Eine Lokomotive ist keine stille Leinwand. Sie rollt durch Täler, steht in Bahnhöfen, taucht für Sekunden am Horizont auf und verschwindet wieder. Genau darin liegt für Marie-Therese Abart der Reiz. Die freischaffende Künstlerin und Grafikdesignerin hat mehrere Loks des Wiener Güterverkehrsunternehmens Adesso Rail gestaltet und aus schweren Maschinen fahrende Einzelstücke gemacht. „Ganz wichtig war, dass jede Lokomotive ein Unikat ist“, sagt die 30-jährige Innsbruckerin, die heute am Faaker See lebt.
Chihuahua „Lucky“ fährt mit am Zug
Begonnen hat die Zusammenarbeit mit einer Anfrage der Gründerin des Transportunternehmens. Ob sie eine Lokomotive gestalten könne, wurde Abart gefragt. Sie konnte. Aus ersten Bleistiftskizzen auf Papier, Entwürfen am iPad und vielen Farbproben entstanden die Designs, die in der Nähe und auf große Distanz wirken müssen. „Eine Lok ist keine Leinwand im Atelier“, lacht die 30-Jährige. Sie fährt durch Landschaften, steht auf Gleisen, wird von Trainspottern gesucht. Auch Chihuahua „Lucky“, Hund der Firmengründerin, fand seinen Platz mitsamt seinem Lieblingskuscheltier. Eine weitere Zusammenarbeit ist nicht ausgeschlossen, es könnten bald weitere Loks mit ihren Designs unterwegs sein.
Wenn die zweifache Mutter nicht gerade tonnenschwere Loks designt, steht sie in ihrem eigenen Atelier und malt auf Leinwand. „Ich mache bei meiner Kunst ausschließlich Unikate“, sagt Abart. Von Reproduktionen und Kunstdrucken distanziert sie sich. In ihrer Malerei arbeitet sie abstrakt, mit Acryl auf Keilrahmen, aus inneren Fragen, Erlebnissen und Haltungen heraus. Auch bei den Loks geht es ihr um Wirkung, Farbe und Lebendigkeit. Für die erste Lok investierte sie rund 100 Stunden Designzeit.
Zur Kunst kam Abart früh. Mit drei Jahren malte sie mit Fensterfarben auf Leinwänden, die ihr Vater mitgebracht hatte. Diese sind den heutigen Werken nicht unähnlich. Später traute sie sich, die Arbeiten zu zeigen. Aktuell hängen Werke in der Galerie am See in Velden und im Kunsthandel Wiedergut in Villach, auch in der Galerie Steiner im ersten Wiener Bezirk war sie vertreten. Den Austausch mit Menschen sucht sie bei Vernissagen und über soziale Medien. „Meine Bilder dienen nicht dem rein dekorativen Zweck“, sagt sie. Aus Gesprächen und Alltagsmomenten entstehen Inspirationen für neue Arbeiten, deren Geschichten sie auf Social Media gerne erzählt.
Von Innsbruck an den Faaker See
Nach Kärnten zog sie mit ihrem Partner und ihrem damals einjährigen Kind, weil beide mehr Raum suchten – ein Haus, ein Atelier, ein Leben zum Verwirklichen. Heute renoviert sie neben zwei Kindern, arbeitet an ihrer Kunst und arbeitet abseits der Malerei an einem anderen Projekt: ein Kinderbuch über ihre zwei eigenen Kinder. „Text, Layout und Illustrationen kommen von mir.“ Aktuell ist sie dabei, ihre Werke aus allen Himmelsrichtungen zu sich zu holen, denn ihre Vernissage im Café Seerose am Aichwaldsee findet am Freitag, 12. Juni um 19 Uhr statt.