„Was es in der ganzen Steiermark nicht gibt, ist ein reines Kunstlied-Festival“, betont der Musiker Sascha El Mouissi an einem heißen Juni-Morgen in der Innenstadt von Hartberg. Mit ihm dabei: Die ehemalige Kulturchefin der Stadtgemeinde, Rita Schreiner und ihre Nachfolgerin, Karin Heschl-Polzhofer. Die beiden Frauen waren von Anbeginn Feuer und Flamme für das Projekt, das der junge Musiker aus Wien ihnen vor rund einem Jahr erstmals vorstellte. Hartberg sei ihm als Kulturstadt „gleich ins Auge“ gestoßen, das kulturelle Angebot von Konzerten, über Theater bis hin zu einem Musical, habe ihn begeistert.

Aber El Mouissi wäre wohl nicht an die Stadtgemeinde herangetreten, wenn es keine Lücke in der Steiermark gegeben hätte, die er mit einem Festival schließen will. Durch seine eigene Begeisterung und Faszination für das Kunstlied angetrieben, bringt er nun „eine der kostbarsten Kunstformen innerhalb der klassischen Musikkultur” nach Hartberg.

Der Name des fünftägigen Festivals (26. bis 30. August 2026) ist dabei so simpel wie weltgewand: „Lied.Styria”. Der Ort: klassisch, denn die Bühne liefert die Wallfahrtskirche Maria Lebing, in der über den gesamten Zeitraum des Festivals täglich ein Konzert zu erleben ist. Festival-Besucher können zwischen Tagestickets und einem Festival-Pass (erhältlich unter Oetickets und im Rathaus Hartberg) wählen, mit dem man „für drei Konzerte zahlt und alle fünf besuchen kann“, erklärt El Mouissi.

Die ehemalige Kulturreferentin von Hartberg, Rita Schreiner, zusammen mit ihrer Nachfolgerin Karin Heschl-Polzhofer und dem Musiker Sascha El Mouissi
Die ehemalige Kulturreferentin von Hartberg, Rita Schreiner, zusammen mit ihrer Nachfolgerin Karin Heschl-Polzhofer und dem Musiker Sascha El Mouissi © KLZ / Moritz Weinstock

Das Kunstlied als „Antithese“ zu großen Events

Aber was genau ist das Kunstlied eigentlich? Laut dem Organisator des Lied.Styria ist es eine Kunstform, die heute „wie aus der Welt gefallen“ erscheint. Im Grunde handelt es sich dabei um die Vertonung von Gedichten, wobei Instrumente wie etwa das Klavier, das El Mouissi selbst spielt, nicht nur Begleitung sind. Vielmehr übernehmen sie eine aktive Rolle in der Erzählung, schildern beispielsweise den Galopp eines Pferdes in Franz Schuberts berühmten „Erlkönig” oder stehen im Wechselspiel mit der Singstimme.

Und doch ist das Kunstlied ein eher intimes Erlebnis, das „immer im Schatten von Oper und Symphonik” stehe, weil es nicht für die Massen ausgelegt sei. El Mouissi spricht daher auch von einer Art „introvertierten Kunst“, die den Blick nach innen richte. So versteht er sein Festival auch als „Antithese“ zu jenen Events, die immer größer werden oder gar Stadien füllen.

„Lebing ist einfach der perfekte Rahmen dafür“, ist sich Rita Schreiner sicher. Und für die Stadtgemeinde sei jemand wie Sascha El Mouissi ein großer Gewinn, denn obwohl man sich im Kulturreferat stets um neue, spannende Veranstaltungen bemühe, verfüge man nicht über so ein „tolles Netzwerk in der klassischen Musik“. Dafür unterstützt man in der Durchführung und Bewerbung des Festivals.

„Er kennt sie alle persönlich“

Die Zielgruppe ist spitz und setzt sich laut Karin Heschl-Polzhofer besonders aus „Fans des klassischen Liedes“ zusammen. Deshalb wird die Veranstaltung auch über den Bezirk hinaus beworben, um Hartberg auf das Radar von Kulturinteressierten aus Graz und Wien zu ziehen: „Man muss weiter hinausgehen, um dieses spezielle Publikum zu erreichen.“ Dass das funktioniert, habe man in der Vergangenheit bereits etwa mit dem Klarinettenfestival gezeigt.

Obwohl El Mouissi nicht prahlen will, zählt er dann doch noch ein paar Festival-Namen auf, etwa eine Vera-Lotte Böcker, die derzeit an der Bayerischen Staatsoper singt und im Theater an der Wien die Hauptrolle in Cavallis „La Calisto” singt. Auch Raphael Fingerlos komme nach Hartberg sowie Maria Nazarowa, die vor zwei Jahren die Opernballeröffnung gesungen hat.

„Er kennt sie alle persönlich“, schwärmt Rita Schreiner über das Netzwerk des Musikers. Die hochkarätige Besetzung wird zum Auftakt des Festivals einem Programm folgen, das sich mit dem zentralen Thema „Heimat und Fremde“ befasst. Werke von Schubert, der sogar einmal eine Nacht in Hartberg verbracht hat, spielen eine besondere Rolle, aber „die ein oder andere Überraschung“ ist auch im Gepäck.