„Ich bin fassungslos und traurig“, sagt Jakob Binder von der Harter Bürgerliste in sein Smartphone. Er steht auf der Janischwiese in Hart bei Graz, wo demnächst eine neue Schule entstehen soll. Hinter ihm das Corpus Delicti, ein gefällter Nussbaum, der in Hart für die nächste in einer Reihe politischer Auseinandersetzungen sorgt. Bürgermeister Franz Tonner (ÖVP) habe ihn ohne Grund fällen lassen, behauptet Binder in seinem Video. Wie so oft in Hart stimmen die Erzählungen nicht überein.

Noch vor 15 Minuten habe er den Bürgermeister davon abbringen wollen, den Baum zu fällen, erzählt Binder nicht ohne einen gewissen Pathos. Nun ist es aber doch passiert und Hart sei damit um einen rund 100 Jahre alten Baum ärmer, so Binder. Das Problem: Zwei weitere Darstellungen widersprechen seiner Version.

#kannmanbessermachen

Unter dem Hashtag #kannmanbessermachen äußert sich Vizebürgermeisterin Andrea Oherstaller (SPÖ) auf Facebook. Die Harter SPÖ behauptet, der Baum sei bei den gerade stattfindenden Abbrucharbeiten beschädigt worden. Die Entscheidung, ihn zu fällen, sei daher kurzerhand getroffen worden. Auch die SPÖ stimmt das traurig. Gemeinsam mit den Harter Grünen habe sich Oherstaller zwar mehr Sorgfalt gewünscht, zeitgleich warnt sie aber auch vor Polit-Hysterie.

Version drei der Geschichte stammt von der Gemeinde selbst. Sie postet auf Facebook das Angebot der Firma, welche die Abbrucharbeiten durchführt. Dort steht unter Punkt Sieben: „Baumschnitt bzw. Roden inkl. Entfernung der Wurzeln.” Den entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinderat bereits am 7. Mai mehrheitlich.

Demnach kam die Entscheidung weder von Bürgermeister Tonner, wie von der Bürgerliste behauptet, noch war sie eine spontane Reaktion auf eine Beschädigung, wie von der SPÖ behauptet. Die Firma habe auf Basis ihres Angebotes die Arbeiten umgesetzt, für die sie vom Gemeinderat beauftragt wurde, schreibt die Gemeinde dazu auf Facebook. Darüber hinaus habe man im Vorjahr auf der Janischwiese 100 neue Bäume gepflanzt.