Ein riesiger Kran ragt in die Höhe und wird von dichten Staubschwaden umhüllt. Sechs Bauarbeiter gehen durch diese hindurch, schuften unter der prallen Sonne und ziehen die neugierigen Blicke vorbeifahrender, hauptsächlich deutscher Touristen, auf sich. Viele von ihnen wundern sich, dass es auch in Zell laut werden kann. Für die einwohnerärmste Gemeinde Kärntens haben die Arbeiten aber eine enorme Bedeutung.
Wenige Meter neben der westlichen Ortseinfahrt in Zell-Pfarre entsteht ein neues Feuerwehrhaus. Was unspektakulär klingt, hat auf viele der 587 Einwohner große Auswirkungen, erklärt Bürgermeister Heribert Kulmesch (SPÖ). „Das ist ein Meilenstein für uns alle“, sagt der Gemeindechef. Von der ersten Idee über die Standortsuche bis zum Spatenstich vergingen fünf Jahre. Seit Mai laufen die Bauarbeiten.
Feuerwehr hat erhöhten Platzbedarf
Damit kann die Feuerwehr Zell-Pfarre mit ihren zwei Fahrzeugen und Gerätschaften das kleine Gemeindeamt für ein eigenes Zuhause verlassen. „Wir freuen uns. Wir haben einen entsprechenden Platzbedarf, der damit gedeckt wird. Nun können wir geordneter arbeiten“, sagt Kommandant Roman Juch. Das neue Einsatzzentrum bietet bis zu drei Fahrzeugen Platz, dient der Bergrettung aus Ferlach als Einsatzleitstelle und kann bei großflächigen Infrastrukturausfällen zum „Leuchtturm“ für die Zellaner umfunktioniert werden.
1,8 Millionen Euro kostet der Bau. Eine Million Euro übernimmt das Land, 100.000 Euro die Gemeinde. 700.000 Euro fließen dank der Zusammenarbeit mit dem slowenischen Ort Libeliče und der Gemeinde Dravograd beziehungsweise dem Geopark Karawanken. Im Zuge des Interreg-Programms der EU bildete sich diese grenzüberschreitende Allianz, die den Bau neuer Sicherheits- und Schulungszentren auf beiden Seiten ermöglicht. Zukünftig gibt es in Zell Schulungen zum Umgang mit Waldbränden im alpinen Gelände, während sich Dravograd auf die Spezialisierung bei Hochwasserereignissen konzentriert. „Die Zusammenarbeit funktioniert. Das ist auch ein Zeichen dafür, wie grenzüberschreitend etwas Neues entstehen kann“, ist Kulmesch überzeugt.
Fertigstellung im Winter
Im Winter soll das neue Sicherheitszentrum für die rund 35 aktiven Feuerwehrmänner und -frauen in Zell-Pfarre stehen. Mit der Einheit in Zell-Freibach zählt die Gemeinde rund 70 Feuerwehrleute. „Mit so einem Projekt lebt die Gemeinde auf“, sagt der Bürgermeister, der im kommenden Sommer, im Zuge der 100-Jahr-Feier seiner Feuerwehr, das Haus einweihen möchte. Über das Projekt darf sich auch der Bauhof freuen, der dann die Räumlichkeiten der Feuerwehr im Gemeindeamt übernimmt.
Das Einsatzzentrum ist ein Puzzleteil eines Masterplans, mit dem Zell sich neu erfinden möchte. Rund zwei Millionen Euro fließen in den Hochwasserschutz, 9000 Quadratmeter erschlossenes Bauland verkauft man zu günstigen Konditionen an Familien weiter. Kommendes Jahr soll auch die 800 Meter lange Ortsdurchfahrt für knapp 1,5 Millionen Euro erneuert werden. Maßnahmen, die nur mit Hilfe von Bund, Land und EU möglich sind.