagabend, wenn der Cut fallen wird, verlängert. Ein Wohnmobil, wie er es sowohl vor neun Jahren bei seiner Open-Premiere in Royal Birkdale als auch 2024 in Royal Troon genützt hatte, kam für den Briten diesmal nicht infrage. „Wir hatten Glück und haben für letzte Nacht noch ein Hotelzimmer bekommen, aber sonst ist alles ausgebucht. Obwohl, bei dem herrlichen Wetter könnte ich sogar neben dem Putting-Green ein Zelt aufschlagen“, scherzte Dean, der im Notfall auch im privaten Pkw schlafen würde.
Doch die passende Unterkunft steht für Joe, der heuer auch bei den Austrian Alpine Open in Kitzbühel abgeschlagen hat und geteilter Zwölfter wurde, und Emily dieser Tage nicht im Vordergrund – Hauptsache Joe spielt ein gutes Turnier und sie schaffen es nächste Woche rechtzeitig zur Hochzeit.