Nein, Lilly kennt das Meer (noch) nicht, aber den Wörthersee, den mag sie. Das Hunderl ist eine begeisterte Schwimmerin im See. Dort gibt es zwar keinen Admiral, dafür einen in Graz, den kennt Lilly. Öfter spazieren wir über den grünen Platz mit dem monumentalen Denkmal des Wilhelm von Tegetthoff, das sie mittlerweile nicht mehr versucht zu verbellen. Am 20. Juli 1866, sechzehn Tage nach Österreichs Niederlage gegen die Preußen bei Königgrätz, besiegte des Kaisers Konteradmiral mit seiner Flotte die wesentlich stärkeren Italiener bei Lissa, das heute in Kroatien, rund 45 Kilometer südwestlich von Split, liegt.
Der Tegetthoffplatz in Graz liegt an der Elisabethstraße, zwischen Hartenau- und Seebachergasse. „Ursprünglich wurde der Platz nach Kaiserin Elisabeth genannt, wie 1854 die Straße“, erzählt Stadthistoriker Karl Kubinzky: „1874 gab es eine Petition, hier einen Marktplatz zu errichten, in der Mitte sollte es einen Brunnen geben. Doch es gab weder einen Markt noch einen Brunnen, dafür aber 1887 den Namen Elisabethplatz.“ Erst am 15. November 1935 beschloss die Stadt die Umbenennung auf Tegetthoffplatz – praktisch am Vorabend der Aufstellung des Denkmals.
Erster Standort des Tegetthoffdenkmals war in Pula
Ursprünglich stand dieses Monument in Pula bzw. Pola, dem Hauptkriegshafen der Habsburger-Monarchie. Nach dem Tod des zum Vizeadmiral beförderten Siegers von Lissa gab Kaiser Franz Joseph die Errichtung eines Denkmals in Auftrag. Der Stadthistoriker: „Das Bronze-Standbild Tegetthoffs mit der Figurengruppe auf dem Steinsockel – es sind dargestellt die damaligen Tugenden Sieg und Ruhm sowie die Gottheiten Mars und Neptun – wurde in Wien gegossen, von derselben Gießerei wie das Erzherzog-Johann-Denkmal auf dem Hauptplatz. 1877 wurde es in Pula vor dem Hygrographischen Institut aufgestellt.“
Nach Ende des Ersten Weltkriegs erhielt Italien den Zuschlag von Istrien mit Pula, baute das Denkmal umgehend ab und lagerte es in Venedig. Bald einsetzende Bemühungen, das Tegetthoff-Standbild nach Graz zu holen, scheiterten. Der 1871 überraschend verstorbene Vizeadmiral selbst fand seine letzte Ruhestätte in der Familiengruft auf dem Grazer Leonhardfriedhof. Wie der in Bronze gegossene Tegetthoff doch nach Graz gelangte, die Stadt die Enthüllung wie einen Staatsakt zelebrierte, dokumentierte der Historiker Gerhard M. Dienes.
Das autoritär geführte Österreich und das faschistische Italien näherten sich an
Als das autoritär geführte Österreich und das faschistische Italien des Benito Mussolini sich näherkamen, bescherte das den Bemühungen für den Transfer des Tegetthoff-Monuments einen Schub. Der im Februar 1934 als Bürgermeister von Graz eingesetzte Hans Schmid verhandelte mit italienischen Stellen, die im Sommer 1935 den Grazern das zerlegte Tegetthoff-Denkmal kostenlos überließen. Der Stadtpark sollte Standort werden. „Man kam aber bald davon ab, weil der Park nicht von Monumenten erdrückt werden sollte. Der Platz bei der Tegetthoff-Brücke erwies sich als ungeeignet“, schrieb Dienes. Eine Kommission bestimmte den Elisabethplatz, der Stadtrat fasste am 30. September 1935 den Beschluss und setzte den 1. Dezember für die festliche Enthüllung fest. Die Kosten für Transport, Herstellung des Fundaments, Aufstellung, Anfertigung fehlender Teile wie auch diverse Gartenarbeiten betrugen 30.000 Schilling, nach heutigem Wert rund 160.000 Euro, zum Teil durch Spenden finanziert.
Zum Festakt reiste Bundespräsident Wilhelm Miklas an, Mitglieder der Bundesregierung, eine Delegation aus Ungarn, die den Reichsverweser Miklos Horty, dem letzten Befehlshaber der k.u.k. Kriegsmarine, vertrat. Das Bundesheer stellte eine Ehrenkompanie, der Fürstbischof Ferdinand Stanislaus Pawlikowski zelebrierte eine Feldmesse, umrahmt mit Franz Schuberts Deutscher Messe. „Mein Großvater, der Major-Feldpilot, einer der wenigen Fliegerkommandanten des Ersten Weltkrieges, warf Bomben über Mailand ab und nahm ebenfalls an diesem Festakt teil“, berichtet Stadthistoriker Kubinzky. Die Grazerinnen und Grazer strömten zur prominent besetzten Veranstaltung, der Marineverband vermietete die Fenster der Elisabethschule.
Grüne Vizebürgermeisterin Rücker stellte die Frage, wie zeitgemäß solche Denkmäler noch sind
Das baufällig gewordene Denkmal sorgte 2013 wieder für Schlagzeilen. Wegen Gefahr in Verzug musste es abgetragen werden. Die für Kultur zuständige Vizebürgermeisterin Lisa Rücker (Grüne) räsonierte, ob so ein Denkmal überhaupt zeitgemäß wäre. 2016 wurde es zum 150. Jahrestag der Seeschlacht von Lissa doch saniert wieder aufgestellt.
Ist auch das Denkmal des Admirals Mittelpunkt des Tegetthoffplatzes, interessant ist gleichfalls die Häuserzeile hinten: der 1931 für die Gemeindesparkasse Graz errichtete Wohnbau. „Die neue Sachlichkeit ist in der Architektur sichtbar, ein Pionierbau, mit teilweise zwei Toiletten pro Wohnung und mit Lift“, schwärmt Kubinzky, während Lilly den Spuren im Rasen des Parks den Vorzug gibt und erkundet, welche Vierbeiner sich hier verewigt haben. Fürs Hunderl sind Denkmäler eben nicht sicht-, sondern riechbar.