„Es war einmal ein Kuhhirte, der war so einsam, wie ein Mensch in dieser Welt nur sein kann.“ Mit diesem schönen Satz beginnt das neue Abenteuer „Die Grimm Brothers“, ein so genannter Hommage-Band, der nicht zur offiziellen Albenreihe gehört.
Lesereise in den Wilden Westen
In dieser Reihe werden alternative Lesarten des einsamen Cowboys geboten. Dieses Mal schicken Texter Flix und Zeichner Reinhard Kleist die Gebrüder Jacob (1785-1863) und Wilhelm Grimm (1786-1859) in ein poetisches Abenteuer, das aus dem märchenhaften Schatz der berühmten deutschen Märchensammler und Sprachwissenschaftler schöpft. Die Brüder unternehmen eine Lesereise im Wilden Westen und engagieren dabei Luke als eine Art Begleiter und Beschützer.
Ziemlich schnell wird klar, dass man in den Salons und Spelunken zwischen Simpletown und Highbrowville mit der kultivierten Art der deutschen Brüder wenig anfangen kann: „Es war einmal ein König und eine Königin“ beginnen sie ihre Erzählungen und schon machen sich die Leute aus dem Staub. Und die Brüder erkennen: „Dieses Land ist voll von kulturlosen Banausen.“. Schnell wird klar, dass man den Amerikanern geben muss, was die Amerikaner verlangen: ihre eigenen Geschichten. Und so besinnen sich die Grimms ihrer Sammlung und besuchen Ma Dalton im Gefängnis, die ihnen eine Lügengeschichte auftischt: „Es waren einmal vier Brüder, die waren die prächtigsten und anständigsten Jungs.“
Der von Kleist gezeichnete Lucky ist stilistisch durchaus mit der aktuellen von Achdé (Hervé Darmenton) gezeichneten Alben-Reihe zu vergleichen und auch Flix ersinnt eine Geschichte, die so auch als „echtes“ Album durchgehen könnte. Eine sehr gelungene Hommage, die auch Kritik an der jetzigen politischen Situation übt, indem die Grimm Brothers die „Fake-News“ von Ma Dalton verbreiten – und alle wildwestliche Welt glaubt plötzlich: Die Daltons sind die besten Menschen in der ganzen weiten Welt. Nur Lucky Luke bleibt skeptisch – ein einsamer, aber weiser Cowboy.