Nimmt man die Bemühungen der Marching Band als Maßstab, wird das Nationalteam seinen WM-Aufenthalt in Santa Barbara genießen. In guter alter College-Football-Tradition spielte die Kapelle anlässlich der öffentlichen Trainingseinheit des Nationalteams auf und hat dafür sogar extra die heimliche rot-weiß-rote Bundeshymne I Am From Austria einstudiert.

Unter anderem zu diesen wohlvertrauten Klängen präsentierte sich das Nationalteam am späten Vormittag des Freitags erstmals auf US-Boden. Jeder WM-Teilnehmer ist verpflichtet, eine öffentliche Trainingssession abzuhalten. Der ÖFB entschied, dies gleich am erstmöglichen Tag zu erledigen. „Wir wollten der Community hier Danke sagen für die Gastfreundschaft“, erklärt ÖFB-Geschäftsführer Bernhard Neuhold anlässlich der offenen Arme, mit denen man in der an der Pazifikküste gelegenen Stadt empfangen wurde.

Die Freude, dass sich mit Österreich ein WM-Teilnehmer an der „amerikanischen Riviera“ niedergelassen hat, spiegelte sich auch am Publikumsinteresse wider. Rund 3000 Tickets wurden im Vorfeld abgesetzt. Auf der Haupttribüne des 17.000 Zuschauern fassenden Harder Stadiums, inmitten des Campus der University of California Santa Barbara gelegen, fand sich in der Tat ein bunter Mix an Schaulustigen.

Selbige stammten keineswegs allesamt aus Kalifornien. Da wäre zum Beispiel auch Sophie aus Niederösterreich. Sie bat mittels Plakat die ÖFB-Kicker, sie „zur coolsten Cousine und Nachbarin aller Zeiten“ zu machen, indem sie für die daheimgebliebene Verwandtschaft Autogramme und Videobotschaften abstaubt. Weite Anreise hatte sie trotzdem keine, sie werkt in Santa Barbara als Au pair.

Auch gern gesehen waren Besucher mit rot-weiß-roten Wurzeln wie Sarah, die ihren Sohn Solan einpackte, um ihm die besten Kicker der Heimat ihrer Eltern zu zeigen. Dessen Lieblingsspieler? David Alaba. Die Mama bevorzugt Konrad Laimer. US-Boy Leo präsentierte sich stolz im ÖFB-Trikot, das er anlässlich der Europameisterschaft in Leipzig erworben hat. „Ich war beim besten Spiel der ganzen EM“, outet er sich als Besucher der Achtelfinalpartie Österreichs gegen die Türkei und bohrt somit unabsichtlich in offenen Wunden.

Dankbarkeit für Kevin Danso

Auch Sam fand den Weg zur vormittäglichen Bewegungseinheit aus fachlichen Gründen. „Ich bin riesiger Tottenham-Fan und wegen Kevin Danso hier“, offenbart er nach einer denkbar schweren Saison für den Premier-League-Verein, der den Abstieg gerade noch verhindern konnte. „Kevin hat uns mit seinen starken Leistungen am Schluss gerettet“, zeigt er sich dankbar.

Allesamt sahen ein Training, das die Zuschreibung lockere Bewegungstherapie verdiente. „Wir müssen natürlich auf die Anforderungen der Zeitverschiebung Rücksicht nehmen“, erklärte Sportdirektor Peter Schöttel. David Alaba, Xaver Schlager und Patrick Wimmer wurden komplett geschont.

Gesangseinlage

Ehe die Zuschauer nach einer guten halben Stunde Training offiziell auf Autogramm- und Selfie-Jagd gehen durften, erlebten sie noch ein Dankeschön der speziellen Art. Neue Mitglieder müssen laut einer guten, alten Tradition ein Ständchen singen. Derart öffentlich wie der neue Videoanalyst Michael Brownlow musste dies aber wohl noch keiner erledigen. Die Marching Band spielte noch mal I Am From Austria, er sang nach bestem Wissen und Gewissen den Text dazu.