6–33,81–200. Mit diesen Maßen wird man also Austria‘s Next Topmodel-Bim. Jedenfalls sind sechs Flügeltüren, eine Länge von 33,81 Metern und Platz für 200 bestimmt noch neugierige Fahrgäste in Graz in aller Munde: Das und mehr hat die nagelneue Straßenbahn namens „Flexity“ zu bieten, die ab sofort im Regelbetrieb eingesetzt wird. So sei die Einstiegshöhe von nur 215 Millimetern ohnehin „die weltweit niedrigste“, ließ man seitens der Firma Alstom als Hersteller wissen.

Bei dieser haben die Stadt Graz und ihr Tochterunternehmen Holding Graz vorerst 31 Flexity-Garnituren bestellt. Schon jetzt werden in der Landeshauptstadt täglich mehr als 300.000 Passagiere von Puntigam nach Andritz und von Waltendorf nach Eggenberg transportiert. Addiert man einen stetig wachsenden Ballungsraum und steigende Touristenzahlen hinzu, ergab das aus Sicht der Verantwortlichen die Notwendigkeit für moderne und vor allem längere Straßenbahnen. Zum Vergleich: Die bis dato jüngste Grazer Bim, die Variobahn, fasst 145 Personen.

Auf „Theodora“ getauft

Am Mittwoch ist die erste Flexity „gschnäuzt und kampelt“ sowie in glänzendem Weiß-Grün für die Premierenfahrt bereit. Zuvor wird dieser Wagen noch feierlich auf den Namen „Theodora“ getauft – benannt nach jener Thedora Acham, die gemeinsam mit Kollegin Inge Steiner im Jahr 1988 als erste Straßenbahnlenkerin in Graz Geschichte schrieb. Wie also die zweite in Graz eingesetzte neue Bim heißen wird? Erraten: Inge.

Was beim Einsteigen sofort auffällt: Man nimmt in der Flexity auf Ledersitzen Platz. Ein Umstand, der schon vorab für Aufsehen sorgte – und für Skepsis, ob das im hektischen Alltag gut geht. Ganz im Gegenteil, versicherte man seitens Alstom: Diese Recycling-Lederauflagen stellen offenbar die Weichen für besseres Benehmen, denn in anderen Städten sei nach der Installation der Vandalismus zurückgegangen.

Sicherheitssysteme

Ja, die neue Grazer Bim hat auch nette Spielereien wie sechs induktive Handy-Ladestationen auf Lager. Doch die Holding-Graz-Vorstände Gert Heigl und Mark Perz verweisen besonders auf die eingebauten Sicherheitsvorrichtungen: Neben gängigen Assistenzsystemen sind bei den Flexity-Türen zusätzliche Sensoren bei den Türgummis eingebaut, um jegliches Einklemmen zu verhindern. Ein leider aktuelles Thema: Wenn auch die Umstände noch ungeklärt sind – eine 68-jährige Frau wurde offenbar im April beim Einsteigen in eine Grazer Bim eingeklemmt und kam derart unglücklich zu Sturz, dass sie an den Folgen der Verletzungen verstarb. Zudem signalisieren Lichtsignale außen neben den Türen der neuen Bim, ob diese noch zum Einsteigen einladen (grünes Licht) oder sich bald schließen (rotes Licht).

Was der Spaß kostet? Im Jahr 2024 hatten Stadt und Holding Graz zunächst 15 solcher Flexity-Garnituren geordert – um 75 Millionen Euro inklusive langfristiger Wartungsverträge. Ein Jahr später folgte Schritt zwei mit dem Beschluss, weitere 74 Millionen Euro für 16 weitere Alstom-Bims und acht Gelenkbusse in die Hand zu nehmen. Acht dieser Garnituren sind bereits in Graz, sie werden nach und nach im Regelbetrieb eingesetzt. Und: Schon in Kürze soll der Gemeinderat die Bestellung 24 weiterer Flexity-Modelle absegnen.

Lob und Kritik

Am Mittwoch lassen sich die Flexity-Premiere auch Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ), Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne) und SPÖ-Klubchefin Daniela Schlüsselberger nicht entgehen. Apropos Rathauskoalition: Die Startfreigabe für die Flexity ist nur ein Mosaikstein von vielen im Rahmen der Öffi-Offensive. Erst im November 2025 ging ja beispielsweise die zuvor drei Jahre lang gebaute „Neutorlinie“ via Andreas-Hofer-Platz an den Start, aktuell spucken Arbeiter beim zweigleisigen Ausbau der Linie 1 rund um den Hilmteich in die Hände. Projekte, die viele in Graz als Zeichen der Zeit im Sinn einer sanften Mobilität begrüßen – andere jedoch stark kritisieren, gerade angesichts des ständigen Verlusts von Autoparkplätzen, der oft im Zuge von Rad- und Gehwegen entlang der neuen Schienen verloren gehen.