Wir schreiben das Jahr 2025 und befinden uns in Oakmont: Dort neigt sich gerade der zweite Spieltag der US Open dem Ende zu – und für Wyndham Clark ist das dritte Major-Turnier des Jahres bereits Geschichte. Der Pro aus Denver hat den Cut verpasst und lässt seinem aufgestauten Frust in der Umkleide freien Lauf, als er zwei Spinde zerstört. Es war nicht der erste Vorfall dieser Art: Im selben Jahr hatte er bereits bei der PGA Championship in Rage geraten seinen Driver gegen eine Werbetafel geschleudert.
Zurück in die Gegenwart: Bei den US Open 2026 im Shinnecock Hills Golf Club auf Long Island konnte Clark als erster Spieler seit dem Deutschen Martin Kaymer 2014 einen Start-Ziel-Sieg feiern – am Ende mit 4 unter Par und einem Schlag Vorsprung auf seinen Landsmann Sam Burns. Für den Triumphator, der mit 4,5 Millionen Dollar Preisgeld belohnt wurde, war es ein unglaublicher Kraftakt. Vor allem im mentalen Bereich, musste er doch nicht nur den extrem schwierigen Platz sowie all seine Konkurrenten bezwingen, sondern auch gegen den Gegenwind, den ihm das New Yorker Publikum entgegenbrachte, bestehen.
Das hatte nämlich die Vorfälle aus dem Vorjahr nicht vergessen und machte Clark das Golfleben vor allem auf der finalen Runde schwer, indem es den 32-Jährigen quasi bei jedem Schlag mitunter gnadenlos ausbuhte. Ein Mangel an Fairness, der das amerikanische Golf-Publikum bereits beim letzten Ryder Cup, als es Europas Superstar Rory McIlroy beschimpfte und beleidigte, ins schlechte Licht rücken ließ.
„New York mochte mich nicht wirklich“, resümierte Clark wieder zurück im Klubhaus, „aber ich verstehe es bis zu einem gewissen Grad, weil ich mir das zum Teil selbst zuzuschreiben habe“, verwies der Sieger auf die Vorfälle aus dem Jahr 2025. „Ich habe deswegen seit dem letzten Jahr viel Kritik einstecken müssen, und das völlig zu Recht. Das Schlimme daran ist, dass das nicht zu mir passt, so wie es letztes Jahr war. Ich glaube, ich kann den Leuten zeigen, dass ich lustig und aufgeschlossen bin, aber auch ehrgeizig und wettbewerbsorientiert.“ Und weiter: „Ich habe mich mehrfach dafür entschuldigt und es tut mir immer noch leid. Aber ich hoffe, ich kann die Fans irgendwann wieder für mich gewinnen.“
Auf dem vierten Platz (den teilte er sich mit Keith Mitchell, der als erster Spieler der US-Open-Historie alle vier Runden Par spielte) landete Scottie Scheffler, der es damit verpasste, an seinem 30. Geburtstag den Karriere-Slam zu fixieren. Zum teils unfaieren Publikum erklärte der Weltranglistenerste: „Die New Yorker sind eben ein hartes Pflaster. Wenn die Bälle vom Grün fliegen und man plötzlich Jubel hört, ist mir das aber etwas zu viel. In so einer Arena zu spielen, ist nicht jedermanns Sache, und ich finde, es sagt viel über Wyndham aus, wie er nicht nur mit diesem Golfplatz, sondern auch mit dem Publikum heute umgegangen ist. Er ist ein absolut verdienter Champion.“