Neilson Powless ist ein abgebrühter Profi. Und das zeigte er auch in St. Johann/Alpendorf eindrucksvoll. Denn der Mann, der sich in den Fluchtgruppen pudelwohl fühlt, hat sich von der tückischen Zielanfahrt nicht beirren lassen und im Sprint Igor Arrieta (UAE) abgezogen. Denn die letzten Meter hinauf zum Ziel werden immer steiler und gnadenloser. Der US-Amerikaner hat 300 Meter vor dem Ende die Führung übernommen und mit einem energischen Antritt auf den letzten 100 Metern den Sieg eingefahren. „Als wir nur noch zu zweit waren, habe ich gemerkt, dass er sehr stark ist, und ich musste mit meiner Energie gut haushalten. Aber ich wusste, dass meine Chancen im Sprint gut sind, wenn wir zu zweit in Richtung Ziel kommen und ich mich nicht verausgabt habe“, sagte der Etappensieger. Platz drei ging an einen weiteren Fahrer von UAE: Jan Christen, der vor der Tour als einer der Favoriten auf den Gesamtsieg galt, löste sich auf den letzten Kilometern vom Rest der Fluchtgruppe.
In der war auch Michael Gogl, der Siebter wurde. Er war nicht zufrieden mit seiner Platzierung. Denn in der Abfahrt, in der sich das Duo abgesetzt hat, war er nicht mutig genug. „Die beiden haben sich extrem runtergelassen, und ich habe mir da schwergetan. Ich habe da ein bisschen zu viel gebremst. Man geht halt nicht das letzte Risiko ein, wenn man schon ein paar schwere Verletzungen hatte.“ Doch da entschied sich das Rennen, und der Oberösterreicher kam mit den Verfolgern ins Ziel. Dass er der beste heimische Profi war, war ihm ein schwacher Trost. Die große Gruppe hatte zwischenzeitlich vier bis fünf Minuten Vorsprung. Im Anstieg zum Buchberg teilte sich die Gruppe, in der Abfahrt ließen es Arrieta und Powless krachen. Sie waren nicht mehr zu sehen.
Das österreichische Nationalteam war bei der Nachführarbeit nicht alleine, denn auch andere Teams hatten ein großes Interesse daran, im Gesamtklassement nichts anbrennen zu lassen. Somit hielt sich der Rückstand im Ziel in Grenzen, und Gregor Mühlberger hat die Gesamtführung souverän verteidigt. Powless, der seit Februar nach einer Knieoperation kein Rennen mehr gefahren ist, war glücklich: „Es fühlt sich richtig gut an. Das ist so ein schönes Land. Ich habe hier noch nicht viel Zeit verbracht, aber ich komme mit meiner Familie sicher hierher. Es ist ein wunderbarer Ort.“
Am Samstag steigt die vierte Etappe mit Start und Ziel in Steyr.