Beginnen wir die Geschichte vergnüglicher, also mit Blick auf die bundesweite Entwicklung der Firmeninsolvenzen im ersten Halbjahr. Österreichweit kam es nämlich nach drei Rekordjahren in Serie erst einmal zu einer „leichten Entspannung“, wie die Kreditschützer vom Alpenländischen Kreditorenverband (AKV) wissen. Konkret nahm die Anzahl der eröffneten Insolvenzverfahren im Jahresabstand um 7,7 Prozent auf 2005 Verfahren ab. Sprich: Jede Woche wurden im ersten Halbjahr im Schnitt Verfahren über 77 heimische Unternehmen begonnen.
Gänzlich konträr dazu verhielt sich die Situation in der Steiermark. Dort legten die eröffneten Firmeninsolvenzen nämlich im ersten Halbjahr laut den absoluten AKV-Zahlen um satte 12,8 Prozent auf 291 Pleiten zu. Eine Hochrechnung des KSV1870 hatte derlei Trend bereits erahnen lassen.
Weil aber zugleich – auch in diesem Fall völlig abweichend vom Bundestrend – jene Pleiten um satte 20,6 Prozent abnahmen, bei denen mangels Masse vom Gericht gar kein Insolvenzverfahren eröffnet wurde, relativiert sich die Zahl der Firmeninsolvenzen in Summe. Einschließlich der Abweisungen fielen in der Steiermark im ersten Halbjahr 407 Pleiten von Betrieben an, also etwas mehr als 15 pro Woche. Eine Zahl, die immerhin nur mehr um 0,7 Prozent über jener des Vorjahres liegt. Die meisten Insolvenzen hatte der Handel mit 62 Fällen zu verzeichnen.
LL-resources, Domaine Kilger, Wollsdorf Leder
Wie dem auch sei, geprägt ist die steirische Pleitenstatistik heuer bis dato von Großinsolvenzen. Blickt man auf die Passiva-Werte, also die finanziellen Verpflichtungen gegenüber Dritten, kommen mit den Insolvenzen von LL-resources (130,75 Millionen Euro Passiva) und der Domaine Kilger (83,46 Millionen Euro) zwei der österreichischen „Top-4“ aus der Steiermark. Die Pleite von Wollsdorf Leder wiederum betraf mit 361 Dienstnehmerinnen und Dienstnehmern so viele wie bei keinem anderen heimischen Unternehmen in diesem Jahr. In Summe erhöhte sich die Zahl der gefährdeten steirischen Arbeitsplätze im ersten Halbjahr um 70,4 Prozent auf 1547 Betroffene.
Wie es mit den Firmenpleiten im Land weitergeht? Beim AKV rechnet man mit einem nahezu identen zweiten Halbjahr. Die Prognose der Kreditschützer für das steirische Gesamtjahr 2026: 800 Firmeninsolvenzen und 600 eröffnete Insolvenzverfahren.