Kärnten schrumpft und besonders Oberkärnten. Aber warum ist die Landflucht im Westen noch ausgeprägter? Das Minus beträgt 7,4 Prozent in der Bevölkerungsstatistik für den Bezirk Spittal an der Drau im Vergleich zum Einwohnerschnitt Anfang der 2000er-Jahre. Oder noch anschaulicher: Einst waren es noch rund 81.000 im Bezirk Spittal Ansässige, und jetzt nur mehr 75.000, also um 6000 weniger.
„Kärnten wird leider sehr oft auf den Zentralraum reduziert und auch die Chancen der Koralmbahn werden in den Ballungszentren Villach und Klagenfurt sowie in den Bezirken Völkermarkt und Wolfsberg stärker genutzt. Die Bezirke Spittal und Hermagor haben aufgrund ihrer geografischen Lage als Randregion mit erheblichen Wettbewerbsnachteilen zu kämpfen. Zudem leiden diese Bereiche unter massiver Abwanderung“, schildert der Spittaler Bürgermeister Gerhard Köfer (TK), der unter anderem eine eigene Standortagentur für die Vermarktung Oberkärntens fordert, um die negative Entwicklung umzukehren.
In seiner Stadtgemeinde sei die Einwohnerzahl zum Jahresersten 2026 fast gleich jener vom 1. Jänner 2023. Positive Impulse brächten die Ansiedlungen und Investitionen von IDM Wärmepumpen und Fercam sowie die Entwicklung des Schulsportstandorts und das geplante Primärversorgungszentrum.
Eine Frage des Zuzugs
Über einen leichten Zugewinn, 25 Einwohner mehr, kann sich Hermagors Bürgermeister Leopold Astner (ÖVP) freuen. Doch vor zwanzig Jahren lag die Stadtgemeinde noch deutlich über der Marke von 7000 Einwohnern, jetzt sind es 6930. „Die Einwohnerzahl bleibt seit einigen Jahren relativ stabil bei 6935 bis 6690 Einwohnern. Sie verändert sich zumeist mit der An- und Abmeldung von Arbeitnehmern vor oder nach der Tourismussaison“, schildert Astner, der auf die Kinderbetreuungsplätze verweist, die für junge Familien geschaffen wurden.
Man habe auch Zuwanderung, auch weil heimische Betriebe laufend Mitarbeiter suchen würden. Unter den Zuziehenden: ehemalige Gäste, die ihre Pension in Hermagor verbringen wollen und ihren Hauptwohnsitz verlegen. „Wir müssen aber in Zukunft noch stärker daran arbeiten, dass Menschen im erwerbsfähigen Alter zu uns kommen“, räumt Astner ein.
Altersschnitt steigt
Mit dem kärntenweit höchsten Durchschnittsalter liegen Bad Kleinkirchheim und St. Stefan im Gailtal ex aequo unfreiwillig vorne: 50,9 Jahre ist man dort im Schnitt alt. Deutlich jünger ist der Altersschnitt in Mörtschach mit 42,1.
Positiver Ausreißer nach oben aus dem Mölltal ist die Gemeinde Mühldorf: 9,4 Prozent beträgt das Bevölkerungswachstum im Vergleich zum Durchschnitt zwischen 2002 und 2006.
1000 Radentheiner weniger
In Radenthein schrumpfte die Einwohnerzahl in diesem Zeitraum hingegen um 15 Prozent., circa 1000 Personen fehlen in der Nockstadt. Der neue Bürgermeister Armin Egger hat das Thema schon länger auf der Agenda: „Wir waren mit dem Demographie-Check schon vor vielen Jahren Vorreiter, mittlerweile wurde er für ganz Kärnten übernommen.“ Die Stadtgemeinde bemühe sich stark, um die Attraktivität für Jungfamilien zu steigern: mit Wohnraum, Arbeitsplätzen, Kinderbetreuung und Freizeitangeboten. „Durch Zuzug ist uns der Turnaround gelungen und die gesamte Kurve hat sich nach Jahren massiver Abwanderung abgeflacht.“ Nun habe man eine oft positive Wanderungsbilanz.
Die finale Statistik für 2025 zeigt für Kärnten weiterhin eine rückläufige demografische Entwicklung. Zwar stieg die Zahl der Geburten leicht an, dennoch blieb die Geburtenzahl auf einem historisch niedrigen Niveau. Gleichzeitig nahm auch die Zahl der Sterbefälle zu. Eine Trendumkehr ist nach aktuellen Bevölkerungsprognosen auch langfristig nicht zu erwarten.