Was in der Theorie anhand von Vorträgen präsentiert wurde, entwickelte sich in der Praxis zu einem Kraftakt: Im Rahmen des Seminars „Faszination Trockensteinmauer“ der Nationalpark Akademie wurde am Wiesenweg in St. Jakob im Defereggental eine rund 25 Meter lange Trockensteinmauer rundum erneuert. Mehr als 60 Tonnen Naturstein wurden von den Teilnehmenden – unter fachkundiger Anleitung – mit vollem Körpereinsatz bewegt, sortiert und präzise ohne Mörtel verbaut. Als besondere Herausforderung wurde zusätzlich eine Steinnische integriert – eine anspruchsvolle Detailarbeit, die viel Geschick abverlangte. Die neue Mauer wird nicht nur das Landschaftsbild prägen, sondern voraussichtlich noch in 100 Jahren Bestand haben.

Gleichzeitig wurde im Seminar deutlich, dass Trockensteinmauern mehr sind als bloße Begrenzungen. Sie zählen zu den ältesten und nachhaltigsten Bautechniken der Menschheit und sind als immaterielles Unesco-Kulturerbe anerkannt. In den Fugen der Mauern entstehen wertvolle Lebensräume – sogenannte Biodiversitäts-Hotspots – in denen zahlreiche Tier- und Pflanzenarten Unterschlupf finden. Die Teilnehmenden haben somit nicht nur ein langlebiges Bauwerk geschaffen, sondern auch aktiv zum Natur- und Kulturschutz in der Region beigetragen.