Mit dem Sprintfinale vor dem Wiener Rathaus ging die fünfte Etappe und damit auch die Tour of Austria sportlich zu Ende. Die „Final Stage“, die von Ex-Profi René Haselbacher ausgerufen wurde, dauerte allerdings wesentlich länger. Für gewöhnlich zerstreuen sich die Teams nach der letzten Ankunft rasch in alle Himmelsrichtungen, wenn die Heimat ruft. Doch nach dem ersten Sieg eines Österreichers seit 2013 durch Gregor Mühlberger gab es für die Nationalmannschaft in der „Lugeck Alm“ einiges zu feiern. „Radsportler sind ja eigentlich eher reserviert, aber da haben wir gezeigt, dass wir nicht nur auf der Straße eine starke Nation sind“, erzählte Teamtrainer Thomas Binder.

Der 32-Jährige aus Gutenberg an der Raabklamm war der „Chef“ des Teams, das Mühlberger zu seinem größten sportlichen Erfolg geführt hat. „Diese Woche war extrem intensiv, und so etwas wird es in dieser Form im Nationalteam wohl auch nicht mehr geben“, sagte Binder, dessen wichtigste Aufgabe nach der kurzfristigen Nominierung Mühlbergers vor der Tour zu erledigen war: „Es war damit eine vollkommen andere Situation. Die Fahrer konnten nicht mehr auf ihre eigene Rechnung fahren und mussten ihre persönlichen Interessen hinten anstellen. Wir haben sie in der ersten Besprechung ins Boot geholt. Sie waren sofort dabei. Und es war unglaublich zu sehen, wie wertschätzend Gregor ist. Dadurch war auch die Stimmung im Team hervorragend.“

Mechaniker René Grossauer, Gregor Mühlberger und Trainer Thomas Binder
Mechaniker René Grossauer, Gregor Mühlberger und Trainer Thomas Binder © KK

Neben Binder, der im Nachwuchs selbst gegen den Tour-Sieger gefahren ist, war mit René Grossauer noch ein zweiter Steirer dabei. Der Grazer war als Chefmechaniker im Einsatz. „Natürlich kommt bei so einer Rundfahrt immer wieder ein bisschen Stress auf, aber es waren einfach alle unkompliziert. Und wenn ein Fahrer wie Gregor so viel zurückgibt, dann arbeitet jeder umso lieber und noch härter – wie er auch“, sagt Grossauer, der auch eines der zwei Fahrzeuge im Konvoi hinter dem Feld fuhr. In der Kolonne reihte sich das Nationalteam freilich als Erstes ein. „Auch das war eine neue Erfahrung für uns, zu sehen, wie die großen Teams hinten regelrecht einen Basar haben. Welches Team hilft bei der Nachführarbeit? Wer arbeitet zusammen?“, erzählt Binder. „Oft fahren wir ja hinten nach und schauen, dass es unsere Jungs in der Karenzzeit ins Ziel schaffen.“ Dieses Mal war es allerdings vollkommen anders.

Steiermark hat wieder Interesse

Ein positives Resümee zog auch der steirische Rennstall „WSA KTM Graz“, sagt Teamchef Christoph Resl. „Als drittbeste österreichische Conti-Mannschaft und mit dem 22. Gesamtplatz von Martin Messner als viertbester heimischer Fahrer können wir in diesem starken Feld zufrieden sein“, sagt der Teamchef, der auch im Organisationskomitee der Rundfahrt ist. Und da gibt es positive, weiß-grüne Signale für das kommende Jahr. „Wir haben eine lange Liste an Bewerbern um einen Etappenort, und es sind auch wieder steirische Regionen dabei. Aber der genaue Etappenplan wird erst im Herbst ausgearbeitet.“ Bis zum nächsten Höhepunkt ist es nicht mehr so lange hin: Am 28. Juli 2026 steigt das Grazer Altstadtkriterium als Teil der Cycling League Austria.

In Gamlitz zeigte sich Bürgermeister Friedrich Partl nach der Premiere als Etappenort sehr zufrieden. „Die Stimmung war sehr gut, und es wurde auch von den Einheimischen gut angenommen. Wenn wir es finanziell wieder auf die Beine stellen können, wollen wir gerne wieder Teil der Tour sein“, sagt der Bürgermeister, der selbst auch im Steilstück von Glanz die Fahrer anfeuerte. „Es war wie bei einer der großen Rundfahrten, und die Bilder haben wieder einmal gezeigt, in welchem Paradies wir leben.“