„Mir geht es an sich ganz gut.“ Ein Satz, der bei Triathlet Georg Enzenberger stutzig macht. Zu verhalten klingt die Antwort für einen Paradeathleten, als dass man sie einfach so stehen lassen könnte. „Ich hatte im Job zuletzt ziemlich viel zu tun, deshalb hätte das Training besser sein können. Aber ich will jetzt nicht sudern, sondern versuche das Beste daraus zu machen.“ In diesem Zusammenhang verriet der Oberösterreicher, dass er vor drei Monaten einen internen Posten als Produktionsleiter (Schichtarbeit) übernommen hat. „Deshalb kann ich nur schwer einschätzen, was am Sonntag herausschaut.“
„Ich habe es mir leichter vorgestellt“
Auf die Frage, wie sich der intensive Ausdauersport mit einem Vollzeitjob vereinbaren lässt, gibt er offen zu: „Ich habe gewusst, worauf ich mich einlasse, aber es ist schwierig und teilweise verdammt mühsam. Ich habe es mir leichter vorgestellt. So, wie ich es mir mit meinen eigenen Ansprüchen wünsche, funktioniert es nicht. Manchmal bin ich nach der Arbeit, die mir extrem taugt, so erledigt, dass nichts mehr geht. Mit zwölf Stunden Training erreiche ich nicht das Niveau, das ich von mir selbst erwarte. Gleichzeitig muss ich auch an die Zukunft denken. Und wenn ich ehrlich bin, leidet auch das Privatleben darunter.“
Daher habe er beschlossen, „dass Klagenfurt wohl mein letztes Profirennen sein wird. Ich werde nicht völlig aufhören, weil ich Spaß daran habe, aber danach wird der Sport wieder mehr zu meinem Hobby werden“, sagt Enzenberger, der heuer lediglich beim Apfeltriathlon an den Start gegangen ist.
Für den 32-jährigen Eferdinger, der 2017 nach knapp eineinhalb Jahren im Triathlonsport in Klagenfurt debütierte, seine Altersklasse gewann und sich als Amateur für die Weltmeisterschaft auf Hawaii qualifizierte, speist sich die Faszination, ein „Eiserner“ zu sein, aus Überwindung, Hingabe, Konsequenz, Durchhaltevermögen und einer hohen Schmerzbereitschaft.
Aufgeben kommt für „Enzi“ nur in einer Situation infrage: „Wenn es gefährlich wird. Sollte mir der Kreislauf zusammenbrechen, liege ich womöglich irgendwo im Graben. Da spielt die Vernunft eine große Rolle – auch wenn da ein innerer Zwiespalt mitschwingt. Aber es tut schon richtig weh, wenn man merkt, dass es wirklich nicht mehr geht und man sich vielleicht komplett übernommen hat.“ Kapitulieren würde er jedoch nie, wenn er das Gefühl hätte, ergebnistechnisch nichts mehr ausrichten zu können. „Allein schon aus Respekt gegenüber den anderen Athleten würde ich deshalb nie aussteigen.“
„Es ist immer ein Erlebnis“
Der Schauplatz Kärnten ist auch für den Klagenfurt-Dritten von 2023 (“da bekomme ich immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke“) nach wie vor „etwas ganz Spezielles. Die Atmosphäre und diese Naturkulisse rund um den Wörthersee sind traumhaft. Dazu kommt der Nationalstolz der heimischen Fans, der einen noch mehr pusht. Es ist immer ein Erlebnis“, sagt Enzenberger und meint, „dass ich in meinen Anfangsjahren nicht geglaubt hätte, nur ansatzweise das zu erreichen, was mir tatsächlich gelungen ist.“
Enzenberger hat zuvor sein Privatleben erwähnt. An seiner Seite ist mit Nicola Kuhn eine österreichische Wasserski-Akrobatin, die sich im April im Training „leider das Kreuzband gerissen hat und daher länger pausieren muss. Die Stimmung war eine Zeit lang im Keller, aber es geht zum Glück wieder bergauf.“