In den vergangenen Tagen sorgte die Idee eines Kärntners für Schlagzeilen in ganz Österreich und darüber hinaus: Ein spezielles Kunststoff-Netz mit kleinen Spitzen sollte Schafe vor Wolfangriffen schützen. Diese „Rüstung“ wurde heftig diskutiert, nun wurde ein Versuch im Gailtal abgebrochen.
So soll das Netz vor Wölfen schützen
Erfunden hat das patentierte „Schafsnetz“ der 72-jährige Villacher Rudolf Schaubach. Drei Jahre hat er an der Idee gearbeitet. Das Netz aus Kunststoff wird dem Schaf angelegt, nach außen zeigen Noppen beziehungsweise kleine Spitzen. Kopf, Euter und Hinterteil bleiben frei, damit das Tier fressen, sich bewegen und ein Lamm säugen kann. Die Spitzen sollen Wölfe beim Zubeißen abschrecken. Schaubach, der früher in der Landwirtschaft arbeitete und Jäger war, sieht darin einen möglichen Beitrag zum Herdenschutz.
Anzeige nach dem Tierschutzgesetz
Getestet wurde das Netz kürzlich im Gailtal. Ein Landwirt stellte dazu ein Schaf zur Verfügung. Berichte über den Versuch holten jedoch Tierschützerinnen und Tierschützer auf den Plan. Der Tierschutzverein Austria unter Präsidentin Madeleine Petrovic erstattete Anzeige nach dem Tierschutzgesetz gegen Schaubach und den Landwirt. Der Verein stellt infrage, ob Wohlbefinden und Bewegungsfreiheit des Tieres mit einem solchen Netz ausreichend gegeben sind. „Bei uns sind viele Protest-Mails eingegangen, von Menschen, die nicht verstehen, dass so etwas erlaubt ist“, erklärt Michaela Lehner, Leiterin der Stabsstelle Recht beim Tierschutzverein.
Weiters erklärt sie: „Das Sozialverhalten der Tiere wird damit verunmöglicht. Schafe sind Fluchttiere. Sie rennen durch Büsche und verstecken sich dahinter. Es besteht die Gefahr, dass sie hängen bleiben und sich verletzen.“ Man plane nun ein Gutachten von einem gerichtlich beeideten Sachverständigen aus dem Veterinärwesen einzuholen. Laut Schaubach wurde der Testlauf nun auch von Behördenseiten gestoppt. Auf Anfrage der Kleinen Zeitung erklärte der Landwirt, dass es sich ohnehin als nicht praktikabel herausstellte.
Erfinder will nicht aufgeben
Aufgeben will der Erfinder seine Idee dennoch nicht: „Ich bin ein ideenreicher Mensch. Es muss einen Mittelweg geben, mit dem Wölfe und Schafe nebeneinander leben können.“ Er habe seinen Anwalt kontaktiert und warte nun auf ein Schreiben des Amtstierarztes. Zugleich kündigt er Adaptierungen an. Künftig solle nicht mehr das ganze Schaf mit dem Netz bekleidet werden.