„Hola, cuartos de final!“, wie der Spanier zu sagen pflegt, oder „Olá, quartas de final!“, wie es auf Portugiesisch heißt – wie auch immer, den Fans einer der beiden iberischen Fußball-Giganten wird nach dem heutigen Achtelfinal-Kracher in Dallas (21 Uhr, ServusTV live) ein strahlendes „Hallo, Viertelfinale!“ über die Lippen kommen. Zu favorisieren sind freilich die Spanier, die auf den Fußball heruntergebrochen zu Portugal als „großer Bruder“ ein ähnliches Verhältnis pflegen wie Deutschland zu Österreich. Insgesamt 41 Mal trafen die beiden Mannschaften bisher aufeinander, die Bilanz weist Spanien mit 19:6 Siegen (bei 16 Unentschieden) mit einem deutlichen Übergewicht aus.
Bei der WM in Übersee haben die Spanier ihre Ambitionen auf den zweiten WM-Titel nach 2010 bis dato in eindrucksvoller Manier untermauert. Davon musste sich auch Österreichs Nationalmannschaft überzeugen, die beim 0:3 im Sechzehntelfinale gegen die Truppe von Luis de la Fuente, die im bisherigen Turnierverlauf noch keinen Gegentreffer zugelassen hat, komplett abgemeldet war. Als zweifacher Torschütze dabei herausgestochen hat Bilbao-Stürmer Mikel Oyarzabal. Wobei das Augenmerk in Spaniens Elf aber vor allem auf Teenager Lamine Yamal liegt. Musste der Jungstar von Barcelona in den bisherigen vier WM-Partien noch nie über die volle Distanz gehen, ist heute wie bereits gegen das ÖFB-Team (da wurde er in Minute 85 ausgewechselt) mit seinem Einsatz von Anpfiff an zu rechnen.
Damit dürfte dem Generationenduell mit Portugals Cristiano Ronaldo (der 41-Jährige ist um 23 Jahre älter als Yamal) nichts im Wege stehen. Außer Coach Roberto Martinez wagt das Undenkbare und setzt seinen Superstar, der sich mit seinem verwandelten Elfmeter gegen Kroatien zum ältesten WM-Torschützen in der K.o.-Phase geschossen hat, auf die Bank. In Übersee hat Ronaldo bisher dreimal eingenetzt, insgesamt hält er bei elf WM-Toren, überzeugen konnte der mehrfache Weltfußballer bei diesem Turnier allerdings noch nicht. Goncalo Ramos wäre definitiv eine torgefährliche Alternative, doch dürfte sich Martinez trotz dieser Verlockung wohl nicht die Finger verbrennen wollen.
Rückendeckung für Ronaldo
Da spielt es auch keine Rolle, dass Gerüchte kursieren, wonach die Harmonie in der portugiesischen Kabine wegen CR7 nicht stimme. Dem widerspricht Martinez und springt für seinen Ausnahmekönner vorsorglich in die Bresche: „Wir reden hier vom größten Spieler der Geschichte. Er ist hier, weil er immer noch auf dem höchsten Level abliefert und nicht, weil er in der Vergangenheit viel erreicht hat.“ Unterstützung kommt auch von Portugals Legende Luis Figo: „Es ist offensichtlich, dass einige Spieler Cristiano nicht im Team haben wollen. Vielleicht denken sie, dass er sie bremst. Aber Cristiano hat das Nationalteam über Jahre auf seinen Schultern getragen und verdient sich Respekt. Was haben denn seine Kritiker erreicht? Nichts!“
Von einem Einsatz des Megastars geht auch Yamal aus, der noch nicht einmal das Licht der Welt erblickt hatte, als Ronaldo 2006 in Deutschland sein WM-Debüt für Portugal gab. „Es ist natürlich eine Ehre, gegen Cristiano zu spielen“, diktierte der 18-jährige Spanier artig in die Aufnahmegeräte der Journalisten, legte dann aber gleich voller Selbstvertrauen nach: „Aber wir müssen vor niemanden Angst haben. Wir sind Spanien!“ Und da hat er wohl recht. Seit mittlerweile 35 Länderspielen ist „La Roja“ ungeschlagen, die bisherigen Auftritte bei der WM ließen Spaniens Presse die Auferstehung des Nationalteams, das sich 2024 zum Europameister gekürt hatte, feiern. Eine Rückkehr, der auch der „kleine Bruder“ Portugal trotz des großen Ronaldos nicht im Weg stehen soll.