Es war eine Etappe, wie auf dem Reißbrett entworfen von den Spitzenteams. 133 Kilometer, gespickt mit vier Bergwertungen, ehe es noch auf den fast 15 Kilometer langen Schlussanstieg auf die Skistation Pila hinaufging. Eine starke Fluchtgruppe, die aber am letzten Berg von der Spitze, die das Tempo zusehends verschärfte, geschluckt wurde. Und dann die entscheidende Attacke von Jonas Vingegaard (Team Visma), der keiner folgen konnte, auch Felix Gall nicht. Solo feierte der Däne seinen dritten Etappensieg bei der dritten Bergetappe in diesem Jahr und schlüpfte damit auch ins Rosa Trikot des Gesamtführenden. Der Portugiese Afonso Eulàlio rettete sich aber mit 2:49 Minuten Rückstand so ins Ziel, dass er noch vor Felix Gall Gesamtzweiter bleibt. Gall wiederum hielt einmal mehr am längsten mit Vingegaard mit, verlor an diesem Tag aber selbst 44 Sekunden auf den Dänen, das reichte eben nicht, um hinter ihm Gesamtzweiter zu werden.
Die direkten Gegner distanzierte er aber. So wie auch den bisherigen Gesamtführenden Afonso Eulàlio, der nach zehn Tagen in Rosa auf dem langen Schlussanstieg zurückfiel, 2:49 Minuten verlor und das „Maglia Rosa“ an Vingegaard abtreten muss, aber eben Rang zwei rettete. Die Attacke, die zur Entscheidung führte, ritt Vingegaard schon 4,5 Kilometer vor dem Ziel, nachdem sich seine Mannschaft einer nach dem anderen aufgeopfert hatte; und diesmal setzte er sich weiter von Gall ab als bei seinen bisherigen Schlussattacken – 48 Sekunden waren es, die der 29-jährige Österreicher verlor. Doch zumindest konnte Gall den Rest des Feldes in Schach halten und fuhr auf Rang zwei, nahm dem Niederländer Thylen Arensman 35 Sekunden ab, der fiel damit hinter den Österreicher zurück. Der hat damit gute Chancen, als erster Österreicher seit Adolf Christian 1957 (bei der Tour de France als Dritter) wieder eine der drei großen Landesrundfahrten auf dem Podest zu beenden. Nur gegen Vingegaard scheint kein Kraut gewachsen.
Am Pfingstsonntag bietet sich für die Bergfahrer auf einer nahezu völlig flachen Etappe nach Mailand Chance zur Erholung, ehe es am Montag noch einen Ruhetag gibt – so richtig in die Berge geht es dann erst wieder auf den letzten Etappen des Giro Richtung Wochenende. Vingegaard war natürlich hochzufrieden: „Diese Etappe bleibt in Erinnerung, meine Teamkollegen waren einfach unglaublich, haben einen unfassbaren Job getan“, sagte er.
Zum dritten Mal war der Däne am Ende des Tages voran, zum dritten Mal war Felix Gall hinter ihm Zweiter; ein Zeichen der Konstanz. „Ich bin sehr glücklich, aber es war härter heute und ich habe sehr gelitten“, meinte Gall. „Ich hatte gehofft, dass ich an Jonas Hinterrad bleiben kann, aber ich habe dann schnell gemerkt, bei dieser Hitze, dass das keinen Sinn hat, es zu versuchen. Also bin ich mein eigenes Tempo gefahren.“ Klar scheint für ihn aber nun auch: „Jonas ist wohl nicht zu schlagen. Aber es war das Ziel, aufs Podest zu fahren, da sieht es ganz gut aus.“