Sissi Kroneder absolvierte die Handelsschule und arbeitete im Büro. Anfang 30 schlug sie einen neuen Karriereweg ein und besuchte die Fachschule für Land- und Forstwirtschaft in Silberberg, schloss die Ausbildung zur Weinbau- und Kellermeisterin ab und arbeitete daraufhin mehr als ein Jahrzehnt am Weingut Winkler-Hermaden in Kapfenstein. „Dann hat sich immer wieder der Gedanke eingeschlichen, dass ich selbst etwas machen möchte“, erinnert sich Kroneder zurück.

Sie berief den Familienrat ein: „Wenn du das willst, dann mach es“, lautete der Tenor ihres Mannes und ihrer drei Söhne. Wenig später richtete Kroneder das kleine, leerstehende Lokal in der Altstadtgasse ein und eröffnete „Sissi‘s Weinbar“ – wohl nichtsahnend, dass schon bald viele Feldbacher zu ihren Stammgästen zählen sollten.

Fokus auf das Vulkanland

Kein Bier, kein Kaffee, nur Wein – so lautet seit zehn Jahren das Credo. Spezialisiert hat sich Kroneder auf die Vulkanland-Steiermark-DAC-Weine. „Dabei präsentiere ich nicht nur die großen, namhaften Winzer, sondern auch kleine, outstanding Winzer.“ Sie bietet auch Themenverkostungen mit Weinen aus Spanien, Frankreich, Italien oder Australien an.

In dieser Hülle und Fülle hat Kroneder für sich nie einen Lieblingswein auserkoren, aber einen favorisierten Ausbaustil: die Orts- beziehungsweise Lagenweine. Sie ist eine Verfechterin von Burgunderweinen, besonders schätzt sie den Pinot Noir.

Wein als Lifestyle

Von der Professionalisierung der südoststeirischen Weinwirtschaft profitiert auch Kroneder: „Es gibt heute keinen schlechten Wein mehr. Die Jungen fangen schon auf einem hohen Niveau an.“ Viele Gäste aus Wien, Salzburg oder auch Deutschland würden nach Weinen aus der Südsteiermark fragen, seien dann überrascht, „dass wir im Vulkanland schon sehr weit vorne dabei sind“, beobachtet Kroneder. Man werde immer wieder als kleine Schwester der Südsteiermark gehandelt: „Aber wir wachsen und werden groß, man muss uns nur entdecken.“

Kroneder ist sicher: „Wein ist ein Lifestyle.“ Dennoch erfreuen sich alkoholfreie Alternativen immer größerer Beliebtheit. Dem technischen Prozess, dem Wein Alkohol zu entziehen, steht Kroneder aber skeptisch gegenüber. „Es ist dann kein Ursprungsprodukt mehr.“

Auf „Weinreise“ in Slowenien

Als Ausgleich zur „One-Woman-Show“ in der Gastro – wobei Kroneder mittlerweile Unterstützung von einer Mitarbeiterin und einer Reinigungskraft hat– verbringt sie gerne Zeit in ihrem Garten in Gnas, macht Yoga oder Linedance und schaut sich sowohl in der Region als auch im benachbarten Slowenien gerne an, was es weintechnisch Neues gibt.

Fragt man die 58-Jährige, was die Zukunft bringt, rätselt sie, in welche Richtung sich die Gesellschaft entwickeln wird und was das für die Gastro bedeutet: „Wie können wir das soziale Leben, face to face, wieder mehr genießen? Wie lernen wir, wieder gute Gespräche zu führen und uns im öffentlichen Raum zu treffen?“ Für sie ist klar, dass sie „Sissi‘s Weinbar“ weiterführen möchte, solange es ihr noch Spaß macht – „und das tut es“, sagt sie überzeugt.